Als Segelflugzeug-Piloten werden Sie sich sicher wünschen, dass Sie Ihr schönes Hobby noch lange ausüben können und dass Sie auch immer Freunde finden, die es Ihnen gleich tun.
Als Hersteller haben wir natürlich ein vitales Interesse daran, der der Segelflugsport weiter lebt und sich kräftig entwickelt.
Das aber ist genau nicht der Fall!
Zwar geht die technische Entwicklung immer weiter und besonders die Entwicklung im Bereich der Klapptriebwerkler hat uns neue Käuferschichten erschlossen.
Aber die Entwicklung in Vereinen des Segelflugsports ist leider ähnlich der in vielen anderen Sportvereinen:
Es fehlt der Nachwuchs!
Seit vielen Jahren ist dieser Trend zu beobachten und mit aller Jugendarbeit, Schnupperkursen, Fliegerlager etc. kann man ihn nur abmildern aber nicht umkehren. Das Angebot an Freizeitmöglichkeiten besonders für junge Menschen ist heute riesengroß und alle Beschäftigungen und Sportarten konkurrieren um die freie Zeit der Jugendlichen. Neue Sportarten sind hinzu gekommen, neue Beschäftigungen (Computer) und sogar neue Luftsportarten (Gleitschirm, Ultraleicht), die sich mit uns um den Nachwuchs bewerben.
Wohin wird diese Entwicklung führen?
Wenn aber der Nachwuchs ausbleibt, fällt natürlich auch die Nachfrage nach Flugzeugen aus - vor allem in der Zukunft, wenn die jungen Menschen von heute im Beruf stehen und das Geld zur Verfügung haben, sich ein eigenes Flugzeug zu kaufen.
Dazu kommen noch zunehmende Luftraum-Beschränkungen und erhöhte Lärmschutzanforderungen für Motorflugzeuge, die unser Hobby erschweren.
Die Folgen sind deutlich sichtbar:
Der Umsatz der Segelflugzeug-Hersteller mag vielleicht gar nicht gefallen sein. Ich kenne ja nur unseren eigenen und der ist sogar stark gestiegen. Aber die Zahl der Hersteller ist drastisch zurück gegangen und die Zahl der gebauten Flugzeuge ebenfalls.
Erinnern wir uns doch mal an Hersteller wie Glasflügel, Grob-Segelflugzeuge, Schweizer (USA), Slingsby (GB), Breguet (F), PIK (SF) oder eben auch Glaser-Dirks und Rolladen-Schneider, die allerdings aufgefangen wurden!
Und die Stückzahlen, wie sie früher von Ka6, Ka7 oder Ka8 erreicht wurden, kommen wohl nie wieder.
Die Flugzeuge sind heute viel besser aber eben auch sehr viel teurer. Eine zufrieden stellende Entwicklung ist das sicher nicht.
Ich möchte im folgenden mal ein paar Gedanken zu dem Problem notieren und fordere Sie hiermit auf, Ihre Meinung dazu zu sagen. Vielleicht ist es wirklich notwendig, ein wenig "umzudenken", wie es ja in der Politik - zumindest verbal - im Moment auch in Mode gekommen ist.
Früher war es selbstverständlich, dass man zum Segelfliegen morgens in aller Frühe auf dem Platz zu erscheinen hatte, den ganzen Tag mit half und - wenn man Glück hatte - bis zum Einräumen am Abend vielleicht 30 Minuten geflogen war. Geht das heute noch?
Noch immer ist der Segelflugsport sehr arbeitsintensiv. Für jeden Piloten in der Luft braucht man ein halbes Dutzend Helfer am Boden.
Aber seien wir doch ehrlich:
Können wir junge Leute noch mit einem Hobby begeistern, wo es den ganzen Sommer lang so zugeht wie eben beschrieben?
Mir fallen auch nur Lösungen im Ansatz ein und sie kosten alle Geld. Aber seien wir doch mal ehrlich: Geld ist doch gar nicht das Thema.
Wissen Sie, was die Ausbildung z. Bsp. zum Tennisspielen kostet mit Ausrüstung, Hallenmiete, Trainerstunden und und und..... Dagegen ist doch die Segelflugausbildung ausgesprochen billig! Und welcher Tennis-Trainer lehrt umsonst? Dagegen erwarten wir von einem Fluglehrer, dass er sich brav den ganzen Sonntag lang in die Runde fliegen lässt und abends noch sein Bier selbst bezahlt.
Also - was wäre, wenn man die Ausbildung und den Betrieb seitens der Vereine zwar verteuern würde, dafür aber z. Bsp. einen Traktor anschafft, mit dem man ohne Mühe die Flugzeuge aus der Landegasse heraus und an den Start ziehen kann. Die Segelflugschule Oerlinghausen praktiziert das seit Jahren und es sieht zumindest faszinierend aus. Das spart schon mal "Bodenpersonal".
Evt. könnten sich mehrere Vereine gemeinsam ein solches Vehikel kaufen.
0,25 Euro/"Raushole" - wäre das nicht ein gutes Angebot?
Ein moderner Flugzeugpark dürfte heute für einen erfolgreichen Verein ebenfalls zwingend erforderlich sein. Unsere gute alte K13 mag für Platzrunden ja noch so gerade okay sein, aber ein paar gute Flugzeuge müssen auch zur Verfügung stehen.
Ein Motorsegler mit Klapptriebwerk ist natürlich das ideale Flugzeug: Starten ohne Bodenmannschaft und fliegen solange die Thermik geht - und auch noch länger. (Aber ich will hier keine Reklame machen!)
Eine Zusammenlegung mehrerer kleiner Vereine zu einem großen mit einem attraktiven Flugzeugpark - auch das kann ein Anziehungspunkt sein und man spart wieder "Personal" - den zweiten Startleiter, den zweiten Windenfahrer und Startschreiber, Aufbau der Winde etc.
Mindestens sollte man eine Fluggemeinschaft bilden. Dann kann man vielleicht sogar das eine oder andere Flugzeug einsparen und von dem Geld - s. o.!
Was fällt Ihnen noch ein?
Ist Ihnen klar, dass wir nahezu die Hälfte der Menschheit bei unserem Hobby nicht beachten? Oder sie uns nicht! Warum ist das so?
Warum findet man fast keine Mädchen und Frauen in unserem Sport?
Ich habe darauf keine Antwort, aber merkwürdig ist das doch wirklich!
Kann jemand das erklären? Vielleicht eine junge Frau und "Betroffene"?
Machen wir uns doch nichts vor: Ein Luftfahrt-Interessierter kann zu einer Gleitschirm- oder Drachenfliegerschule gehen, macht eine relativ kurze Einweisung (eine Woche?) und erlebt die dritte Dimension. Wie einfach, wie billig im Vergleich zum Segelfliegen!
Natürlich wird es ihm irgendwann langweilig. Immer an der gleichen Stelle in der Thermik "stehen" oder immer die gleiche Bergspitze umkreisen, das ist ja auch öde. Aber woher kennt er denn die phantastischen Möglichkeiten des Streckensegelflugs? Wer zeigt sie ihm, so dass der Gleitschirmpilot mit seinem bisherigen aerodynamischen Wissen in verkürzter Ausbildung Segelflugpilot werden kann?
Wie sehen Sie das: Ist die Gleitschirm/Drachenflugszene mehr eine Konkurrenz zum Segelflug oder ist sie eine erwünschte Vorstufe, die uns weitere Interessenten zuführt?
Zeit hat ja heute niemand, obwohl mein Tag 24 Stunden hat und Ihrer wahrscheinlich auch! Aber irgendwelche Termine sind ja immer im Weg. Da ist es einfach nicht möglich, von früh morgens bis spät abends auf dem Platz zu sein. Und wenn der Flieger eine Familie hat - besonders eine junge Familie - muss man dafür auch Verständnis haben. Die größten Fliegerfreuden werden getrübt, wenn zuhause der Ehepartner mit kleinen Kindern sitzt und mault!
Ich glaube, dass das vielen Vereinen gar nicht klar ist und sie sich dadurch Ihre Mitglieder vergraulen.
Als meine Frau dies las, bekam ich zu hören:
"Weißt Du noch, wie das damals war, als Du Deinen Flugschein gemacht hast? Jeden Samstag und Sonntag warst Du draußen am Platz und ich saß mit drei kleinen Kindern zuhause. Noch nicht mal Verabredungen mit Freunden konnten wir treffen, obwohl die auch nur am Wochenende Zeit hatten."
Liebe Familie - ich danke Euch für Eure damalige Akzeptanz!
Ich denke, dass ein Segelflugverein heute sich nicht mehr so verhalten kann wie früher:
Wir wollen/müssen "Freizeitvergnügen" bieten. Der "Fliegergeist" ist ja etwas wunderbares. Aber ist er auch attraktiv für einen Neuling?
Ich habe jetzt schon zweimal von einem neuen Modell gehört, welches wenigstens mal diskutiert werden sollte:
Ein Fluglehrer vereinbart mit einem Flugschüler einen festen Termin für Unterricht. Er kommt vorher, holt den Doppelsitzer aus der Halle, bucht einen Flugzeugschlepp etc. und baut nach der Flugstunde alles wieder ab. Der Schüler kommt, fliegt, fährt wieder nach Hause und...... bezahlt die Rechnung, die er bekommt. Der Fluglehrer wertet seine Zeit vom Losfahren zuhause bis zur Rückkehr mit einem Stundenpreis, und das war es dann.
Das Auf- und Abrüsten wird in gesonderten (auch bezahlten) Lektionen geübt.
Zu teuer? Solch eine Schulung richtet sich auch nicht an einen 16jährigen. Aber wer glaubt denn, einen 46jährigen auf "normale" Weise schulen zu können? Der verliert doch irgendwann die Lust.
Und eine Motorflugstunde ist schließlich noch viel teurer. Da geht es doch auch!
Was meinen Sie?
Was fällt Ihnen noch dazu ein?
Wer kennt sie nicht - unsere lieben Vereins-Mitglieder, die um 14 Uhr auf den Platz kommen, schimpfen, wenn kein aufgebautes Flugzeug zur Verfügung steht, sich ansonsten in eines rein setzen und einige Stunden fliegen. Abends beim Abbauen und Einräumen sind sie dann bevorzugt unsichtbar.
Natürlich ist ein solches Verhalten nicht akzeptabel.
Aber was soll man machen? Aus dem Verein werfen? "Erziehen"?
Bei uns Im Verein muss man entweder auf- oder abbauen, wenn man längere Zeit fliegen will.
Aber man könnte das Problem natürlich auch ganz phantasielos wieder über Geld regeln:
Wer nicht mit hilft, zahlt - wer viel hilft, fliegt fast umsonst.
Geht das?
Auch das Thema ist so alt wie Segelflug-Vereine.
Moderne Kunststoffmaschinen benötigen weniger Wartung und wenn etwas kaputt ist, wird sie besser zu einem spezialisierten Betrieb gebracht. Leider stellen wir immer wieder abenteuerliche Reparaturmaßnahmen von manchen Vereinswerkstätten fest......
Warum also nicht eine Regelung schaffen, dass man sich auch hier wieder "loskaufen" kann, um von dem eingenommenen Geld die Flugzeuge in einem Fachbetrieb warten zu lassen?
Wie sehen Sie das?
In Deutschland leben und fliegen 50% der Segelflieger dieser Erde - ein kaum glaubliches Verhältnis!
Die Ursache dafür liegt weit zurück in der Zeit der Weimarer Republik und dem Verbot von Motorflug in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg. Aber warum ändert sich das Verhältnis nicht langsam?
Andere Länder sind vom Wetter viel mehr privilegiert als wir. Dennoch kommt der Segelflug z. Bsp. in den USA - im Vergleich zur Einwohnerzahl - nur langsam voran. In vielen Ländern ist sogar völlige Wüste.
Wie kommt das?
Was können wir tun?
Die vorstehenden Punkte sind sicher brisant und bergen viel Diskussionsstoff. Es handelt sich um meine persönliche Meinung, zu der ich gern Ihre Stellungnahme lesen würde.
Bitte schreiben Sie mir!
Wenn schon Ihr Interesse geweckt ist und Sie sich fragen sollten, wo denn nun der nächste Verein zur Kontaktaufnahme zur Verfügung steht, hier einige Adressen -
in Deutschland: http://www.segelflug.de/segelflug_de.html
in Europa: http://www.segelflug.de/segelflug_eu.html
weltweit:http://www.segelflug.de/segelflug_world.html
Noch eine späte Ergänzung:
Auf dem Deutschen Segelfliegertag in Hannover hielt ein Zukunftsforscher der Uni einen hochinteressanten Festvortrag.
Hier ein paar Kerngedanken, wie er sie äußerte:
Wir Segelflieger sind nicht "cool". Wir tragen keine spezielle Kleidung, wir umgeben uns nicht mit jungen schönen Mädchen. Man sieht uns nicht im Fernsehen. Wer wird auf uns aufmerksam?
Neue Sportarten, die den etablierten den Rang ablaufen, unterscheiden sich eben in gerade diesen Punkten.
Also müssen wir uns "modernisieren". Die Zukunft gewinnt, der die jungen Leute und insbesondere auch die jungen Frauen begeistert. Wenn in den USA das Durchschnittsalter der Piloten bei 50 Jahre liegt, kann das sicher nicht die Zukunft sein.
Der Zugang für Neuinteressenten muss vereinfacht werden. Woher soll ein "Newcomer" überhaupt wissen, dass es uns gibt???
Ein zeitlich befristetes Engagement für unseren Sport müsste möglich sein.
Die "Ehrenamtlichen" sollten besser behandelt werden, denn auf ihrer Arbeit beruht die weitere Entwicklung.
Ja, so sieht das ein "Externer" - von Beruf Zukunftsforscher.

Ich habe den Eindruck, dass man eine solche Freude bei der Sache heute nicht mehr ohne weiteres findet....
Sehr geehrter Herr Weber,
sehr erfrischende, weil teilweise „ketzerische“ Gedanken, die Sie zu diesem Thema „Gedanken zur Zukunft des Segelflugs“ zusammengestellt haben.
Zu einigen Punkten möchte ich meine Meinung und Erlebtes äußern, da ich die Vereine ein wenig als Flugverhinderer sehe, obwohl sie doch eigentlich das Fliegen unterstützen sollten. Warum? – Mitgliederschwund, da Eintrittsbarrieren viel zu hoch – das vermitteln von Spaß am Fliegen ist völlig in den Hintergrund gerückt.
Warum spreche ich von „erlebtem“ – einzig, da ich selbst begeisterter Motor und Segelflieger bin. Meine gesamte Flugausbildung habe ich umständehalber im Ausland USA/Australien gemacht.
Zurück in Deutschland hatte ich versucht in Großraum Nordrhein-Westfalen einen Segelflugklub zu finden um das Hobby neben der sehr zeitintensiven Arbeit wenigstens teilzeitig aufrecht zu erhalten. Sie glauben nicht welches Echo einem entgegen schlägt:
„Da müssen wir aber kräftig nachschulen – die ausländische Flugerfahrung ist kaum übertragbar (ich habe etwa 700 hrs Gesamtflugerfahrung, davon etwa 100 Segelflug)“ – ohne zu wissen/testen ob man gut oder schlecht ist wohlgemerkt!
„Am Wochenende ist Anwesenheit ganztägig Pflicht – zum fliegen kommt man als neues Mitglied eher weniger“ (mein Kommentar Familie und junge Kinder zu haben wurde begegnet mit – „tja das ist schwierig, man muss Prioritäten setzen".
„Baustunden müssen sie bei uns persönlich ableisten, ein „Entgelt“ schadet nur der Klubatmosphäre“ – „ wir wollen kein elitärer Verein werden“.
„Motorfliegen ist doch kein Fliegen – nur beim Segelflug wird man zum richtigen Piloten“. und, und, und …..
Fast beliebig ließe sich die Liste fortsetzen. Was möchte ich mit diesen Zitaten rüberbringen? Die Bereitschaft von Vereinen auf die Bedürfnisse potenzieller Neumitglieder einzugehen ist in der Nähe, wenn nicht unter dem Nullpunkt – kommt man aus dem angelsächsisch/amerikanischen Kulturraum ist die Verhaltensweise im Vergleich schlichtweg arrogant – vielleicht ist auch Ignoranz das richtige Wort.
Welches ist die persönliche Zukunftsoption:
In Deutschland nicht fliegen, oder kaufen oder poolen oder eine Leasingvariante testen, die immer häufiger angeboten wird und meiner Meinung nach gerade über die teureren Motorseglervarianten die Vereine vielleicht eines Tages aushebeln wird. (Jeder ist scharf auf die neuen Motorsegler aber wer von den „Alteingesessenen“ gibt das schon zu – wahrscheinlich ist es vielleicht sogar ähnlich wie der Wechsel von Kutsche auf Auto am Anfang dieses Jahrhunderts).
