Notausstiegshilfe NOAH

Die Gedanken und Entwicklungen zu einer Notausstiegshilfe gehen bei DG zurück bis in das Jahr 1995. Zusammen mit der Ballonfabrik Augsburg und dem Ingenieur Thomas Matuschak wurde ein System entwickelt, welches den Notausstieg aus einem Segelflugzeug vereinfachen und vor allem erleichtern sollte. 2002 wurde das NOAH offiziell zugelassen. DG Flugzeugbau bietet seither für alle DG-Einsitzer sowie für die LS8 und LS10 dieses wichtige Sicherheitsfeature an.

Dass es beim Notausstieg aus einem Segelflugzeug um Sekunden geht, ist den meisten Piloten bewusst. Dennoch, so belegen die Unfallzahlen des Luftfahrtbundesamtes, endet die Hälfte aller Unfälle, bei denen ein schneller Notausstieg erforderlich gewesen wäre, tödlich.

Der schnelle Notausstieg wird in der Regel durch mehrere Faktoren erschwert:

  • Niedrige, für den Notausstieg ungünstige Sitzposition
  • Enge Cockpits erschweren das Aufrichten des Oberkörpers mit den Armen
  • Hohe Beschleunigungslasten von teilweise deutlich über 2g
  • Körperliche Verfassung des Piloten oder auch Verletzung nach einer Kollision.

 

Schneller Notausstieg dank NOAH

Das patentierte NOAH-System ermöglicht dem Piloten eines Segelflugzeuges den Notausstieg in kürzester Zeit. Hauptmerkmal des Systems ist ein mit Hochdruck aufblasbares Luftkissen, vergleichbar mit einem Airbag aus der Automobilbranche, das unter dem Piloten in der Sitzschale angebracht ist. Über einen Griff kann dieses Luftkissen innerhalb einer Sekunde aufgeblasen werden und drückt so den Piloten sicher aus dem Cockpit. Der Notausstieg wird damit auf einen Bruchteil der sonst üblichen Zeit reduziert.

 

 

Aufbau des Systems

Das gefaltete NOAH Kissen ist platzsparend unter dem Sitzkissen an der Sitzschale befestigt. Es ist über einen Schlauch mit einer kleinen Hochdruckflasche verbunden die über ein Ventil verfügt.

Der zum NOAH gehörende Betätigungsgriff sitzt gut erreichbar an der Bordwand im Flugzeug. Bei Betätigung entriegelt er automatisch das Gurtschloss und öffnet das Ventil der Druckflasche. Mit 200bar Druck wird daraufhin das Kissen innerhalb 1 Sekunde aufgeblasen und drückt den Piloten über die Bordwand hinaus nach oben.

Um zu verhindern, dass der Pilot gegen die Haube schlägt, ist die Auslösung nur bei abgeworfener Haube möglich.

Damit reduziert sich der Notausstieg auf lediglich 2 Schritte:

  1. Betätigen des Haubennotabwurf
  2. Ziehen am NOAH Betätigungsgriff

 

Technische Daten:
Gesamtgewicht aller Komponenten: ca. 3,5 kg
Druckerzeugung: Stickstoff, 200 bar
Aufblasgeschwindigkeit: ca. 0,7 sec.
Auslegungsbereich (Pilotengewicht 110 kg) bis 4g

Mit der TM DG-G-11 wurde 2015 das NOAH System weiter verbessert. So verfügt die NOAH Flasche nun über ein Manometer, welches das einfache Überprüfen des Drucks ermöglicht. Mit einem geänderten Kissen wurde der Prozess des Aufblasens verbessert und noch sicherer gemacht.

Erfreulicherweise kann das NOAH nun auch in verschiedene Typen der Firmen Schempp-Hirth und Alexander-Schleicher eingebaut werden. Nähere Informationen hierzu sind über den LTB Güntert + Kohlmetz erhältlich.

 

Erlebnisbericht:

Michael Eisele war als Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft 2017 Teilnehmer an der Weltmeisterschaft in Benalla/Australien. Der durch schwieriges Wetter und ausgeprägte Pulk-Fliegerei geprägte Wettbewerb musste eine Vielzahl an Beinahezusammenstößen verzeichnen. Leider kam es dabei auch zu einem Zusammenstoß zwischen Michael und einem anderen Wettbewerbspiloten. Beide mussten das Flugzeug in der Luft verlassen. Michael schildert seine Eindrücke zu diesem Vorfall wie folgt:

Nach meinem Zusammenstoß bei der Segelflug-WM in Australien, hatte ich das Glück, dass sich mein Flugzeug in einer relativ vorteilhaften Fluglage befand und ich somit mit geringem Höhenverlust und wenig G-Belastung aussteigen konnte. Der andere Pilot hatte dieses Glück leider nicht und musste aus einer Trudelbewegung heraus sehr hohe G-Kräfte überwinden, um aus dem Cockpit zu springen. Dieser Vorgang hat über 1000 Höhenmeter benötigt und ist glücklicherweise positiv ausgegangen. Das NOAH-System hätte hier definitiv wertvollste Dienste geleistet. Dieser Unfall und die damit verbundenen Erlebnisse haben mir die Augen geöffnet und mein nächstes Flugzeug wird, unabhängig vom Typ, auf jeden Fall mit einem NOAH Rettungssystem ausgestattet. Der Kostenaspekt darf bei den heutigen Flugzeug- und Zubehörpreisen kein Argument gegen eine solch Lebensrettende Ausstattung sein.“

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