Sollte ich mittelfristig mehr Zeit haben, lohnt sich sicherlich der Erwerb eines eigenen Flugzeugs. Bis dahin führe ich mein Hobby konzentriert im Urlaub in entsprechenden Segelflugzentren durch. Billig ist es nicht, allerdings bringt es jede Menge Spaß – übrigens auch und gerade am Abend, wenn die vielen gleich gesinnten sich an der Bar oder beim Essen austauschen – die soziale Komponente kommt dort jedenfalls nicht zu kurz.
Kann es auch anders gehen – aber sicher wenn man denn wollte!
Zwei Beispiele aus dem Motorflugbereich – die Analogie (eine Gruppe Gleichgesinnter möchte sich teures Fluggerät teilen um gemeinsam einen größtmöglichen Spaß daran zu haben) sollte ausreichen:
Beispiel 1 ist aus England: In Kent gibt es den sogenannten Tigerclub, der es Clubmitgliedern wie Gästen erlaubt, auf historischem (wertvollen, einzigartigem) Fluggerät (DH82A, Stampe etc.) solo zu fliegen, wenn man gut genug ist. Möchten Sie Mitglied werden – kein Thema – sofort. Möchten Sie fliegen – der Blick geht zum Reservierungsboard und normalerweise fliegt man am selben Tag und wenn ein Clubmitglied dafür etwas zurücksteht. Wie gesagt es geht ums Fliegen und die Integration gleichgesinnter, nicht zuletzt natürlich, um sich Fluggerät auch leisten zu können. Allein das Einführungsmaterial für neue Mitglieder ist ein Unterschied wie Tag und Nacht im Vergleich zu deutschen Segelflugvereinsbroschüren, die eher an Gesetzestexte im Tenor, „warum es gerade nicht geht“ geschrieben sind.
Beispiel 2 aus Italien: Am Comer See gibt es einen Wasserflug-Club der auch Vereinen wie Gästen das Solo-Fliegen bei entsprechendem Können und gegen Entgelt ermöglicht. Auch dort handelt es sich um teures, aufwändiges Fluggerät, auch dort ist man als Neuankömmling willkommen. Wie weit man sich in das Vereinsleben integrieren möchte, bleibt jedem selbst überlassen.
In beiden Fällen gilt die glaubhafte Prämisse, den Flugsport zu unterstützen.
Ein Verwandter, der ebenfalls mit dem Segelfliegen beginnen will hat mich um Rat gebeten, wo er es denn erlernen sollte. Mit bestem Wissen und Gewissen kann ich leider nur auf das Ausland zeigen – er ist berufstätig und möchte die Ausbildung nicht über Vereine und damit Jahre strecken sondern möglichst schnell mit Freude am Fliegen lernen.
Einige Ihrer Fragen habe ich berührt, aber sicher nicht versucht, vollständig zu beantworten. Im nachfolgenden deshalb ein kurzer Versuch:
1. Wie können wir mehr Jugendliche begeistern? – Fragen Sie sie.
2. Wie können wir mehr Mädchen begeistern? – Fragen Sie sie.
3. Wie reagieren wir auf die Gleitschirm- und Ultraleicht-Szene? Fragen Sie sie oder führen sie gemeinsame Veranstaltungen durch – dazu müssen viele Alteingesessene ihre Standesdünkel über Bord werfen – zwischen beiden besteht ein nicht zu unterschätzender Kulturunterschied – fast wie Feuer und Wasser, dabei ist die „Szene“ so erfrischend begeisternd was das Fliegen angeht.
4. Wie können wir die Ausbildung erleichtern für Leute mit "wenig Zeit"? Fragen Sie sie nach ihren Bedürfnissen und schließen sie entsprechende Kompromisse – nicht ein einziger Verein war bereit über eine Lösung nur nachzudenken
5. Wie behandelt man die "Konsumenten"? n/a
6. Baustunden? Persönlicher Einsatz oder Entgelt!
7. Wie kann man die Entwicklung in anderen Ländern fördern? Vielleicht Teilnahme an Flugtagen/Airshows etc. Sind sie in Oshkosh etc.? Früher habe ich einmal englisches Rugby gespielt – in der Schule wurde eine Showveranstaltung durchgeführt und in direkter Folge 10 Jugendliche geworben via Schnupperkurs etc.
Was die Möglichkeiten der Veränderungen in Deutschland angeht, bin ich besonders bezüglich der Vereine etwas skeptisch, da ich als Urproblem die grundkonservative Haltung der Vereinsoberen/mitglieder sehe - und diese Kultur ändert sich nur sehr, sehr langsam. Jugendliche oder andere Interessierte finden für sich jedenfalls sehr viel schneller entsprechende Lösungsmöglichkeiten.
Viele Grüße
Axel N.
Hallo Ihr Sorgen geplagten Hersteller.
Lieber Meister Weber !
Das meiste habt Ihr angerissen. Der Hauptgrund liegt wirklich in der furchtbaren Familienfeindlichkeit unseres herrlichen Sportes. Was ist das jedesmal für ein Zirkus, wenn der Himmel voller Cumulis steht und die gestrenge Gattin meinen Blick gen Himmel vernichtend registriert: " nein nein heute gehen wir baden.... vereinbart ist vereinbart.... Du bist nächsten Samstag dran.
Einmal im Monat ein Samstag!" ...ok seufzend fügt sich der Herr Gemahl. Samstag drauf regnet es und die bessere Hälfte fragt süffisant: " Sag mal Schatz wolltest Du nicht zum Flugplatz?" Ja ja Ehemänner leben länger , sind aber bereit früher zu sterben.
Das Ideale wäre wirklich ein Motorsegler mit Klapptriebwerk am besten hinterm Haus. Zwischendrin eine Stunde flüchten, rein setzen , losfliegen und sich danach wieder lächelnd an die fade Sonntags-Kaffeetafel setzen.. Aber liebe Leute die Preise! Einfach Irrwitz! Der Schreiber dieser Zeilen zählt durchaus zu den Spitzenverdienern, aber bei einem "Superschnäppchen" für weit über Hunderttausend für eine DG-400... Was glaubt ihr eigentlich wer die aktivsten Segelflieger sind? Normale Verdiener, etwas gehobenes Einkommen vielleicht... Aber ein Schnäppchen, für das ein durchschnittlicher deutscher Arbeitnehmer ein Leben lang nicht sparen kann, wird nie ein populäres Sportgerät werden.... Tucholsky sagte mal " macht um Gottes Willen die Bücher billiger!" Für den Fortbestand der Segelflugsports ist dies analog noch nötiger. Es muss möglich sein einen Doppelsitzer für unter fuffzig Mille zu bauen.
Denkt drüber nach dutzende, speziell ostdeutsche, Vereine braucht dringendst neues Fluggerät. Hier müsste doch auch irgendwann, wenn auch eingeschränkt, das Gesetz der Massenproduktion greifen. Mein Verein, in Kyritz bei Berlin, würde liebend gerne die uralten Piraten und Boczian gegen DG-300 und DG-500 o.ä. ersetzen...
Macht weiter so und Ihr geht alle Pleite ..garantiert.. Die Paar Millionäre ernähren keine High-Tech-Industrie.
meint Hubert Eckl
Hallo K.-F.,
ich finde es gut, dass solche Themen von Dir und Anderen angesprochen werden, aber die großen Lösungsansätze habe ich bisher noch nirgendwo gelesen. Du reißt viele Ideen an, aber das meiste ist schon ausprobiert worden und funktioniert nicht. Ich gehöre aus Erfahrung (ich fliege seit 73') zu den Pessimisten, was die Zukunft unseres Sports angeht. Wir werden langsam, aber sicher in die Kommerzialisierung wie in den USA gleiten, weil wir die Umstrukturierung der Gesellschaft in Richtung Freizeit nicht beachtet haben und die nötigen Veränderungen in den Vereinen vielleicht auch nicht gar nicht möglich sind.
Vielleicht mal im Einzelnen:
Jugendliche begeistern wird, wie von Dir beschrieben, immer schwerer und man darf nicht in den Fehler verfallen, die Jugendarbeit auf Kosten der anderen Mitglieder zu sehr zu forcieren. So in einem Klub geschehen, der mittlerweile fast wie ein Flugschule agiert, was dazu geführt hat, dass viele "normale" Mitglieder, die nur ab und zu mal mit einem Kunststoffflieger um den Platz fliegen wollen, dem Verein den Rücken gekehrt oder eigene Flugzeuge gekauft haben (nicht schlecht für Euch). Nur, von den Anfängern bleiben am Ende vielleicht 10% übrig und die restlichen 90% haben viel Arbeit und Geld gekostet.
Das so was auf Dauer nicht unbedingt dem Vereinsleben zu Gute kommt, ist wohl verständlich. Es bildet sich also Cliquen von Überlandfliegern und Schulungsfreaks, aber der Mittelbau eines Vereins ist weg. Davon kann kein Verein leben. Und genau das spricht auch dagegen, mehrere Vereine zusammenzufassen. Und vergiss nicht den Faktor Mensch, nicht umsonst haben sich verschiedene Vereine gebildet, weil die Mitglieder eben unterschiedliche Vorstellungen haben.
Die Idee mit dem Traktor ist nicht neu und wird auf vielen Plätzen ja praktiziert, nur denk mal an die Grünen und was die zu dieser Umweltverschmutzung sagen!! :-)
Die Mädels, Leute seit froh, dass in Deutschland noch so prozentual viele weibliche Piloten gibt. In anderen Ländern sieht es noch viel düsterer aus. Ein Teil liegt wohl an der in manchen Vereinen nicht vorhandenen Toleranz den Frauen gegenüber (obwohl wir fast im Jahr 2000 sind), oft schreckt das bisherige Fehlen von Pilotinnen, neue weibliche Mitglieder ab.
Hast Du mal mit Gleitschirmfliegern oder UL- Piloten diskutiert? Vergesst ganz schnell die Idee, dass man die in die Segelfliegerei reinziehen kann. Und den Argumenten wie Kosten und Unabhängigkeit kann man kaum widersprechen.
Neue Ausbildungsideen hat es schon viele gegeben und als Deutscher sollte man auch mal die Blick in andere Länder werfen.
Ich bin selber Mitglied in einem kleinen ausländischen Verein, bei dem es so ähnlich zugeht wie von Dir vorgeschlagen. Der oder die Flugschüler rufen den Fluglehrer an und vereinbaren einen Termin. Der Fluglehrer organisiert den Schleppiloten und schon werden ein paar Schulstarts gemacht (alles ehrenamtlich). Das funktioniert auch ganz gut, nur kommen deshalb nicht mehr Schüler oder bleiben mehr Piloten übrig. Und die neuen Mitglieder kriegen überhaupt nicht mehr mit, was alles zu einem Verein und Flugbetrieb gehört.
Konsequenz daraus ist wieder, dass die alten Mitglieder sagen, wir sind doch nicht hier, um alles zu machen. Und so machen mehrere Vereine in diesem Land dieses Jahr dicht.
Und das Ganze geht, wie oben schon gesagt, in Richtung professionelle Flugschule. So könnte man natürlich arbeitslose Fluglehrer und Windenfahrer beschäftigen, aber schon dreht sich die Kostenspirale weiter.
Das Thema Konsumenten und Baustunden gehört zusammen, weil die Leute, die konsumieren, oft auch die sind, die sich sonst nicht um den Verein kümmern. Ich denke mal, dass mittlerweile in den meisten Vereinen (die ich kenne), es Regelungen der Art gibt, wer viel arbeitet, fliegt billig und die anderen zahlen. Das ist die fairste Methode, wobei natürlich Konfliktpotential genug vorhanden ist. (40 Stunden Besenhalten, Privatflieger, usw.)
Was das Ausland angeht, werden wir von hier aus nicht viel machen können. Die Deutschen haben über Ihre Vereinskultur (was auch immer man davon hält) diese hohen Zahlen erreicht und durch den Zusammenbruch dieser Vereinskultur wird auch der Segelflug bei uns (s.o.) in Mitleidenschaft gezogen. In den anderen Ländern gibt nur weit verstreut liegende Vereine, alleine dadurch werden weniger "Neue" erreicht. Und die Strukturen sind ganz andere als bei uns. In wenigen Ländern wird soviel Jugendarbeit und "Marketing" betrieben wie bei uns. Und dazu kommt, dass die Kosten in den meisten anderen Ländern, relativ gesehen, hoch sind.
Vielleicht bringt ja der neue "James Bond" neue Piloten in den USA.
Vielleicht noch ein weiterer negativer Punkt.
Solange uns die Verwaltungen (damit meine ich vom Verkehrsministerium, LBA über den DAEC bis zu den Flugplatzbetreibern alle, die den Segelflug regulieren wollen) ständig neue Knüppel zwischen die Beine werfen, wird das Interesse auch weiter zurückgehen. Irgendwann hat man keine Lust mehr, sich ständig mit den Behinderungen auseinander zu setzen. Ich werde wohl demnächst mein Flugzeug im Ausland stationieren, um dem zu entgehen.
So, dass mal als Antwort auf Deine Initiative. Ich hoffe, andere Leute sehen die ganze Entwicklung optimistischer.
Ich wollte schon seit längere Zeit einige Bemerkungen zu Eurer Homepage loswerden.
Die Gestaltung und der Inhalt ist für mich sehr gelungen, es geht um den Inhalt und nicht die Aufmachung. Ich habe bereits viele Artikel für meine Fliegerei verwenden können, auch wenn ich bei einigen Sachen andere Ansichten habe. Mach weiter so.
Das einzige was mich etwas stört, ist die gelegentliche "Selbstbeweihräucherung" Eurer Produkte. Es ist natürlich Euer gutes Recht, dies auf Eurer Homepage zu machen, Vergleiche sollte man besser neutralen Personen (Zeitschriften) überlassen und die gelegentliche Seitenhiebe auf die anderen Hersteller sind ja manchmal ganz nett zu lesen, aber vielleicht auch überflüssig.
Aber wenn man die Foren und ähnliches verfolgt, lässt sich ein gewisser Marken-Rassismus (ich hoffe, das wird nicht falsch verstanden) oder Markentreue vieler Piloten nicht verleugnen.
Mit freundlichen Grüßen
Zum letzten Abschnitt möchte ich einen Kommentar abgeben:Unser Internet Auftritt ist inzwischen ganz schön teuer geworden. Meine eigene Zeit jeden Abend will ich ja gar nicht rechnen, aber inzwischen zahlen wir etwa 600,--Euro/Monat für den Leitungstraffic und jeden Monat wird es mehr. Es wird die Seite eben sehr sehr viel gelesen. Darf ich dann nicht etwas Werbung für uns machen? Ich denke, dass ich es recht verhalten tue.Und was mich richtig ärgert ist, wenn am Markt für sehr teure Flugzeuge ausgesprochen primitive Detaillösungen angeboten werden, nur weil die etwas billiger zu produzieren sind. Und das möchte ich dann auch vorsichtig sagen dürfen.Nun ja, meine Privatmeinung!
Hallo Herr Weber,
Ich halte Ihre Analyse zur Zukunft des Segelfluges für sehr treffend und (leider) wahr. Interessanterweise haben wir in unserem Verein (SFG Binningen, EDSI) genau die gleichen Überlegungen gemacht und beginnen nun der Reihe nach unseren Flugzeugpark umzubauen. Wir kamen damals zu dem Schluss, dass unser Verein folgende Struktur annehmen könnte:
1. Schulflugzeug: eine DG-500 Trainer (bereits im Verein), heute noch eine ASK-21
2. einen Einsitzer für Leistung und Übung: Discus, DG-300 oder LS-4 dafür müssen wir unsere DG-100 und Astir verkaufen und etwas Zeitgemäßes suchen
3. einen Leistungsdoppelsitzer: DG-500M (gebraucht im Wert von 180 - 200'000,-)
Als Startart denken wir an den Motorsegler-Schlepp, wodurch unsere Winde (Wert: 40'000,-- Euro) entfallen könnte.
Heute haben wir eine G-109 und (!) eine Morane 235 PS. Rechnet man nämlich alle Kosten und den gesamten Personalaufwand, incl. Wartung, ist der Windenstart gar nicht billig!
Vorteil dieses Konzept:
1. Ausbildung auf modernem Material im F-Schlepp. Dadurch lange und intensivere (interessantere) Schulflüge mir schnellem Fortschritt,
2. Einen Einsitzer, der allen gewöhnlichen Anforderungen entspricht und somit für Piloten mit geringerem Budget zwei ansprechende Flugzeuge gewährleistet (DG-500 + Einsitzer).
3. Leistungs- und Wanderflug mit einem guten Doppelsitzer (doppelte Freude). Jederzeitiger Start möglich und Reservierungen sind sogar denkbar.
4. Keine Windenfahrer, LEPO-Fahrer, Reparaturen und Pflege von Winde und anderem anfälligem Gerät.
5. Viele F-Schlepp-Piloten durch Motorsegler-Schlepp.
6. Gewonnener Hallenraum, der vermietet werden kann und somit den Verein unterstützt.
Heute haben wir vier Segelflugzeuge, eine G109 und eine Morane. Mit den Segelflugzeugen machen wir gerade doppelt so viel Flugstunden wie mit der G109. Das liegt nur an der mangelnden Eigenstartfähigkeit und der Bindung an das Wochenende. Wir könnten durch dieses Konzept den Verein von viel Ballast und indirekter Arbeit befreien und den Segelflug in den Bereich des Motorfluges bringen, wo ich stundenweise ein Flugzeug (auch unter der Woche) reservieren kann.
Interessanterweise haben wir seit diesem Jahr die UL-Zulassung und in einer Woche haben acht (!!!) zuvor begeisterte Segelflieger die UL-Lizenz erhalten. Mit dem heutigen PPL-B ist das undenkbar. Wir werden uns diesen Winter beraten müssen, wie wir das Thema UL in unser Konzept integrieren, da es nicht mehr weg zu diskutieren ist.
Für interessante Hinweise und Einwände bin ich jederzeit dankbar.
Viele Grüße
Thomas Wolf, Ausbildungsleiter SFG Binningen
Sehr geehrter Herr Weber,
Auch ich möchte meine Gedanken zur Zukunft des Segelfluges loswerden:
1.2. Mehr Jugendliche? Mehr Mädchen ? Mehr Leute ? Gegen die Menge und Attraktivität der Konkurrenzangebote gibt es nur ein Mittel: besser sein! Ist es wirklich die Lösung, als Grund für schwindendes Interesse den Zeitaufwand zu sehen und zu versuchen, dem mit Teilzeitangeboten zu begegnen? Die Thermik verteilt sich nicht gleichmäßig über den Tag, wann werden die Stundenflieger dann wohl kommen, und wie sieht es dann mit der Kapazitäts- und Auslastungsplanung aus? Machbar scheint mir da wohl eher eine Art "Schichtdienst" (z.B. 09.00-15.00 und 13.00-19.00) weil da auch die notwendigen "Arbeitskräfte" (Windenfahrer, BfL, Fluglehrer) abgelöst werden können, genug personelle Ressourcen vorausgesetzt.
Aber das löst das Problem nicht wirklich. Was tun Jugendliche und auch junge und ältere Erwachsene denn in Ihrer Freizeit wirklich? Sicher - es gibt ein breites Angebot, aber genau betrachtet, sind die erfolgreich, die mehr als nur ein spezifisches "Vergnügen" anbieten: Die Multiplexkinos integrieren verschiedenste Gastronomieideen und Diskotheken, Einkaufszentren bieten weit mehr als nur Geschäfte, usw. usw.. Verkauft wird nicht nur ein einzelnes Produkt, es wird ein Erlebnis geboten. Und wen finden wir in diesen Sport-, Einkaufs- und Erlebnisparks? Richtig, den zeitarmen, dynamischen Typen, der schnell seinem Vergnügen nachgeht, weil Arbeit, Ehepartner, Familie wartet, sucht man meist vergeblich. Es sind dort Familien, Paare, Freunde/innen, ganze Gruppen, die dort alles finden, was sie zur Entspannung brauchen. Sie tun es gemeinsam, weil der Mensch auch oder gerade heutzutage Beziehungen untereinander braucht.
Es kann also nur einen Weg geben, die Segelfliegerei zu stärken: Man muss Beziehungen untereinander aufbauen. Ich glaube gewiss nicht an eine "verschworene Gemeinschaft Gleichgesinnter", sondern eher an ein Geflecht, in dem unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Interessen miteinander verbunden sind.
Ich gehe einmal wöchentlich zu einer Fitnessgymnastik in einem Ruderklub. Klar gehört körperliche Fitness zum Rudern eher dazu als zum Fliegen, aber mittlerweile geht meine Partnerin mit und schon gehen einem die Gedanken durch den Kopf, man könne doch vielleicht in den Verein auch eintreten (Ohne jemals in einem Ruderboot gesessen zu haben !!). Warum ? Es wird eben mehr geboten als nur Rudern ! Lasst uns also nicht allein das Fliegen interessant machen, das drum herum muss interessant sein. Mir fallen so viele Dinge ein, die man machen kann, so dass nicht der siebeneinhalb-Stunden-Flug des Familienvorstands das herausragende Ereignis des Wochenendes ist, sondern dass alle ihren Spaß haben können. Es muss natürlich auch der einzelne Flieger bereit sein, seine Familie zu integrieren. Die Gymnastik ist bereits genannt, warum nicht im Winter mal ein Sprachkurs oder Autogenes Training im Klubheim anbieten, eine Wochenendreise zur Weinlese organisieren wohlgemerkt für alle, nicht nur für Vereinsmitglieder!
Öffnet den Verein für die Nichtflieger, auch wenn sie nicht fliegen werden, sie werden die Anwesenheit des Partners auf dem Flugplatz eher mittragen!
Was ist mit Kinderbetreuung, was mit Kultur in unseren Vereinen ?
Und natürlich die Jugendlichen! Natürlich wollen die action, Spaß und Parties. Und genau das sollten sie kriegen. Damit sie nicht deswegen dem Fliegen den Rücken kehren und damit ihre nichtfliegenden Freunde ein Stück teilhaben können. Dazu muss ein Jugendleiter fähig und autorisiert und nicht nur Alibi für die "Alten" sein. Auf einem benachbarten Flugplatz wird einmal im Jahr ein Open-air Rockkonzert veranstaltet ! Und, sie haben es erraten:
nicht nur für Vereinsmitglieder und andere Flieger.
3. Gleitschirm und Drachenflieger ?
Vor etwa 15 Jahren bin ich selbst mit einem Drachen fremdgegangen. Grund war die vermutete Unabhängigkeit, die sich für einen Flachländer doch nicht so toll darstellte. Aber versuchen wir doch den Austausch, suchen wir den Kontakt zu unserem nächsten Drachenflugverein, laden die Leute zum Fliegen und zum Gedankenaustausch ein. Wenn einer mehr sucht als das brutal direkte Naturerlebnis, vielleicht dem Reiz schneller Streckenflüge oder bequemer Sonntagsnachmittagsplatzflüge ohne Nackenschmerzen erliegt, der wird vielleicht Segelflieger.
4. Ausbildung in wenig Zeit? Warum ?
Ich denke, das Fliegen ist eine Sportart, die nur mit ausreichender Übung sicher ist und auch nur so stressfrei ist und Spaß macht. Es ist sicher so, dass der Segelflug ein sehr zeitintensives Hobby ist. Das muss jeder für sich vorher klären, denn es kostet ja auch nach der Ausbildung noch viel Zeit. Also ist derjenige, der nur alle paar Wochen eine oder zwei Stunden Zeit zum Fliegen hat, ohnehin mehr für den Motorflug prädestiniert. Es gibt ja eine ganze Reihe von Sportarten, die - intensiv ausgeübt - auch ganze Tage kosten können. Und ein Beispiel aus jüngster Zeit beweist, dass die Ausbildung im Verein sich nicht über Jahre ziehen muss, wenn der Verein seinen Flugbetrieb richtig organisiert hat.
Einem Einzelunterricht im bezahlten Betrieb kann ich nur eine Absage erteilen. Vor gut zehn Jahren habe ich in Valbrembo/Italien beobachten können, was das im Extremfall heißen kann, und es schien dort mit viel Geld seitens der Flugschüler und viel Arbeit seitens der anderen zu funktionieren.
Zum einen würde ich als Fluglehrer mich nicht einem kommerziellen Anspruch ausgesetzt sehen wollen (Ich habe bezahlt, also will ich jetzt dies oder das erfliegen!), zum anderen würde es bedeuten, diese Tätigkeit unter dem Aspekt der Bezahlung zu sehen, und da kann ich mein Geld in meinem Beruf schneller verdienen. Versuchen wir doch nicht den kommerziellen Schulen nachzueifern.
Die Vereine haben Möglichkeiten, die eine solche Schule nicht bieten kann. Nutzen wir sie und bauen sie aus (s.o.)!
Der einsame Pilot mit seinem Selbststarter (Ich höre ein Aufstöhnen, aber gut, ich bin selbst 11 Jahre auch Selbststarter geflogen, die Betonung liegt auf einsam!) ist nicht die Zukunft des Segelfluges.
5. Konsumenten
Auch hier gilt: Die Beziehungen zwischen den Menschen schaffen gegenseitige Verantwortung und wirken zu starkem Egoismus entgegen. Auch bei uns im Verein gehört Auf- und Abrüsten dazu, aber wer mal wirklich eher weg muss, wird bei uns trotzdem in den Flieger gehoben.
Trotzdem ist es richtig, dass es Leute gibt, die sieht man nur bei Hammerwetter, aber wenn Sie auf der anderen Seite ihre Dienste (Winde, Startleiter) pünktlich absolvieren, muss das okay sein. Man kann eine Beziehung nicht zu jedem aufbauen. Ein Flugbetrieb kann eine - begrenzte - Zahl von Egoismen vertragen, wenn der Rest funktioniert. Wer, wie ich, keine Lust hat, sich mit denen auseinander zu setzen, träumt vom eigenen Flugzeug.
6. Baustunden
Dürfte eigentlich bei einem modernen Flugzeugpark kein Thema sein, da es ja nur um Wartung und Finish geht (Bei uns sind das max. 20 h/Jahr und Mitglied). Wer nicht oder zu wenig baut, zahlt. Und wenn keiner mehr arbeiten wollte müsste man es fremd vergeben.
7. Ausland ?
Vielleicht hat sich das Ausland unsere altbackenen Vereine angesehen und sich mit Grausen abgewandt ?
Lieber Herr Weber, Sie danken Ihrer Familie für Ihre damalige Akzeptanz, aber mal ehrlich, was ist heute?
Der Konflikt ist doch für fast alle Flieger, die ich kenne, jedes Jahr der gleiche, mit Ausnahme derer, die das Fliegen an den Nagel gehängt haben oder derer, die es geschafft haben, der Familie auf dem Flugplatz eine Erholung zu bieten die ihr gerecht wird.
Mit freundlichen Grüßen
Reinhold Hass, Essen
(Kölner Klub für Luftsport)

Lieber Herr Weber,
ich sehe die Zukunft des Segelfluges ebenso düster wie die meisten Diskussionsteilnehmer. Es sind noch gar nicht alle negativen Punkte aufgezählt, hier eine kleine Ergänzung:
1. Segelfliegen ist zu sicher, ohne Todeskick (wie langweilig, gähn!)
2. Wer mag schon 4 oder 5 Jahre lang Anfänger sein?
3. Was in der Werbung nicht vorkommt, existiert für Kids nicht.
4. Keine Chance, sich und sein Outfit vor Publikum zu präsentieren!
5. Den Fluglehrer, so einen alten Sack, als Autorität anerkennen?
6. Ganz unpolemisch: Das junge Volk ist heute ausbildungs- und jobbedingt permanent "auf Wanderschaft" - extremes Gift für stabile Vereinsbindung!
Nach 15 Jahren Segelfluglehrerdasein habe ich jedenfalls die Nase voll davon, den Durchlauferhitzer zu spielen. Vorbei! Woher nehmen wir Angegrauten eigentlich noch die Arroganz, die Welt mit so viel Segelflug wie nur möglich beglücken zu wollen? Weil wir darin immer noch einen absoluten Wert an sich sehen? Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun (Adolf H.)?
Nö, das muss ich keinem mehr aufzwingen.
Fazit: Der Segelflug wird bald heftig schrumpfen, weil die Überalterung immer mehr Aktive groundet. Die nutzerfreundliche Motorisierung bleibt für die Masse zu teuer. Aus organisatorischen Gründen muss bald mit Touringmotorseglern geschult werden, aber so züchtet man eher Motorflieger. Schade!
Genug gejammert! Noch eine Bemerkung zum Dauerbrenner "Eigenwerbung in eurer Website": Die Puristen spinnen! Insgesamt ist ist der Auftritt informativ, lebendig und fachlich ein Gewinn - das bisschen Promotion in eigener Sache stört mich Null.
Die gelegentlich als Vorbild erwähnte Hochglanz-Präsentation eines namhaften Mitbewerbers fällt in meinen Augen kilometertief ab!
Hallo K.-F.!
Erst einmal: falls diese Mail es tatsächlich wert sein sollte, auf Eurer Website zu erscheinen, bitte ich, meinen Namen wegzulassen. Man weiß ja nie, wer einen falsch versteht. Danke.
Tja, da sitze ich nun, als segelfliegender Jugendlicher, und frage mich, angesichts der doch recht düsteren Ansichten meiner Kollegen, was sagen soll. Wie erreicht man die Jugendlichen für unseren Sport? Eigentlich bin ich ja da doch der falsche, um die Frage zu beantworten, weil ich ja schon erreicht wurde. Stelle man sich also vor, man frage einen x-beliebigen Jugendlichen, was er vom Segelfliegen hält, was wird der wohl antworten? Wahrscheinlich erst mal gar nichts. Er wird nämlich so gut wie nichts von uns wissen. Den meisten Leuten, denen ich erkläre, wie ich meine Wochenenden verbringe, muss ich nämlich mehrmals erklären, dass da wirklich kein Motor drin ist, und ich trotzdem damit fliegen kann. Wir haben wohl schlichtweg ein Bekanntheits-Problem. Wie kann es sein, dass der sportliche Höhepunkt unseres Hobbys in Bayreuth stattfindet und dies in der Öffentlichkeit quasi gar nicht wahrgenommen wird? In der nicht-fachspezifischen Presse fand ich genau zwei Erwähnungen der WM, und damit unseres Sportes überhaupt: einen handlichen Fünfzeiler im Sportteil der Tageszeitung, mit der Meldung, das ein Deutscher Weltmeister geworden ist, und eine Reportage in arte, auf die man auch zufällig beim 'zappen' stoßen musste, weil sie in der Programmzeitung keine Erwähnung findet. Ich muss zwar zugeben, dass ich nicht weiter nach Berichten gesucht habe, aber das hätte jemand, der für unseren Sport erst noch interessiert werden muss, auch nicht getan.
Da, meine ich, sitzt auch der Hebel, über den wir Jugendliche erreichen könnten, aber es erst wenig tun. Wer uns Segelflieger kennen lernen will, muss uns aufsuchen. Wenn sich aber nun ein Jugendlicher ein Hobby sucht, um seine Freizeit zu gestalten, sucht er nicht wirklich. Er wählt aus einem Angebot aus. Dieses Angebot bestimmt sich eben durch das, was er sieht, d.h. was er gezeigt bekommt. Da ist aber Segelfliegen nur in den seltensten Fällen dabei. Man muss nun zwar nicht unbedingt Fernsehwerbespots in Auftrag geben, um sich zu präsentieren. Aber jeder einzelne Verein hat schon die Möglichkeiten, sich ein Wenig ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Einen sehr guten Ansatz, wie ich meine, hat unser Verein damit getan, dass er sich bei, bzw. vor einer jährlichen Modellbau-Ausstellung in der Innenstadt präsentiert, und zwar nicht mit einem Infostand mit Infoblättern, sondern mit einem ganzen Flugzeug, das mit neun mal fünfzehn Metern doch eine recht große und wirksame Werbefläche darstellt. Das ist zwar erst ein recht naheliegender Anfang - Modellbauer sind nun mal von sich aus technisch interessierte Menschen -, aber was hindert einen daran, sich mit einem eindrucksvollen Ausstellungsstück auch zu anderen Gelegenheiten in der Innenstadt zu präsentieren? Damit hat man dann schon bei Jugendlichen einen markanten visuellen Eindruck hinterlassen. Wenn man es dann geschafft hat, ins Gespräch mit ihnen zu kommen, kann man sich ziemlich sicher sein, einen nicht geringen Teil davon auf dem Flugplatz wiederzusehen. Und selbst wenn die nicht alle zu schulen anfangen: Man hat bei einigen, die sonst vielleicht nie von einem solchen Freizeitangebot erfahren hätten, zumindest einen Fuß in der Tür.
Zum Thema "Werkstattarbeit": Ich finde, dass die Arbeit im Winter sehr wichtig ist, um das richtige Verständnis für das Flugzeug zu gewinnen, gerade für Jugendliche. Das ginge bestimmt verloren, wenn diese Arbeit rein kommerziell erledigt würde. Man hat was kaputt gemacht? Na ja, schiebt man's in den Hänger, sucht jemanden der's zum Hersteller fährt und bis zum nächsten Wochenende wieder abholt, und lässt den Verein die Rechnung bezahlen. Was nun die Auswirkungen der Nachlässigkeit waren bekommt man gar nicht mehr mit. Andererseits respektiere ich aber auch die Seite derer, die tatsächlich nur wenig Zeit haben, und diese nicht in 40 oder 60 Pflichtarbeitsstunden investieren wollen und können. Den muss es gestattet sein, sich davon zu entledigen, indem sie ihren "Arbeitsausfall" bezahlen. Auf der anderen Seite sollte es aber auch möglich sein - speziell für Jugendliche -, seine Arbeitsleistung zu investieren und damit entstandene Kosten, wie z.B. Flugstunden, abzuarbeiten. Ein weiterer Effekt der Werkstattarbeit, den ich sehr begrüße ist, das gerade Jugendliche viel Handwerkliches lernen, was zum Beispiel Schülern eines Gymnasium ansonsten verborgen bliebe. Auch das schafft eine Identifikation mit dem Flugzeug, die dazu veranlasst, anders damit umzugehen. Dann merkt man auch, dass zum Fliegen eben mehr gehört als rein setzen und losfliegen. Ein ähnliches Thema ist der Windenfahrer: hat man das Gerät schon einmal selbst bedient, versteht man, dass es recht verletzlich ist, und dass die Phrase "Auf Seilriss vorbereitet" nicht nur eine solche ist.
Natürlich gilt dies sinngemäß nicht nur für das Verständnis der Technik, sondern auch für das der Gruppe. Und die ist nun mal beim Segelfliegen (fast) unersetzlich. Das von Dir, Friedel, vorgeschlagene Modell "Ankommen - Fliegen - Wegfahren und den Rest macht gegen Bezahlung der Fluglehrer" gibt es schon. Nur nennt es sich dann 'Flugschule' und ist rein kommerziell. Das, finde ich, sollten Vereine nicht machen, solange sie Vereine bleiben wollen. Wenn wir über Freizeit-Dienstleister, vielleicht vergleichbar mit Freizeitparks, sprechen können wir das wieder auffassen. Ein ähnliches Modell, das aber noch im Sinne eines Vereines ist, findet bei uns statt: An einem bestimmten Wochentag bei gutem Wetter treffen sich gegen Mittag einige Schüler, einige Berufstätige, die sich einen halben Tag freigenommen habe, und ein Fluglehrer, der praktischerweise Rentner ist, und bauen einen kleinen Flugbetrieb mit F-Schlepp auf. Zwar sind nicht alle da, als die Halle ausgeräumt wurde, aber das wird von denen, die es taten, nicht krummgenommen, weil sie wegen der wenigen Leute insgesamt viel zum Fliegen kommen. Auch die Schüler kommen gut dabei weg, weil sie nur wenige sind. Der Flugzeugpark wird so aber besser genutzt und alle haben viel davon gehabt, weil gutes Wetter mal richtig ausgenutzt werden kann, und nicht eine Gruppe anderer nach spätestens einer Stunde das Flugzeug haben will. Und wer sagt denn, dass Segelflug nur am Wochenende stattfinden muss? Eine kleine Gruppe an einem Wochentag ist ja viel flexibler, wenn es darum geht, wann wer was macht. Es ist aber immer noch eine Gruppe, und man verkehrt mit dem Verein nicht nur über den Kontoauszug.
Mit freundlichen Grüßen
N.N.
Sehr geehrter Herr Weber,
auch ich möchte ein paar kurze Bemerkungen zu diesem Thema loswerden.
Da ich dabei auch ein für unseren Verein heikles Thema ansprechen werde (ein äußerst heftig diskutiertes Streitthema, inklusive Austrittsdrohungen), bitte ich aber um Anonymität.
Ein Hauptproblem ist sicher die Nachwuchswerbung. Allerdings gibt es hierfür auch positive Beispiele. Der Verein, in welchem ich fliegen gelernt habe (als spätberufener Mitt-Zwanziger), hat es bisher fast jedes Jahr geschafft, 3-5 Piloten erfolgreich durch die Scheinprüfung, und weitere 3-5 Anfänger bis zum Alleinflug zu bringen. Und dieser Verein hat nicht mal 60 Aktive! (Leider ist dieser Verein mehr als 500 km von meinem jetzigen Wohn- und Arbeitsort entfernt).
Die Gründe (meiner Meinung nach):
- Intensive Präsentation in der örtlichen Presse (jeder Überlandflug, jede Prüfung wird als Erfolg veröffentlicht).
- Viele Schnupperangebote, z. B. über Volkshochschule, Ferienpass- Aktion, Schnuppermitgliedschaft für Euro 100,-, etc.
- Intensiver Ausbildungsbetrieb! Es wird mit zwei Doppelsitzern und ein bis zwei Einsitzern geschult (bei einer Vereinsflotte von 6-7 Segelflugzeugen). Trotzdem muss man ein Limit setzen (3 Starts oder eine Stunde pro Schüler), sonst kommt man mit der Zeit nicht hin.
- Keine Bürokratie! Bezahlt wird in Pauschalen (ca. Euro 300,- bis 900,- p. a.). Dienstpläne gibt es nicht. Alle Funktionsträger sind, auf deutsch gesagt, so fluggeil, dass keine Dienstpläne nötig sind. Als Resultat:
- Hohe Präsenz auf dem Segelfluggelände. Basis über 350 Meter, kein Regen, kein Schnee, Sichtweite über dem Minimum? Und schon wird geschult! 60 - 80 Starts mit 2-3 Flugzeugen sind keine Seltenheit. Fluglehrer und -leiter sind praktisch immer am Platz, für den Rest sind genügend Flugschüler vorhanden.
- Mit drei Worten zusammengefasst: Fliegen, fliegen, fliegen!
Ich kenne übrigens Vereine, in welchen Flugbetrieb bei gutem Wetter flach fällt, weil sich nicht genügend Mitglieder einfinden. Bei Hammerwetter bleiben Leistungsflugzeuge in der Halle, aus dem gleichen Grund. So etwas dürfte für die Zukunft kein gutes Zeichen sein, zumindest für die dieses Vereins. Es gibt auch Vereine, in denen wird der Flugbetrieb Punkt 12:00h für zwei Stunden eingestellt, egal, wie das Wetter ist, egal, ob gerade noch schnell jemand in den nächsten 5-Meter-Hausbart starten will. Mahlzeit!
Zur Flugzeugflotte in den Vereinen: Der Vorstand meines jetzigen Vereins hat den Vorschlag gemacht, einen Klapptriebwerkler anzuschaffen, und im Zuge dieser Anschaffung auch den übrigen Flugzeugpark umzukrempeln. Das Ziel des Vorschlags war, ein Flugzeug zu bekommen, welches man auch bei entsprechenden Wetter ohne Aufwand, z. B. unter der Woche, fliegen kann. Ein erwarteter Nebeneffekt ist auch die Erhöhung der Attraktivität des Vereins und des Segelflugsports für die Jugend, sowie die Erhöhung der Nutzung der Flugzeuge. Die folgende Diskussion können Sie sich gar nicht vorstellen ... Die Entscheidung hierzu steht aus, wir sind wohl noch nicht so weit. Außerdem haben die Gegner dieses Vorschlags einige nur schwer widerlegbare Argumente. Worauf ich aber hinaus will ist nicht das Thema, sondern die Art und Qualität der Diskussion. Sehr unschön. Auch damit schreckt man neue Mitglieder ab. Das ist übrigens der Teil, aufgrund dessen ich um Anonymität bitte.
Viele Grüße
(Anonymus)
Datum: Wed, 10 Nov 1999 22:40:56 +0100
Von: K-D.Hofmann
Hallo herr weber,
Auch mein verein (aeroclub münchen) steht vor der nachwuchs-problematik, und hat im endeffekt nahezu die gleichen erfahrungen gemacht, die sie bzw. ihre leser schildern.
unser "hauseigenstes" problem war, dass - bedingt durch den großflughafen münchenII unser segelfluggelände freising/lange haken in '92 geschlossen wurde.
da wir bis '93 nicht wussten, wo wir auf längere sicht unterkommen würden, waren über jahre hinaus nicht nur fast keine neuzugänge vorhanden, sondern auch eine recht deutliche abwanderung anderer mitglieder zu verzeichnen. seit '93 haben wir uns - dank kräftiger unterstützung durch den dort ansässigen segelflugverein - in schleißheim bei münchen etablieren können. schleißheim bietet zwar keine besonders guten streckenflugbedingungen, aber wir konnten wenigstens fliegen! die zahl der aktiven mitglieder war in der zwischenzeit von knapp 90 auf unter 60 abgesunken... und auf einen flugschüler kamen 2 oder 3 lehrer...
seit '97 können wir auf dem ehemaligen bo-baker airfield in bad tölz fliegen (knappe 8 km vor den alpen, mit dieser fantastischen optik, allerdings nicht gerade einfach zum wegkommen). wie viele graue haare das dem vorstand gekostet hat, brauche ich wohl nicht erwähnen!
und seit wenigen jahren steigt die anzahl der mitglieder auch wieder, derzeit können wir auf gut 10 schüler stolz sein.
wir haben in den letzten jahren so ziemlich alles unternommen, um leute auf die segelfliegerei und auf uns aufmerksam zu machen, der erfolg war aber nahezu nicht messbar:
- infostand und aufgebauter flieger bei einem "tag des sports": viel interesse vor ort, aber kein einziger ließ sich am flugplatz sehen
- volkshochschulkurs "faszination segelflug": kurs wurde wegen ungenügender anzahl teilnehmer gecancelt
- infoveranstaltungen an mehreren schulen: kein ergebnis
- schnuppertage über kreisjugendring: außer spesen nichts gewesen... leider könnte ich die liste noch fortsetzen!
das einzige, was sich in der letzten zeit als einigermassen erfolgversprechend 'raus kristallisiert hat, ist das internet, sowie die "mund-zu-mund propaganda". über unsere home-page haben wir in den letzten 2 jahren etwa 6 neue mitglieder interessieren können - allerdings sind 2 von denen bereits segelflieger gewesen, und ein dritter hat den chpl... der rest stammt mehr oder weniger aus dem bekanntenkreis von unseren mitgliedern.
thema "drill, anwesenheit...": als ich vor fast 16 jahren in dem verein angefangen hatte, wurde um 09:05 ein strich unter die anwesenheitsliste gemacht, und wer unter diesem strich stand, flog an dem tag nicht... diese zeiten haben sich völlig geändert, und wenn einer heute erst am nachmittag kommt, kann er in der regel auch noch fliegen.
ein rückholen von gelandeten maschinen von hand kenne ich eigentlich nur vom hörensagen; wir hatten seit je her fahrzeuge dafür (und sind in bad tölz sogar darauf angewiesen, die bahn ist zwar schön lang [1300m ausgelegtes windenseil!], dafür aber nur etwa 30m breit, und das lande-t liegt zwischen start und winde ...!)
thema "alternativen...": in bad tölz findet parallelbetrieb von segelflug UND drachen/gleitschirmen statt (einen drachen bzw. gleitschirm per winde starten zu sehen, ist schon ein erlebnis...). fluktuation zwischen den gruppen: null! (außer abends beim bier...).
thema "werkstattarbeit...": ist ein teufelskreis. fliegen erfordert sauber gewartetes fluggerät, und das erfordert zeit (und die bereitschaft der mitglieder, zu arbeiten!!!) oder geld (des vereins für einen instandhaltungsbetrieb...). weder das eine noch das andere ist im überfluss vorhanden.
sie haben schon recht, wenn sie sagen, ein modernes kunststoff-flugzeug braucht nicht soviel aufwand (aus einer langjährigen statistik unseres werkstattaufwands:
kunststoff ca. 15' wartung/reparatur pro h flugzeit, holz bzw. gemischtbau ca. 30'/h; wobei größere reparaturen bzw. gü's nicht mitgerechnet sind). aber das summiert sich halt doch über die anzahl der flieger und der flugstunden auf eine ganz erkleckliche summe auf.
und in verstärktem masse wartungen von instandhaltungsbetrieben durchführen zu lassen, um den arbeitsaufwand im verein zu verringern, treibt im gleichen atemzug die flugstundenpreise hoch, was wiederum dazu führt, dass die leute weniger fliegen, weniger übung haben, das unfallrisiko steigt..... hier ein vernünftiges mittelmass zu finden, ist nicht einfach.
wenn sie, herr weber, oder irgendeiner ihrer leser ein patentrezept wissen, wie wir segelflieger unsere zukunft der vereine sichern können, dann nichts wie her damit!!!
kleines trostpflaster (?) in dieser richtung: neulich hat mir ein arbeitskollege erzählt, dass angeblich in deutschland mehr als 50% der weltweit vorhandenen seglerpiloten beheimatet sind..... zukunft, quo vadis???
in diesem sinne
many happy landings
ihr k.d.hofmann
Betreff: Zukunft des Segelfluges
Datum: Tue, 6 Feb 2001 00:45:29 +0100
Von: "schallerl"
Hallo Herr Weber!
Fast allen Meinungen, die ich in den diversen mails gelesen habe, kann ich auch aus österreichischer Sicht nur zustimmen. Es sieht für die Zukunft düster aus. Nur ich persönlich und natürlich einige meiner Vereinskollegen genießen den jetzigen Zustand.
Unser Verein hat ca. 50 Mitglieder (Motorflieger und Segelflieger) 1 Schleppmaschine, einen relativ modernen Segelflugzeugpark ( 1 DG-100, 2 DG 101, 1 DG-300, 1 ASK 21, 1 ASK 13, 1 ASW15 und noch 2 einsitzige Holzmaschinen. Vor ca. 5 Jahren waren um 9 Uhr morgens alle Flugzeuge besetzt und man musste sich mit einem Nichtstreckenflieger einigen, wenigstens für eine Stunde in einer Ka6 oder Ka8 im Platzbereich "herumzureindeln". Heute, wenn ich aus Zeitgründen vielleicht erst um 12 Uhr auf den Platz erscheine, liegt auch bei gutem Flugwetter meist noch eine gute Kunststoffmaschine am Boden. Mein Tag ist also nicht gelaufen und ich kann nach Herzenslust meine Kreise am Himmel ziehen.
Was ist passiert? Ich kann's mir selbst nicht genau erklären, da ich nach 30 Jahren mehr denn je vom Segelfliegen begeistert bin. Aber ich sehe einen großen Trend
hin zum Motorflug.
Meiner Meinung nach, hat die Anschaffung eines Motorseglers (Marke Müde Krähe) diese Entwicklung eingeleitet. Das lästige Warten auf einen absaufenden Kollegen fiel auf einmal weg. Mit dem Motorsegler war nur selten jemand länger als eine Stunde weg. Kein Segelflugwetter? Kein Problem! Schon spät am Nachmittag? Auch kein Problem!
So kamen immer mehr meiner Vereinskameraden auf den Geschmack und ein wahrer Boom setzte ein. Immer mehr machten den PPL und begannen ein Eigenbaumotorflugzeug zu bauen. Mit Saisonbeginn werden heuer 7! dieser Brummer im Hangar stehen und weitere 3 sind gerade in Bau... Aber alle im Vereinsvorstand sind noch der Meinung, wir seien ein Segelflugverein.
Also scheint mir, dass es nicht nur ein Nachwuchsproblem gibt. Anscheinend greift allgemein, auch bei den Piloten eine gewisse Segelflugmüdigkeit um sich. Die Gründe? All das, was in den anderen mails geschrieben wurde:
Segelfliegen ist familienfeindlich, weil stark wetterabhängig.
In ein enges Segelflugzeug steigt die Frau (Freundin) nur ungern ein.
Und die Frauen? Na, welcher Mann lässt es sich länger gefallen, dass seine Frau sich irgendwo alleine herumtreibt und abends dann kein warmes Essen am Tisch steht!?
Die eigene Motormaschine, Kostenpunkt ca. 70.000 DM, hebt das Image der ganzen Familie. (Auch die Frau erwähnt ganz gerne einmal im Freundinnenkreis, dass sie
zum Weekend mal kurz nach Italien fliegt)
Genausowenig wie ein Jäger erklären kann, weshalb er stundenlang in einer klaren, kalten Winternacht auf einem Hochstand auf einen Fuchs (so ein armes putziges Tierchen) wartet, um ihn abzuknallen und sich riesig über die Beute freut, kann eben ein passionierter Segelflieger sagen, was an einem 7-stündigen Streckenflug in einer Flugsauna mit Fußkühlung so toll ist.
Ich habe aber auch gesehen, dass charismatische Fliegerkollegen, mit großem Können vor allem junge Piloten begeistern und ein gewisses "Fieber" erzeugen . Solche Persönlichkeiten sind meiner Meinung nach die einzige Chance junge Menschen von unserem Sport zu begeistern.
Außerdem sollten sich Vereine und Hersteller zusammentun und vielleicht doch in Zeitschriften (möglichst nicht Flugrevue etc sondern Jugendzeitschriften) und anderen Medien gezielte Imagekampagnen starten.
Aufklärung tut auch Not, da viele junge Leute glauben, Segelflug sei die Vorstufe zum Motorflug und diene nur diesem Zweck. (Ungefähr so, wie man als Kind ein Dreirad, später ein Fahrrad und dann sein Auto bekommt)
Flugsportliche Veranstaltungen sollten stärker beworben und Siegerehrungen mit allem Pomp und Drumherum, wie man es vom Schisport, Fußball oder sonstigen Events kennt, durchgeführt werden. Auch wenn die Dröhndisco die alten Herren im Verein verstört (Hörgeräte leiser stellen!)
...und was ich noch schreiben will:
Segelfliegen ist einfach echt cool oder besser gesagt superaffengeil!
Zum Schluß noch eine unbezahlte Werbeeinschaltung:
Ich liebe meine DG-100, alt aber schön und wunderbar zu fliegen.
Mit freundlichen Grüßen
Harry Schallerl
Datum: Sun, 10 Jun 2001
Sehr geehrter Herr Weber
Ich bin 16 Jahre alt und möchte mich zum Thema Nachwuchs äussern. Nach all den Berichten von gestandenen Segelfliegern auf ihrer Homepage ist zu entnehmen, dass zwar Nachwuchs erwünscht ist, aber man ist sich nicht ganz klar, wie man dazu kommt. Ich habe mir mal einige Gedanken darüber gemacht:
1. Als Jugendlicher muss man unheilbar Flugbegeisteter sein, um so etwas zu machen. Können Sie sich vorstellen, auf wieviel ich verzichten musste, dass ich mir diesen Spass leisten konnte? Die Ausbildung hat mich etwa 7.000 Fr gekostet. Meinen Sie als Lehrling sei es einfach so eine Summe aufzubringen bei einem Monatslohn von 400 Fr? Mit diesem Geld hätte ich mir auch sehr viel anderes leisten können - z.Bsp ich hätte die Autofahrprüfung mit 18 machen können, was auch einen ziemlichen Anreiz hätte. Es sollte billiger werden, auch wenn das fast nicht möglich ist und vielleicht sollte auch ein bisschen mehr Werbung gemacht werden, aber welcher Verein hat schon Lust an "Kunden" die zwar voll motiviert sind, aber kein Geld haben. Sicher profitiere ich von verbilligten Jahresgebühren, aber das ist ein Tropfen auf dem heissen Stein.
2. Dann kommt ein fast schon bekanntes Problem: Bei den "Älteren" ist es die Familie, bei uns sind es die Freunde/ innen, die jedes Wochenende irgendwo auf rauschenden Partys verbringen oder sonst wo. Wenn jemand aus meinem Freundeskreis mich fragte, ob ich auch komme, da war es immer die selbe Antwort "Sorry ich kann nicht" und das macht nicht gerade einen riesigen Spass. Es kostet eben neben Geld auch noch sehr viel Zeit. Da können die Vereine nichts dafür, aber es ist sicher auch ein Grund, dass man es sich noch einmal überlegt.
3. Die ganze Theorie neben den Schulaufgaben. Das ist noch das kleinste Problem von allen, aber es ist doch mit Arbeit und Fleiss verbunden. Hier sind wieder die Vereine gefragt. Obwohl das in unserm mehr oder weniger klappte, sollte man hier den Schülern vielleicht noch ein bisschen mehr unter die Arme greifen.
4. Mädchen - ja da bin ich auch ein wenig überfordert. Alle fliegenden Mädchen, die ich kenne, haben einen flugbegeisterten Vater, der selber fliegt. Die anderen sind eher an den "harten Typen" aus dem Film interessiert als am wirklichen Fliegen. Ich weiss nicht, was hier der Grund ist. Ich persönlich hätte auch lieber mehr flugbegeisterte Mädchen ;-) Ich denke das hat nichts mit den Vereinen zu tun.
5. Die meisten Vereine warten einfach mal, bis man kommt. Hier täte ein bisschen Werbung nicht schlecht. Mit Schnupperflügen und solchem Zeugs sollte man dieses Hobby den "noch-nicht-Piloten" einmal näher bringen. Ich weiss noch, wie es bei mir war. Bis ich zu Informationen kam, waren schon einige Telefonate notwendig.
(keine Unterschrift!)
Betreff: Zukunft des Segelfliegens...
Datum:Sat, 23 Jun 2001 22:05:37 +0200
Von: "Sven Proescher"
Hallo Herr Weber,
als langjährig "betroffener" (ehemals aktiver - jetzt familienvater) sehe ich u.a. ein zentrales problem bei der gesamten sache. Waren sie schon einmal (welch eine frage;-) ) bei einem durchschnittlich organisierten wettbewerb anwesend? Dann werden sie sehen, dass sie nichts sehen! Keine flugzeuge, keine piloten, keine aktion, nichts - fast den ganzen tag tote hose. Morgens um 7:00 Uhr briefing (für eingeweihte und gemeldete mit allem drum und dran, aber für aussen stehende eher etwas wie voodoo - ein magier beschwört rituell die gemeinde und götter namens kaltfront, warmfront, cumulus sonstwas, etc.)- soweit so gut? Dann stehen zig segelflugzeuge wie an der schnur aufgereiht und werden unter getöse mehr oder minder schnell in den himmel befördert - und weg sind sie. Aber wohin, wieso und vor allem - kommen die wieder?
Fragt man einen "Wissenden" heisst es, die fliegen ein 500er Dreieck - oder Zielrückkehr oder noch besser cradscraddle, wie bitte? Was? Wieso fliegen die im Dreieck und wieso fünf hunderter und wo ist das ziel das zurückkehrt? Auch die meldung dass einer "abgesoffen ist", möglichst noch über lautsprecher lauthals ins rückholerlager trompetet, stiftet beim ahnungslosen zuschauer nun vollends konfusion.
Am abend aber wirds richtig spannend. Wenn dann endlich die piloten von der strecke heimgefunden haben (den zeitpunkt darf man evtl. anwesenden "Nichtwissern" natürlich unter keinen umständen verraten) - fallen weisse segler manchmal wie heuschrecken - evtl. mit irrwitziger geschwindigkeit und aus dem rumpf rauchend (brennend?) in ameisenkniehöhe rasend - auf dem flugplatz ein...landen und werden - nachdem sie waschen, fönen, legen über sich ergehen lassen mussten (ist denn die luft da oben so schmutzig?) - in überdimensionale, rollende plastikkoffer verstaut.
Ist das jetzt vorbei? kommt noch was? wer hat gewonnen? war der erste der beste oder gar der schnellste? hat überhaupt jemand gewonnen? Wenn jemand gewonnen hat, dann bitte wer? Und wieso?
Wer würde die formel 1 ansehen, wenn morgens um neun zwanzig bis fünfzig oder hundert autos wegdonnern und abends irgendwann wieder kommen - keiner weiss woher, wieso, oder auch nicht!
Genug der rede ich denke sie merken wo m.E. der hase im pfeffer liegt.
Unbeteiligte bekomme ich fast nur über topinformation - häppchenweise zum verzehr geeignet aufbereitet. Aber sagen sie das mal den "alten" Hasen - kopfschütteln allenthalben. Aber wann (ausser an top wochenenden), wenn nicht auf solchen wettbewerben kommt interessiertes publikum? Es muss ein fester PR Mann/Frau bei jedem Wettbewerb vertreten sein, der die Aufgaben spannend und aufbereitet kommentieren kann, bzw. die Tagesaufgaben (mit allem was einen Wettbewerb ausmacht) müssen auch für "Nichtwissende" klar und deutlich nachvollziehbar sein. Moderne Technik macht einiges möglich, aber solange es noch vereine gibt die "von dem modernen zeug" nichts wissen wollen und deren modernstes gerät ein 12 jahre alter PC ist - fax evtl. noch älter - darf man sich bei der internetjugend erst gar nicht blicken lassen (geschweige denn mit den geschichten vom 300er auf der Ka6).
MfG, Sven Proescher
Für Herrn Weber persönlich: wieviel gigabyte traffic haben sie denn monatlich, dass sie 1.200,- DM dafür bezahlen müssen (nach dieser Zahl müssten Sie mindestens 29 GB Transfervolumen haben)?
Hallo Herr Weber,
schön dass sie nicht nur hervorragende flugzeuge bauen sondern auch die post ebenso schnell erledigen :-).
Gerne würde ich wieder aktiv werden, aber - und da muss ich mich teilweise den meinungen im forum anschliessen - ist es im verein inzwischen wenig interessant, weil neben den immer mehr steigenden kosten, baustundenregelungen, nachwuchssorgen, wochenendeinsätzen (übrigens in den anfangszeiten der segelfliegerei durchaus notwendig, heute eher überkommenes relikt z.b. ein komplettes wochenende anwesend sein zu müssen um ein flugzeug für eine strecke zu ergattern) immer wieder (oder mehr?) profilneurotiker statt flieger in den vorständen und an schlüsselpositionen zu finden sind, denen klüngel und standesdenken wichtiger als fliegerische akzente sind.
Ein Flugzeug zu fliegen kann man lernen, Flieger sein kann man aber nur mit dem herzen. Wenn fliegen nur noch aus polaren, gleitzahlen, geschwindigkeit, profiloptimierung, flächenbelastung und steig- oder rollwerten besteht, dann hat die fliegerei das wichtigste verloren, dann wird aus dem herzen und der leidenschaft nur noch technik. Wenn Segelfliegen nur noch für eine kleine minderheit bestens betuchter erschwinglich bleiben wird, stirbt etwas in unserer gesellschaft.
Meiner Meinung nach sind Sie als Hersteller hier gefragt ein flugzeug auf markt zu bringen, das keine gleitzahl jenseits der 50 haben muss, sondern ein flugzeug mit dem fliegen nicht nur spass macht, sondern auch bei kostengünstiger produktion und solider verarbeitung (oder ein vorhandenes "älteres" modell bsp. DG100 o.ä. auf heutige sicherheitsstandards (nicht leistungsstandards!) bringen) als günstige alternative auf dem markt bestehen kann, ohne bestehende marktanteile an ihrem derzeitigen produktportfolio zu reduzieren.
Ein eigenes Flugzeug anzuschaffen ist vollkommen illusorisch - sie kennen die preise besser als ich - aber ein, evtl. auch gebrauchtes, Flugzeug zu erwerben sprengt jedweden finanziellen rahmen auf dauer (es sei denn ich würde wieder bei der Akaflieg Darmstadt fliegen - da war fliegen und die fluggerätebeschaffung sehr kostenneutral).
MfG, Sven Proescher
Hallo Herr Proescher
Ich will Ihnen auch auf diese Frage gleich antworten, weil sie sehr oft gestellt wird.
Wir - die deutschen Segelflugzeughersteller - wissen, wie man Hochleistungsflugzeuge mit tollen Leistungen baut. Das Wissen kann man nicht vergessen - aber Leistungen kosten fast nichts! Ja - wirklich!!!! Es ist nicht teurer, eine Form für einen Flügel zu bauen mit neuestem Profil. Aber es ist unglaublich teuer, mit deutschen Lohnkosten ein sicheres Flugzeug nicht nur zu bauen, sondern auch die dafür erforderlichen Nachweise zu erbrigen.
Die gewünschten Festigkeiten zu realisieren, automatische Ruderanschlüsse zu bauen, ein hochfestes Cockpit - das macht die Flugzeuge so teuer. Von der Motorisierung mal ganz abgesehen!
Wenn man ein neues Flugzeug billig auf den Markt bringen will, bleibt der UL-Bereich, aber wo bleibt die Sicherheit, wenn das Gewicht auf 120 KG limitiert ist? Und wenn man es hoch setzen würde, könnte man all die schönen Sachen machen - und wäre wieder beim "normalen" - sprich: teuren - Preis.
Es geht einfach nicht! Und so bleibt nur der Gebrauchtflugzeugmarkt, wobei natürlich bei älteren Flugzeugen - die besonders billig sind - wieder Abstriche bei der Sicherheit gemacht werden müssen.
Und so dreht sich alles im Kreis!
Segelfliegen: ein Art Sado-Masoschismus?
Auch in meinem Verein macht man sich Sorgen um den Nachwuchs. Da werden die verschiedensten Gründe angeführt (siehe die vorangegangenen Zuschriften).
Es wird unter Aufbietung aller Kräfte sogar geschafft jedes Jahr einige wenige Flugschüler zu "rekrutieren", doch dann?
Viele dieser Neulinge, im Schnitt ca. 90%, geben nach spätestens 3 Jahren und dem Erhalt des PPL die Segelfliegerei wieder auf.
Die hat gerade bei uns auf dem Flughafen (EDK?) meiner Meinung nach viele andere Gründe als die oben genannten Freundinnen, Geldmangel etc.
Da wären z.B.:
1. Fluglehrer, die das Wort "Überlandflug" nur aus dem Lehrbuch kennen.
Es ist doch kein Wunder, wenn ein Flugschüler irgendwann die Lust am Fliegen verliert, wenn er bis zum Ende seiner 3-jährigen Ausbildung noch nicht EINMAL über den 10km Umkreis des Flugplatzes hinausgekommen ist, und selbst die "Überlandeinweisung" nur zu einem 16km entfernten Flugplatz führt, und dies bei 1800m Basis. So kann man die Begeisterung am Segelflug wohl nicht aufrechterhalten. Statt dessen wird eine Käsemannsplatzrunde nach der anderen gedreht: toll.
2. Die Stimmung am Start und auf dem Flugplatz allgemein.
Manchmal hat man - sicher nicht nur auf unserem Flugplatz - den Eindruck in einem Militärlager der US-Marines zu sein. Die Lautstärke und Art der "Anschisse" entspricht dem auf jeden Fall. Da wird rumgemault, angepöbelt, rumkommandiert. Und dies obwohl es in 90% der Fälle entweder völlig unnötig wäre oder zumindest auch mit vernünftiger Lautstärke/Wortwahl ginge.
Nicht nur einer meiner ehemaligen Kameraden hat sich gesagt: An einem freien Tag, den ich eigentlich mit etwas schönen - sprich fliegen - verbringen möchte, tue ich mir SO ETWAS nicht mehr an. Da ist es doch nur eine Frage der Zeit bis man den nächsten Rüffel kassiert.
Sprach es und trat aus dem Verein aus bzw. wechselte zum Motorflug wo er sich diesen Wortgefechten nur ein bis zwei Stunden am Tag aussetzen muss.
Von einem Vater eines Scheinpiloten, der einmal 2 Stunden mit auf dem Flugplatz war kam diese Äußerung: "Gibt es hier eigentlich auch normale Leute?" Das sagt ja wohl alles.... :-(
3. Scheininhaber unerwünscht?
Man mag über bestimmte Sicherheitsstandards wie z.B. Überprüfungsstarts/Ziellandungen am Jahresanfang diskutieren mögen, und sie gutheißen. Aber was zu viel ist, ist zuviel.
Da wird bei uns verlangt: 1 Überprüfungsflug mit Fluglehrer - ist ja O.K. aber: vor einem Überlandflug 3 Ziellandung auf dem entsprechenden Muster, VOR AUGEN eines Fluglehrers. Wo kommen wir denn da hin? Kann ein Pilot dem ich ein Flugzeug für 100.000DM anvertraue denn nicht entscheiden, ob er eine Ziellandung gemacht hat, oder nicht? Und nach 2 Std. Thermikflug die Landezeit darauf abzustimmen, ob gerade ein Fluglehrer am Start sitzt, der meine Landung beurteilt, ist in meine Augen hochgradig lächerlich. Außerdem muss man sich einmal vor Augen führen, zu welcher Anzahl Ziellandungen dies führt: ASK-21, Discus, Mini-Nimbus, Janus= 4 Flugzeuge * 4 Landungen (1 zusätzliche, da garantiert nicht alle klappen - Lepo im Weg oder ähnl.) = 16 Starts nur um einmal evtl. Überlandfliegen zu können wenn einer der Flieger frei sein sollte. (nicht dass mich jemand falsch versteht - gegen Ziellandungen an sich habe ich überhaupt nicht einzuwenden - sie sind am Anfang der Saison einfach notwendig).
Aber falls dann doch noch einmal etwas passiert bei einer Außenlandung übernehmen die Fluglehrer garantiert KEINE Verantwortung. Damit wird der PPL-Inhaber zur angenehmsten Art des Flugschülers: er kann beeinflusst und gesteuert werden, aber man brauch nicht an Konsequenzen zu denken.
4. Privatflugzeuge
Falls jemand auf die Idee kommen sollte, sich eine eigenes Flugzeug zuzulegen, kann er sich direkt auch um ein anderes Fluggelände kümmern. Privatflugzeuge sind einfach nicht gerne gesehen bei uns.
In meinem Verein führte dies zum Austritt von 3 Viel-Fliegern mit größerer Überlandflugerfahrung.
Was der Vorstand und die Fluglehrer (die bei uns SEHR viel Einfluss auf Vorstandsentscheidungen haben) dabei aber wohl übersehen ist der Vorbildcharakter, den solche PPL-Inhaber mit eigenem Flugzeug durchaus noch auf Nachwuchspiloten haben können. Woher sollten denn die Schüler lernen, wie man Überlandflüge plant und durchführt, wenn nicht von erfahrenen Piloten? Wenn diese aber Aufgrund von mangelnder Flugmöglichkeit aus dem Verein geekelt werden, ist es kein Wunder wenn auch der Nachwuchs keine Lust mehr zum Streckenfliegen, und dann auch evtl. zum Segelfliegen an sich mehr hat. Außerdem würden diese Privatflieger trotzdem Beiträge bezahlen, die F-Schlepp Maschine nutzen und ab und zu mal einen Kasten spendieren :-)
Trotz dieser "Behinderungen" habe ich es irgendwie geschafft, mich durchgebissen, und mein bisschen Streckenflugkenntnis selber erarbeitet (vielen Dank an Helmut Reichmann und sein "Streckensegelflug"). Und meistens kann ich mich bei halbwegs gutem Wetter dazu "durchringen" zum Flugplatz zu fahren. Im Flugzeug vergisst man dann diese ganzen Streitereien und freut sich des Lebens.
Doch spätestens am nächsten Sonntag-Morgen fragt man sich dann wieder: "Soll ich mir das heute wirklich antun? Bin ich vielleicht Sado-Masoschistisch veranlagt?" - eigentlich schade, oder?
Mit besten Fliegergrüßen,
M.G.
(Der Schreiber möchte ungenannt bleiben. Ich veröffentliche diesen Beitrag als "abschreckendes Beispiel". Man kann ja nur hoffen, dass das wirklich ein Einzelfall ist!
Betreff: DG Flugzeugbau - Piloten-Info Nr. 33
Datum: Sun, 1 Jul 2001 18:19:43 -0700
Von: Augustin, Marc
Sehr geehrter Herr Weber,
mit interesse habe ich die forumsbeitraege zur zukunft des segelfluges gelesen. lassen sie mich meine erfahrungen aus meiner neuen beruflichen heimat Austin, Texas in amerika schildern und was mir dabei insbesondere im vergleich zu deutschen vereinen aufgefallen ist. ich habe in deutschland die gleichen erfahrungen wie piloten im forum gemacht, dass es in deutschland schwierig ist ueberhaupt an informationen ueber den sport segelfliegen zu kommen, wenn man nicht in einer fliegerfamilie geboren wurde. nur die aktive unterstuetzung meiner eltern in den fruehen jahren hat es mir ermoeglicht schon mit 14 mit dem segelfliegen zu beginnen. viele vereine haben eine lange tradition und so fuegt man sich als neues mitglied in die bestehenden alten strukturen ein. aenderungsvorschlaege sind meist nicht willkommen, weil: das haben wir noch nie so gemacht. neue fluggelaende und neue segelflugvereine, die in den letzten 10 jahren entstanden sind kann man wahrscheinlich an einer hand abzaehlen (in den alten laendern). eigentlich ist eine funktionierende infrastruktur vorhanden, der wille zur veraenderung fehlt jedoch. die einsicht dass veraenderung notwendig ist, ist meist gar nicht vorhanden. das nicht so ueberraschende ergebnis ist stagnation der strukturen und mitgliederschwund.
ganz anders hier in amerika. hier herrscht noch echte aufbruchstimmung. unser fluggelaende der 'fault line flyers' wurde erst vor gut 15 jahren aus privater finanzierung gekauft, jedes mitglied haelt einen anteil, der bei austritt wieder rueckerstattet wird. Flieger kommen zusammen um gemeinsam spass zu haben. ob es dabei ums segelfliegen, modellfliegen, motorradfahren, bauen&basteln oder auch nur barbequeue geht, ist zweitrangig. ist das wetter schlecht, trifft man sich beispielsweise zum moto-cross fahren auf dem flugplatz - hey, der gehoert uns ja, und hinterher koennen wir ihn ja auch wieder walzen. (ich kann mich an diverse startverbote in deutschland erinnern, als im fluglager nachts der startbus auf die landebahn entfuehrt wurde :-( ). letztendlich wollen wir doch gemeinsam spaß haben, gemeinsame erlebnisse geniessen. die eingefahrenen vereinsstrukturen lassen aber eben genau "das" in deutschland nicht oder nur noch sehr bedingt zu. wir ueberregulieren uns selber in den vereinen, zusaetzlich zu den teilweise schon aberwitzigen gesetzlichen vorschriften (moechte hier nur an die bugkupplung erinnern...). wir schlagen uns unsere vereinsregeln gemeinsam um die ohren und verderben uns gegenseitig den spass am fliegen. kein wunder, dass der neue nachwuchs schnell die lust und das interesse verliert.
der flugbetrieb selber laeuft hier sehr entspannt ab. es besteht keine anwesenheitspflicht fuer den ganzen tag. geflogen werden kann immer, wenn wetter ist, auch unter der woche. es ist ganz normal, dass jemand um 11:00 morgens auftaucht sich auf die liste schreibt und sagt, dass er aber heute nachmittag um 15:00 arbeiten muss. no big deal. er bekommt seine stunde segelflug und leistet seinen dienst ein anderes mal fuer andere. in deutschland kann ich mich erinnern dass dafuer wegen unkameradschaftlichen verhaltens ein wochenende bodendienst ausgesprochen wurde. die zeiten haben sich geaendert. ich kann es mir heute auch nicht mehr leisten jedes wochenende den ganzen tag auf dem flugplatz zu sein (wie noch zu schul- und studienzeiten). die woche hat hier in amerika nicht nur fuenf arbeitstage, im allgemeinen sind meine arbeitszeiten aber sehr flexibel, der urlaub sehr knapp (in der regel 10-12 arbeitstage pro jahr). so ist es auch kein problem unter der woche zu fliegen. wird das wetter richtig gut, gehe ich ab 13:00 fliegen und komme um 20:00 zurueck zum arbeiten. balance of life - ein thema fuer deutsche vereine. Eine andere, wie ich finde gute erfindung ist der 'demo day'. jeder erste samstag im monat ist sozusagen gastflug tag. alle gastfluege haben hoechste prioritaet in der schleppreihenfolge und doppelsitzerverteilung. fluege auf vereinsflugzeugen ohne gaeste werden auf eine stunde begrenzt, sofern gaeste am boden stehen. der demo-day wird regelmaessig in der lokalen presse angekuendigt und gaeste werden gebeten, erlebnisberichte zu verfassen. findet ein flugtag in der naehe statt, wird der demo-day kurzerhand dahin verlegt, wo die menschen sind. einfach, nicht war?
in meinen augen muessen die deutschen vereine endlich aufwachen und erkennen dass sie im freizeitgestaltungs "wettbewerb" um die jugend stehen. dabei haben sie eigentlich gar nicht so schlechte karten, wenn sie sie doch nur ausspielen wuerden. jeder 14-jaehrige ist doch ganz heiß darauf, startbus zu fahren. Oder mit 14 ganz alleine fliegen! ...und noch nicht mal mofa fahren duerfen :-) Bau- und bastelprojekte - auch waerend des fluglagers beispielsweise an alten motoren, autos und natuerlich auch flugzeugen - wecken das interesse der jugendlichen. abenteuer und unternehmungslust sind die triebkraefte der jugend. die infrastruktur dafuer ist in den meisten vereinen vorhanden und das wissen fuer oben genannte projekte bei vielen aelteren vereinskameraden auch. die jugend hat den drang, etwas zu gestalten und aufzubauen, man muss sie nur gewaehren lassen!
think out of the box!
Hals und Beinbruch,
Marc Augustin
Betreff: Traktor?!
Datum: Mon, 02 Jul 2001 12:21:07 +0200
Von: John Smith
Lieber Herr Weber!
Liebe interessierten SegelfliegerInnen!
Aus Ihren Gedanken zur Zukunft des Segelflugs möchte ich ein Stichwort herausgreifen, zu dem ich glaube, etwas sagen zu können:
den Traktor zum Flieger ziehen und dessen Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Zur Zeit haben wir in unserem Verein eher keine Nachwuchssorgen und mir selber machts zusammen mit all unseren anderen Fluglehrern tierisch Spaß, unseren Flugschülern, die ich als wirklich fluggeil und motiviert bezeichnen möchte, in die Luft zu helfen.
Auf unserem Segelfluggelände in Dannstadt findet nach wie vor auch bei Platzrundenwetter Segelflugbetrieb statt. Sicher, die letzten Jahre wars etwas weniger, weil auch uns die Flugschüler fehlten. All die Bemühungen auf Infoveranstaltungen oder ähnliche Aktivitäten zeigten wenig Resonanz. Ich glaube, in erster Linie ist es der ganz normale Flugbetrieb selbst, der das Interesse der Jugend in der Umgebung weckt.
Insbesondere die zahlreichen Windenstarts, die auch aus größerer Entfernung zu sehen sind und der Schulbetrieb bzw. das, was sich davon am Boden abspielt.
Und genau da liegt meiner Meinung nach einer der Knackpunkte.
Wir sind zwei Vereine am Platz und die Zusammenarbeit klappt (meistens) ganz gut.
Beide Vereine verfolgen in manchen Dingen völlig unterschiedliche Philosophien. Unter anderem unterhält unser Nachbarverein einen kleinen Traktor zum Flieger zurückziehen. In unserem Verein wird dagegen Wert darauf gelegt, die Flieger per Hand zu schieben. Natürlich macht es keinen Spaß, unsere Dickschiffe (sorry, es ist keine DG dabei...) von Hand zu schieben, wenn der Boden nass und schwer ist. Da macht es sicher Sinn, irgendwas mit `nem Motor zu benutzen. Keine Frage und das tun wir auch.
Aber meistens ist es trocken.
Hier nun meine persönliche Meinung und Beobachtungen zu den unmittelbaren Auswirkungen der Benutzung/Nichtbenutzung des Trekkers auf den Flugbetrieb:
- Die Flieger per Hand zu schieben fördert das Gruppengefühl und zieht den ein oder anderen mit, der sich ansonsten vielleicht lieber in eine schattige Ecke verkriecht.
- Die Leute sind aktiv am Flugbetrieb mit dabei und sind gefordert, mitzudenken. Das kommt vor allem der Sicherheit am Startplatz zugute. Dort hat jeder eine gewisse Verantwortung (was ja jetzt auch in der SBO festgeschrieben wurde). Meinen Flugschülern sag ich immer, dass man auch nur durchs Zuschauen was lernen kann und genau das macht man besonders dann, wenn auf die landenden (und anschließend zu schiebenden) Flugzeuge geachtet wird.
- Bei unseren Fliegerkollegen läuft vor allem bei "bestem" Platzrundenwetter der Traktor andauernd. Das ist laut, stinkt (das Ding spuckt nicht unerheblich halbverbranntes Öl) und wird dem (im Kodex festgeschriebenen) Umweltgedanken in keiner Weise gerecht. Es nervt ganz einfach und passt nicht zum "lautlosen" Segelflug. Übrigens bemerken dies auch Besucher am Flugplatz.
- Weil immer "irgendjemand" den gerade gelandeten Flieger mit dem Traktor zurückholen wird, verlassen sich alle auf eben denjenigen. Die Folge: niemand fühlt sich selber so richtig verantwortlich und weil es keinen (unmittelbaren) Sinn macht, dann am Start zu verweilen, wenn man selber nicht bald an die Reihe kommt oder vielleicht schon geflogen ist, sind oft nur wenige Leute am Start.
- Besonders lustig wird´s immer dann, wenn zwei Maschinen kurz nacheinander landen. Dann dauert es natürlich ziemlich lange, bis der Trekker zweimal gefahren ist. Einer der Flieger liegt dann entsprechend lange in der Bahn.
- Grotesk wird das Ganze, wenn ein Flieger kurz landet und 50m hinter dem Lande-T stehen bleibt. Ich hab keine Ahnung, warum es einfacher sein soll, wegen den paar Metern ein Fahrzeug zu bemühen.
Also: ich denke, es ist äußerst wichtig, das Gruppengefühl zu fördern.
Eine Flugschule ist hier was ganz was anderes und nicht zu vergleichen mit einer SegelflugGRUPPE. Und ich behaupte mal, wenns klappt, insbesondere den Jugendlichen zu verdeutlichen, dass jeder Einzelne wichtig ist, jeder selber mitdenken muss, jeder dem Anderen gegenüber Verantwortung trägt und dann sieht, dass sich dies in Akzeptanz in der Gruppe und schließlich auch in fliegerischen Erfolgen niederschlägt, dann ist das schon die Hälfte einer gelungenen Jugendarbeit. Und Fliegerschieben ist hierzu sehr wohl geeignet, neben der Eigenschaft als einzige echte körperliche Betätigung beim SegelflugSPORT mal ganz abgesehen.
So, ich glaub, ich muss jetzt wieder arbeiten...
Viele Fliegergrüße,
Mirko Schelp
(Segelfluggruppe Giulini, SFG)
P.S.: Nicht weitersagen: MIR gefällt die DG-1000...!
Datum: Fri, 17 Aug 2001 14:26:56 EDT
Von: H-Eckl
Guten Tag Herr Weber!
Danke für das feedback! Übrigens auch Danke für die ausgezeichneten DG-newsletter. Ich freue mich jedes Mal wieder. Ich hab mir übrigens erlaubt, natürlich unter Nennung der Quelle, die Powerpointpräsentation bezgl. der Entwicklung unseres Sportes zu übersetzen und mit den Entwicklungszahlen unseres Vereines des FC Kyritz zu ergänzen. Ich werde dies bei der nächsten HV als Vortag ausarbeiten. Leider ist dies ja keine schöne Entwicklung. Als rationell-mathematisch arbeitender Banker würde ich in diese Industrie keinen Pfennig stecken, als Privatmann wünsche ich mir heißen Herzens endlich ein auch für ärmere Vereine bezahlbares Fluggerät. Es ist ein Riesenbedarf hier im Osten und ich suche noch immer einen Sponsor für eine DG500 oder zumindest eine ASK 21. Unser Puchachz hat fast 9000 Landungen am Buckel, unsere Boczian sogar mehr und sind Wirbelsäulenmarter für die Fluglehrer. Wer kann bloß diese Preise für die neuen Flieger bezahlen?
Wir haben in Deutschland ca. 1,3 Mio "Liquiditäts-Millionäre", d.h Leute welch eine Million flüssig oder quasi flüssig haben. Wir haben weiter etwa 45000 PPL-C Piloten. Wären diese alle in den 1,3 Mio zu finden - was natürlich absurd ist - waren dies ca. 3,5 % der Millionäre. Ich vermute weiter, dass etwa 1 Promille also 45 Piloten in der Lage und Willens sind ein Flugzeug für weit über 150.000,-- DM zu kaufen und weiter ein Großteil schon so was besitzt, wo bleibt da der Markt für die vier namhaften Hersteller? Es muss also fast alles auf den Export und/ oder Verein und Eignergemeinschaften gehen.
Ich könnte mir in der Tat eine neue DG808S leisten. Es bleibt aber ein Traum, weil ich es meiner Familie gegenüber moralisch nicht verantworten kann ein " Spassgerät" anzuschaffen, welches den Wert eines kleinen Wohneigentums hat und z.B. die Ersparnisse von Opa und Oma bei weitem überflügeln. Ich versuchte drei Leute unter einem Hut zubringen um gemeinsam eine DG808s anzuschaffen, alles wohlhabende Berliner. Wir haben viel Abende kalkuliert und gerechnet. Das Ergebnis:
Der erste kaufte sich eine ASW 19. picco bello i.O. für 38 TDM Der zweite kaufte sich einen Valentin Taifun Motorsegler für 95. TDM und fliegt jedes Wochenende mit seiner Frau durch die Republik.
Der dritte bestellt sich in Tschechien die Glasflügel 304 CZ. für 55.000,- plus MWst...
Der vierte....ich.. wartet weiter auf ein Schnäppchen.. für unter 40 Mille.
DG 101G wenigstens...
Hoffentlich langweilt Sie diese mail nicht, aber ich denke, solche Gedanken sollten Sie nicht ganz unberührt lassen,
mit herzlichen Grüßen
Betreff: Re: Zukunft des Segelflugs/Feedback
Von: axel.n.
Sehr geehrter Herr Weber,
vor längerer Zeit ging es um das sehr interessante Thema "Zukunft des Segelflugs" und die Frage wie Nachwuchs/Jugend etc wieder vermehrt für das Hobby gewonnen werden können. - In diesem Kontext ein persönliches Feedback:
Die Bedingungen um in Deutschland (weiteres Umfeld Düsseldorf) einem Klub oder ähnlichem beizutreten waren mir persönlich zu schwierig bzw. ließen sich nicht mit meinem Beruf und Familie vereinbaren - in UK, USA oder Australien wäre das aus eigener Erfahrung möglich gewesen, aber ich lebe nun einmal hier.
Um trotzdem in die Luft zu kommen, habe ich das Gleitschirmfliegen begonnen und es nicht bereut.
Abgesehen davon, dass sie viel schneller von "0 auf 100" kommen, weil sich die Flugschulen auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingestellt haben, ist das Flugerlebnis an sich anders, aber mindestens so begeisternd wie das Segelfliegen.
Allerdings gibt es auch positive Messages, die für Segelflieger nicht Anlass zu Wehmut sein sollten.
In Australien bin ich vor einigen Jahren vom Motorflieger zum Segelflieger ausgebildet worden (Tocumwal). Zufällig geschah dies in einer Gruppe von Drachenfliegern, die der deutschen Nationalmannschaft angehörten und gerade bei der Weltmeisterschaft teilgenommen hatten. Etwa fünf von Ihnen wurden auch Segelflieger - erstaunlich???
Begründung war, dass man im Segelflieger bequemer und sportlich/akrobatischer fliegen kann. Praktisch alle waren von Anfang an super Segelflieger.
Message/lessons learned: -
Drachenfliegen und Gleitschirmfliegen setzt physische/sportliche Fitness voraus, die aus den verschiedensten Gründen je nach Person ab 40 Jahren/Alter schwindet (dies ist nur ein Hauptgrund) - der Flugvirus jedoch bleibt. Ein Potential für Sie von allein in Deutschland zusammen über 60.000 Transitioncandidates und nicht Newcomers (kleine Transitionhürde, weil wenig Aufwand - zumindest im Ausland).
Viele von Ihnen haben wahrscheinlich auch genügend Geld und benötigen wenig Zeit, um den Segelflieger zu beherrschen (in Tocumwal waren alle nach einer Stunde solo unterwegs) - haben sie die Drachen/Gleitschirmsegmente mal in ein Mailing miteinbezogen? ..... ;-))) - auf internationaler Ebene sicherlich ein noch viel, viel größeres Potential. Diesem Potential müsste man mal einen "Schnupperflug/Kurs" organisieren/vermitteln - wäre doch nicht unwahrscheinlich, viele davon zum Segelflug und Flugzeug zu verhelfen.
Ein paar unterstützende Daten von in den letzten Jahren zum Segelflieger konvertierten möglichen Aushängeschildern für die Drachenfluggemeinde, die auch eigene/private Flugzeuge besitzen:
ein Weltmeister im Drachenflug
ein ehem. WM Drachenflug
ein ehem. Leiter der Drachenflug Nationalmannschaft in Australien, früher Eigentümer einer Gleitschirm Firma und jetzt und heute Miteigentümer eines Segelflugzentrums in den kanadischen Rockies -
die Liste könnte man noch um viele Namen verlängern.
Beste Grüße
Axel N
PS - nicht falsch verstehen:
Für mich sind weiterhin Segelflugzeuge wie DG-800 etc Traumprodukte der Aerodynamik und wunderschön zu fliegen!
Betreff: Zukunft der Fliegerei
Datum: Thu, 18 Oct 2001 21:37:29 +0200
Von: Stephan Rothe
Hallo Herr Weber und andere Leser!
Ich - ein 19-jähriger Gleitschirmflieger - möchte meine Gedanken über die Zukunft der Fliegerei nicht nur im Segelflugbereich darlegen. Ich selber bin - was das Fliegen betrifft - vorbelastet, denn mein Vater fliegt seit den Anfängen der Gleitschirmfliegerei. So kam für mich nur diese Möglichkeit des Fliegens in Betracht. Da wir (fast) im Flachland wohnen (Schwäbische Alb), absolvierte ich meine Ausbildung zu einem Teil an der Winde, was ein Vereinsleben mit sich trägt.
Für einen Teil der heutigen Jugendlichen spielt das Internet eine große Rolle, so zog ich Infos aus dem Netz, die einem Jugendlichen vor 5 Jahren verwehrt waren! Früher liefen die Diskussionen ausschließlich am Flugplatz(-berg) ab, heute diskutiert man (zusätzlich!) in Foren und Newsgroups. So gesehen ist die theoretische Beschäftigung mit dem Thema Fliegen und der Erfahrungsaustausch "jugendfreundlicher" geworden. Nur - warum gibt es dann rückgängige Schüler- und Mitgliedszahlen sowohl im Segelfliegen als auch im Drachen-/Gleitschirmfliegen? Die Antwort ist für mich die, dass ein Großteil der Jugendlichen nicht (mehr?) bereit ist, seine ganze Freizeit der Fliegerei zu opfern. Denn nur durch das dauernde Beschäftigen mit dem Thema lässt sich sich unser Sport sicher und erfolgreich betreiben! Und gerade da bietet das Internet größte Möglichkeiten in Bezug auf Wetterkunde, Streckenberichte zum Nachfliegen, Gerätekunde, Verbesserung der Flugtaktik (theoretisch zumindest) etc. Der heutige Jugendliche will kommen, schnell seinen Spass haben und dann gleich weiter zum nächsten Akt übergehen. Daher glaube ich, dass ein Teil des Problems in unserer Spaßgesellschaft liegt, die es jungen Menschen erschwert, sich auf ein Hobby zu beschränken (und nicht noch nebenher Snowboard zu fahren, Windsurfen zu machen usw).
Das Vereinsleben liegt vielen Jugendliche nicht, da sie hier gebunden sind und sie ja (noch) auf dem Freiheitstrip schwimmen. Ich klammere mich hier nicht aus, nur empfinde ich die größte Freiheit, wenn ich unter meinem Schirm hänge und da nehme ich doch gerne die Vereinsarbeit auf mich (Wobei ich sagen muss, dass die Vereinsarbeit beim Gleitschirmfliegen sicher nicht so zeitintensiv ist).
Als Schüler kann man das Hobby Fliegen nicht ohne Unterstützung betreiben! Dies ist schlicht unmöglich, da ein durchschnittlicher Minderjähriger (wenn´s gut läuft) ein Jahreseinkommen von ca. 1000-2000DM zu Verfügung hat. Mit diesen fast schon lächerlichen Beträgen ist keine Flugsportart finanzierbar! Eins kann ich dazu aber sagen, dass man Wege findet, um zum Fliegen zu kommen, wenn die Fluggeilheit uneingeschränkt über allem steht (so wie bei mir)!
Uns verbindet alles dasselbe: Die Sehnsucht endlich wieder zum Fliegen zu kommen.
cu at cloudbase
Datum: Sun, 04 Nov 2001 17:02:35 +0100 (CET)
Von: Matthias Schuendehuette
Hallo,
nachdem ich gerade die ganze Seite durchgelesen habe, möchte ich doch noch ein paar etwas abweichende Gedanken äußern:
Mir sind die meist etwas abfälligen Bemerkungen zu sog. "kommerziellen" Flugschulen etwas aufgestoßen. Etwas Hintergrund hierzu:
Ich habe mit 41 Jahren nun *doch* begonnen, die PPL-C zu machen (mittlerweile erfolgreich :-), und zwar bei der DASSU in Unterwössen. Und ich muss wirklich sagen, das Konzept begeistert mich jedes mal, wenn ich wieder 'unten' bin.
Dort hat man m.E. die Zeichen der Zeit richtig erkannt (die Startzahlen belegen dies nachdrücklich!) und hat einen richtig schönen Dienstleistungsbetrieb auf die Beine gestellt, der für Leute wie mich, die mehr Geld als Zeit haben (was noch nichts über die absoluten Beträge aussagt), genau das Richtige ist.
Dort ist 7 Tage/Woche Flugbetrieb mit fest eingestelltem Flugleiter, festen und (meistens) freischaffenden Fluglehrern, bezahlten Windenfahrern und Schlepppiloten und halbtags besetztem Büro sowie zwei Angestellten in der Werkstatt. Flugzeugrückholung (mit Elektro(!)-Karren) und Seil-/Starthilfe wird von den Kunden
miterledigt. Aus- und Einräumen wird auch von Kunden wie Angestellten gemeinsam erledigt. Meiner Meinung nach ein guter Kompromiss zwischen 'alles selber machen' und 'alles bezahlen'.
Die DASSU ist ein Verein(!), jedoch mit nur ein paar Mitgliedern (Landesverband Bayern, Stadt Unterwössen, etc.). Dies hält die 'Kommerzialität' in Grenzen, da kein Gewinn erwirtschaftet werden darf, sondern alles Geld reinvestiert wird. Ich finde das eine ausgesprochen gute Organisationsform.
Natürlich ist die Fliegerei dort nicht umsonst, aber ich habe auch nicht das Gefühl, irgendjemandes Gewinne zu maximieren. Ich habe einen recht ansehnlichen Flugzeugpark, wo ich immer auch mal was anderes Fliegen kann. Und Schüler haben die Möglichkeit, z.B. über 'Winde fahren' für etwa 13 DM/h die Kosten einzufangen.
Dort gibt es einen regen Andrang für Gastflüge und Schnupperkurse, so dass auch die Werbung für den Sport nicht zu kurz kommt. Zumal diese Werbung *gleichzeitig* auch für die DASSU gilt - so etwas nennt man wohl eine win-win-Situation....
Ich bedaure es *sehr*, dass es hier im Berliner Umfeld nicht auch einen solchen Dienstleistungsbetrieb gibt.
Es könnte doch auch für einen Hersteller ganz interessant sein, so etwas zu sponsoren. Im Segelboot-Charter gibt es das ja auch, dass Hersteller wie Bavaria
oder Dehler eigene Charterbetriebe führen. In Anbetracht der Preise ja auch verständlich - nur, ein Segelflugzeug erreicht ja auch schon zumindest die *Größenordnung* einer Segelyacht (d.h. 6-stellige DM-Preise).
Oder ein neutraler Betreiber bietet die Möglichkeit, die deutschen Supervögel mit einer LAK17, einer 304CZ oder einer DG303-ELAN zu vergleichen - bestimmt auch nicht uninteressant, zumal die Stundensätze ja auch entsprechend unterschiedlich sein müßten.
Und in ca. 100 km Umkreis der Ballungsgebiete (dort München, hier Berlin) ist ja auch entsprechend liquide Kundschaft hinreichend vorhanden, um einen solchen Betrieb/Verein über Wasser halten zu können.
Dieser Ansatz löst vielleicht nicht unbedingt das Nachwuchsproblem (obwohl in U'wössen reichlich geschult wird), aber hält doch mehr Segelflieger in der Luft, als es herkömmliche Vereine tun.
Und noch ein Wort zur 'Vereinskultur': Leute, die auf einer Frequenz 'funken', finden sich auch in solch einer Betriebsorganisation und wer sich nicht leiden kann, wird sich auch im Verein nicht sympathischer finden - was soll's denn.
Quintessenz des Gedankens:
Ersatz von Zeit durch Geld und Kundenorientierung statt Vereinsvorstand! Sorry - aber *so* bin ich zum Segelfliegen gekommen.
Grüße aus Berlin - Matthias
Hallo,
On 05-Nov-01 Friedel Weber wrote:
> Hello again
>
> Na, das spricht mir aus der Seele, denn so läuft das nun mal heute.
Genau! Ich hab' zwar ein wenig ein ungutes Gefühl wegen der Betonung/Bedeutung des Geldes... für die Kiddies muss man sich da schon noch was einfallen lassen. Aber der Ansatz der Unterwössener, weniger qualifizierte Arbeit auf Stundenbasis zu bezahlen geht wohl schon in die richtige Richtung und ist bestimmt auch noch ausbaufähig.
Letztendlich auch hier eine Umkehrung der Vereinsverhältnisse: Nicht mehr Baustunden sind der Normalfall, die ausnahmsweise durch Geld ersetzt werden können sondern kostendeckende(!) Preise als Normalfall, die 'ausnahmsweise' durch eigene Arbeit de facto gesenkt werden können.
> Darf ich es veröffentlichen?
"Ich bitte doch sehr darum... :-)" - Na klar, deswegen hab' ich's ja geschrieben. Das gilt, wenn nicht ausdrücklich anders festgelegt, für alle meine Mails (inkl. Name und E-Mail Adresse). Ich habe auch erst mal genug Vertrauen, auch Ausschnittszitate zuzulassen, solange sie nicht sinnentstellend sind.
> Always happy landings
Danke, danke. Der Schein ist ja noch ganz frisch (10. Okt. 01).
> Friedel Weber
Ciao - Matthias
PS: Doch, hier noch ein längeres 'PS':
Ich habe die Web-Site ja gerade erst frisch für mich entdeckt und muss doch noch loswerden, wie gut ich sie finde. Ich habe auch eine vage Vorstellung, wie viel Arbeit darin steckt - um so mehr 'Hut ab'!
Diese von Ihnen geführten/moderierten Diskussionsforen stünden auch einem 'segelflug.de'-Server gut an. Besonders, wenn der Moderator vom Fach und auch noch besonders interessiert/kundig ist.
Auch der PR-Effekt ist nicht zu unterschätzen: Für mich beginnt DG gerade, aus der Herstellerschar herauszuragen - um so wichtiger, als dass für mich als (noch) Außenstehender die Produktleistungsfähigkeit nicht (mehr?) *das* Entscheidungskriterium zwischen den Herstellern zu sein scheint.
Ich hab' ja noch nicht viel gelesen, aber die Story über den 5-Punkt Gurt hat mich schon sehr beeindruckt! Nicht nur ein Hersteller, der 'mit sich reden lässt' (s.o.), sondern der *nachvollziehbar* selbst die beste Lösung herauszufinden sucht. Mit den Kunden, mit Unis, LBA, etc... - sehr beeindruckend, wirklich! Oder die Transponder-Diskussion ... ich lern' da wirklich 'ne Menge im Moment.
Sorgen macht mir nur etwas der Segelflugzeugmarkt, aber die ganzen Seiten zu *dem* Thema hab' ich noch vor mir... da kann ich mich ja dann wieder Melden.
Datum: Fri, 16 Nov 2001 14:09:56 +0100
Von: "Teunisse"
Sehr geehrte Herr Weber,
Liebe Segelflieger,
Ihre Sorgen sind berechtigt und die "Pflicht" Segelflugtagen lang.
Halbe Tage oder nur einen Flug mit vorher und nachher eine Stunde beim Flugbetrieb aushelfen oder Material putzen und versorgen sollten möglich sein müssen.
In der kleine Schweiz haben wir die Flugplätze Schänis, Birrfeld und Grenchen mit berufsmäßigen und ganzwöchentlichen Flugbetrieb. Es kostet zwar etwas mehr, aber kein guter Flugtag geht so verloren.
Verschiedene Vereinsplätze haben in der Saison an mehreren Tagen Betrieb, oder eine kleine Gruppe Mitglieder organisieren den Betrieb. So wird das Material besser amortisiert, neben mehr Flugstunden und Streckenflüge. Verschiedene Vereinen/Flugplätze sind sehr bevorzugt mit einem Campingplatz mit extra Duschen, Toiletten, Grill- und Feuerstellen oder sogar einem Schwimmbad und so kommen hier die Familien gerne mit. Weiter bringt eine Gastwirtschaft natürlich mehr Sozialleben und mehr interessierte Besucher.
Der Selbststarter ist natürlich ideal für Vielflieger, individuell oder in kleineren Gruppen. Für den dezentralen Wettbewerb (OCL) auch sehr erfolgreich.
Der Selbststarter- und auch der Turbo-Segler erlauben natürlich eine weitere Dimension im Segelfliegen:
Einen schwachen/schlechten Teil übersteigt man mit dem Motor und fliegt weiter ohne viel Zeitverlust. Bei schönem Hochalpinenwetter überfliegt man das stabile Mittelland und erlebt einen schönen Alpenflug von 8 - 10 Stunden, und am Abend kommt man sicher wieder zum Heimplatz zurück. Diese Techniken erlauben Wander- und Streckenflüge von Süddeutschland in die Südalpen mit Vinon, Aosta, Sondrio, Bozen, Lienz, Nötsch bis Bled.
Natürlich hat die Motorisierungs-Lösung auch seine Probleme, wie:
die Bodenhandhabung mit einem wesentlich schwereren Flieger, längerer Auf- und Abbau wegen der extra Kontrolle des Motors und Wartung. Eines der Hauptprobleme ist der Lärm, ob objektiv oder voreingenommen wegen was für persönliche Einstellung im Umfeld.
Die Lärmschutzanforderungen können wir selber schon etwas vorweg nehmen durch einen lärmarme Abflug:
1) Folgen wir den Schleppvolte und vermeiden Sie Orte und Gebäudegruppen
2) Im Motorsteigflug nie kreisen!
3) Erweiterte Steigflüge über Wälder oder entlang den Autobahn
4) Für Trainingsflüge ohne Wasserballast starten.
Wir wünschen Euch allen schöne Festtage und eine guten Saison 2002
Mit freundlichen Grüßen,
E. T. Peter Teunisse und Familie
Datum: Wed, 24 Apr 2002 12:02:59 +0200
Von: "Dusko H. Ballmer"
Hallo
ich habe Deinen Artikel gelesen und komme nicht herum meine Meinung ab zu geben:
Meine Freundin und ich (beide 35 Jahre) haben letzten Herbst mit dem Segelfliegen begonnen. Ich habe "schon" 10 Flüge hinter mir, meine Freundin noch keinen. Die Theorieprüfung haben wir beide letzen Samstag bestanden.
Die Begeisterung meiner Freundin hält sich in Grenzen. Sie würde eigentlich lieber Motor-Fliegen. Grund: "Da kann ich wieder Gas geben wenn ich einen Fehler gemacht habe."
In der Tat ist es gerade dieser Umstand der mich am Segelfliegen, Motorradfahren, Reiten oder Tauchen fasziniert: Ich darf keinen Fehler machen. Ich muss in einer
Kriesensituation kühlen Kopf bewahren, ich darf mich nicht gehen lassen.
Frauen trauen sich meist zu wenig zu. Die Diskussion, ob das nun in Ihren Genen verankert ist oder die Erziehung sie so macht, überlasse ich anderen. Das ist mir zu
heiss...
Tatsache ist nun mal: Wenn ich mit dem Bugrad abgehoben habe gibt es kein Zurück mehr. Ich liebe das Segelfliegen :o))
Datum: Mon, 18 Nov 2002 22:19:59 +0100
Von: "Peter Ciccardini"
Sehr geehrter Herr Weber
Auch ich stand seit einigen Jahren an so manchen Segelflugplätzen der Schweiz, womit auch meine Herkunft geklärt ist. Nun gerade scheu bin ich nicht, trotzdem hatte ich nie den "Kick" einen Segelflugpiloten anzusprechen, ihn zu fragen wie geht das, besteht die Möglichkeit zu einem Flug usw.? So vergingen ca. 30 Jahre meines Lebens ohne den Segelflugsport. Dieses Jahr liess ich mich von einem Arbeitskollegen, er ist ein Nichtflieger, auf einen Flugfeld schleppen. Fasziniert vom Anblick der Segler und Motorflieger beschlossen wir uns für einen Informationsabend anzumelden. Wochen darnach folgte auch ein Schnupperflug, ich im Segler und mein Kollege im Motorflugzeug. Der Leiter des Informationsabends erkundigte sich wer am Segelfliegen oder am Motorflug Interesse hat. Von den 9 Anwesenden meldeten sich ca. 5 für den Segelflug! Das war's dann auch schon!
Keiner der Verantwortlichen bemühte sich weiter um uns. Mein Kollege wartet heute noch auf die Beantwortung seiner Mails. Potentielle Kunden müssten doch betreut werden. Aber nein, die werden sich ja schon vor Ort melden! Auf diese Art und Weise gehen viele Interessierte diesem Sport verloren.
Trotz dieser Umstände habe ich mich zur Theorie entschlossen. Diese belege ich seit diesem Oktober an einem anderen Ort, dem Internet sei Dank! Die Ausbildung ist nicht an einen Verein gebunden. Meine beiden Theorielehrer haben mich nun für Ihren Verein "abgeholt", wo ich mich sehr wohl fühle. Dort schätze ich auch die Mithilfe an Wochenenden und das Versprechen meines Fluglehrers, an einem Tag mindestens drei Flüge (inkl. Streckenflug) absolvieren zu können. Auch bemerkte er, was darunter liegt führt zu keinem zufriedenen Ergebnis für den Schüler. Mit entsprechendem Einsatz sollte ich mit ein bisschen Glück im Herbst 2003 oder Sommer 2004 meinen "Schein" haben. Somit steht mir nur eine kurze aber intensive Ausbildung bevor.
Übrigens mein Alter, ich zähle jetzt 50 Lenze. Es sind nicht nur die Jungen die abgeholt werden können! Apropos die Jungen, warum geht man mit diesem tollen Sport nicht an die Schulen? In Zürich wird dies durch den Kanton unterstützt. Der Theoriekurs ist für Auszubildende im Kanton Zürich, welche die "Technischen Berufsschule Zürich" besuchen, gratis! Die Übrigen bezahlen einen Beitrag von Fr. 480.- oder ca. Euro 320.- plus Ausbildungsunterlagen von ca. Fr. 100.- oder ca. Euro 65.-.
Mit meinem Artikel ist die Hoffnung verbunden, dass sich die Segelfliegerasse auf dem Flugplatz- oder feld umschauen, interessierte Gäste ansprechen und ihnen diesen einmaligen Sport näher bringen! Zukünftige Flieger sind u.a. auch am Flugfeldrand zu finden!
Während meiner Theorie begleitet mich Ihre Homepage die ganze Zeit. Sie enthält Informationen welche meine Ausbildung optimal unterstützt. Einfach super!!!!!!!
Peter Ciccardini
Von / From: Gernot Rieger
Date / Time: Montag, 5. Mai 2003, 17:23
Betrifft/Subject: Zukunft des Segelflugs?...!!
Lieber K-F!
Dein Aufruf erschien bei uns als Link auf der Homepage unseres Modellfliegervereins!
Genau dort liegen nach meiner Einschätzung die Ursachen und Probleme, nämlich beim Anfang, also beim Modellflug!
Meine Segelflugkarriere begann nämlich genau da und bei vielen anderen auch. So war es selbstverständlich
für mich, nach der Schule ein Luftfahrtstudium anzustreben, was ich dann aus vielen anderen Gründen nicht
beendet habe. Aber die Jahre bei der Akaflieg Stuttgart möchte ich um nichts in der Welt missen! Nach dem
mich mein Fliegerarzt endgültig gegroundet hat, machte ich halt wieder Modellflug. Wie drastisch haben sich
die Bedingungen für uns Modellflieger geändert. Wir kämpfen mittlerweile an so vielen Fronten, dass es kaum
noch Spaß macht! Der Trend zum Fast-Food (Almost ready to fly-Modelle aus Fernost) ist bei uns auch
unübersehbar, keiner von den Youngsters kann und will noch Bauen, aber nur darüber geht's. Aber sei`s drum,
wenn schon jeder Spaziergänger oder Kleingärtner mit einem Lärmpegelmessgerät droht oder jeder Jäger uns als
Störenfriede im Biosphärenreservat ansieht! Wenn ich mir anschaue, was für Probleme unser Vorstand lösen
muss, nur damit ein paar Modell-(Segel!!!)-Flieger am Sonntag nachmittag ein bisschen Spaß haben dürfen.
Ich muss leider sagen, dass der DAEC uns Modellflieger da jahrelang sehr stiefmütterlich behandelt hat, ja
belächelt hat. Nicht umsonst gibt es den DMFV, der jetzt nur die Interessen der Modellflieger wahr nimmt. In
letzter Zeit sind ja Einigungs- und Versöhnungstreffen gelaufen, ein richtiger und notwendiger Schritt in
die richtige Richtung.
Mein Resumee: Fördert die Modellfliegerei, vereinfacht den Bürokratismus, macht Schluss mit der
Männerclübchen-Mentalität (manch einem Verein täte mal eine richtige Emanze gut!) und vor allem zieht alle an
einem Strang, nur so kann's gehen.
Mit (veraltetem) aber immer noch gültigem Fliegergruß:
Holm- und Rippenbruch!
Gernot
Ja, auch ich selbst bin über die Modellfliegerei erst zum PPL und dann zum Flugzeugbau gekommen.
Aber was sollen wir als Hersteller da ausrichten?
Nachdem ich mich durch sämtliche Beiträge zu ihrem Thema durchgelesen habe, möchte auch ich hier meine Meinung dazu schildern.
Zuerst will ich einmal kurz meine Ausgangssituation schildern. Vorbelastet bin ich in sofern, als das mein Patenonkel ihr Chefkonstrukteur ist. Ich selbst bin mit 14 Jahren zur Segelfliegerei gekommen. Auslöser dafür war das Probefliegen einer DG-500 in Babenhausen ETEF, anno dazumal in 1995. Dank familiärer Unterstützung wurde vereinbart, dass ich von einem Vereinsmitglied mitgenommen wurde. Bis dato war mir der Platz und damit der Verein völlig unbekannt! Nun war ich einmal da und machte kurz vor Sunset noch einen wunderschönen Flug. Hinterher wurde ich vom Piloten angesprochen, ob ich den nicht Interesse an einem Schnupperlager hätte. Gesagt getan, im Sommer 1996 war es soweit (damals noch 13), ich machte mein erstes Fliegerlager mit. 1997 bin ich dann eingetreten.
Erste Erkenntnis daraus: vielfach kriegen es die meisten gar nicht mit, dass in ihrer Nähe ein Fluggelände und ein Verein existieren, die eine Ausübung dieses wunderbaren Sportes ermöglichen!
Im weiteren will ich kurz auf die Entwicklung innerhalb unseres Vereines von 1997 bis heute eingehen.
Anfang 97 bestand die Jugend aus etwa 8 Piloten, allesamt männlich. Segelfliegerinnen gab es nur eine einzige. Heute, 2003, umfasst unsere Jugend etwa 18 Piloten, davon 5 weiblich. Altersmäßig ist von 14 bis 20 Jahren alles vertreten. Bei einer Vereinsstärke von 150 aktiven Mitgliedern stellt die Jugend schon mehr als 10% aller Piloten!
Wie kam es dazu? Durch jährlich stattfindende Fliegerlager an Ostern und in den Sommerferien haben wir es geschafft, ausreichend Interessenten zu
gewinnen. Natürlich gehen Schnupperflieger nicht 1:1 in Vereinsmitglieder über. Bei uns liegt die Quote etwa bei 2 zu 1. Von 2 Schnupperfliegern bleibt 1 „hängen“. Erfreulich ist, dass so viele Mädels dabei sind. Womit wir schon beim „aber“ wären. Die meisten Interessenten werden noch aus dem persönlichen Umfeld der meisten Mitglieder rekrutiert. Gänzlich Fremde zu erreichen gelingt nur äußerst schwer, trotz Zeitungsartikeln mit Hinweisen zur Website des Vereins. Meist vor allem deswegen, weil bei den meisten Fluginteressierten, die keinen Kontakt zu einem aktiven Segelflieger haben, viele Vorurteile zu finden sind.
An allererster Stelle: Fliegen ist teuer! An dieser Stelle möchte ich kurz darauf hinweisen, dass ich parallel zum Flugsport noch bis vor kurzem Karate und Leichtathletik gemacht habe. Sie glauben gar nicht, wie - auf gut deutsch - schweineteuer solche Sportarten sind!
Eine kleine Beispielrechnung: Bei meinem Karateverein zahlte ich im Jahr 480 Euro Mitgliedsgebühren, 30 Euro für jeden weiteren Lehrgang (und einen solchen sollten sie alle 3 Wochen belegen!). Dazu kommen noch Prüfungsgebühren und nicht zu vernachlässigende Ausrüstungsgebühren. Pro Saison verfliege ich zwischen 500 und 700 Euro. Im Vergleich geradezu spottbillig!
Zweite Erkenntnis: Aufklärung tut Not! Durch umfassende Infos lockt man neue Interessenten! Gehen sie mal in einen Verein und fragen sie die Leute, wie sie zur Fliegerei gekommen sind. Fast jeder ist mal „irgendwann mitgenommen worden“ oder durch persönliche Kontakte zum Verein gekommen.
Wie sie lesen, ist es unserem Verein gelungen, Jugendliche anzusprechen. Da ich bis vor kurzem noch selbst dazu gehörte, will ich mal ein paar Gedanken aufgreifen, die ihnen bereits zugesandt worden sind.
Als ich den Beitrag, in dem mangelndes „Risiko“ (Nervenkitzel) als Grund für wenige Jugendliche gelesen habe, konnte ich nur den Kopf schütteln. Tut mir leid, in meinen Augen ein völliger Schwachsinn! Den Aspekt der mangelnden „Telegenität“ unseres Sportes mag noch gelten, aber dass Jugendliche heute vor allem nach dem „Todeskick“ suchen, ist ebenso ein Vorurteil wie jenes, dass sich meine/unsere Generation durch Bock- und Interesselosigkeit auszeichnet. Klar steht Spaß im Vordergrund, das besondere Erlebnis wird gesucht. Aber genau das findet man auch im Segelflug, die meisten wissen es nur nicht!
Ebenso möchte ich auf einen anderen, für mich bedeutenden Aspekt eingehen, der im Zusammenhang mit dem „Zeitproblem“ steht.
Vielfach wird bemängelt, dass unser Sport zu zeitintensiv sei. Mag sein, auch bei uns gilt die Regel: wer fliegen will, muss morgens mit ausräumen, aufbauen und beim Betrieb helfen! Eine Ausnahme gibt es für Scheininhaber, die später kommen, die Leistungsmaschinen aus dem Hänger holen, zusammenstecken und dann fliegen. Flugschüler müssen jedoch dabei sein. Da mögen sie oder andere jetzt sagen, „ja, das schreckt doch potenzielle Interessenten ab“. Mag sein, aber wollen sie jemand dabei haben, der um 11 kommt, vielleicht gerade noch seinen letzten Brocken Frühstück runterschluckt, in die Maschine steigt, fliegt, den dreckigen Flieger nach der Landung stehen lässt und dann wieder heim düst? Ich nicht!
Was unseren Sport auszeichnet, ist ein ausgeprägtes Gruppengefühl! Ohne die Hilfe des anderen und das Vertrauen auf dessen Fähigkeiten läuft n nichts. Das zeichnet uns aus, das hebt uns ab von den anderen beliebig austauschbaren Extremsportarten, bei denen das Wir-Gefühl fehlt. Genau das suchen aber Jugendliche heutzutage. Für manche ist da ein Verein mit einer funktionierenden Jugend schon eine Art zweite Familie. Ich finde, man darf das Segelfliegen auch nicht zu sehr anbiedern. Es ist eben anders als Fußball, Tennis und Co. Für Familienväter/ und -mütter mit mangelnder Zeit bleibt nach der Durststrecke als Schüler die Lösung, wie ich sie oben beschrieben habe.
Dritte Erkenntnis: Die Eigenheiten unseres Sports können auch Vorteile sein. Es kommt auf den Standpunkt an!
Sie sprechen das Thema Baustunden und Rückholen an. Zum ersten wurde bereits richtig erkannt, dass man beim Reparieren einen viel bessern Bezug zum Material bekommt und es pfleglicher behandelt. Außerdem wird die Vereinsarbeit auch über den Winter weiter geführt, man trifft sich regelmäßig auch an den Tagen, an denen eben nicht geflogen wird Ein Plus für das Wir-Gefühl! Bei uns ist das Thema so geregelt, dass jeder 50 Stunden zu leisten hat (durch schriftlichen Nachweis zu erbringen). Wer unter 50 arbeitet, muss zahlen. Wer mehr als 50 arbeitet, kriegt bis zu 30 Mehrstunden auf sein Flugkonto vergütet. Das reizt die Jugend!
Rückholen per Hand steht eigentlich außer Frage. Die Abläufe bekommt man mit, man achtet mehr auf die Sicherheit (wo darf ich mich bewegen, wo muss ich immer hinschauen...), die Gemeinschaft ist aktiv und häufig ist es auch viel schneller. Ein motorisiertes Verfahren steht da auch gegen die Umweltverträglichkeit unseres Sportes.
Trotz alle dem gibt es auch in meinem Verein einige Kritikpunkte. Ich finde es z.B. immer wieder schade, wenn Gastflieger kommen (also Nichtflieger, die einen Gastflug gebucht haben) und vernachlässigt werden. Das fängt damit an, dass man nicht auf sie zugeht und direkt anspricht (ein Tipp für alle, es sind meistens die, die noch relativ helle Haut haben und ein wenig planlos wirken ;-)) Es geht weiter mit dem Hinweis, dass erst die Vereinsschüler dran seien, und das könne noch ne Stunde dauern, bis die alle durch sind bis zum fehlenden Flyer mit kompakten Infos rund ums Fliegen, den man dem Gast direkt nach der Landung in die Hand drückt. Hier kann noch viel getan werden!
Wichtig ist auch die Darstellung in den Medien. Leider kommen die meisten Vereine vor allem dann in die Schlagzeilen, wenn ein Flieger verunglückt. Es muss umgekehrt sein! Ein erfolgreiches Fliegerlager verdient einen Artikel (dafür gibt’s bei uns einen Pressereferenten), ein Flugtag muss vorher groß angekündigt werden. Plakate und Infostände müssen in die Schulen. Da steckt noch viel Potenzial!
Sie sehen, ich beurteile die Zukunft unseres Sportes nicht allzu düster, denn es wird immer Menschen geben, die den Traum vom Fliegen haben. Wie viele das sind, darauf haben wir kaum Einfluss, ob sie diesen Traum aber umsetzen können, liegt ganz in unserer Hand!
Always happy landings
Martin Rost
Betreff: Zukunft des Segelflugs in Deutschland
Sehr geehrter Herr Weber,
ich habe mit großem Interesse die ganzen (!) bisherigen Antworten auf ihren Artikel gelesen. Die rege Diskussion um diesen Thema ist schon beinahe unglaublich. Die Länge der einzelnen Briefe zeigt, wie wichtig das Thema dem jeweiligen Verfasser ist. Und ich stimme vielen Verfassern bedingungslos zu und will ihre Argumente nicht noch mal wiederholen. Dennoch möchte auch ich noch etwas dazugeben. Einen Erfahrungsbericht von der anderen Seite. (obwohl sich kaum noch jemand bis hierher durchgelesen haben wird)!
Ich bin nämlich einer derer, um den es in ihrem Artikel geht. Ein gerade noch Jugendlicher der sich wahnsinnig für das Fliegen interessiert und potentielles Mitglied eines Flugvereines wäre. Nur bin ich die andere Seite. Denn soweit ich mich durch die Artikel durchgewühlt habe, sind bei ihnen nur die Leute vertreten, die Pilot sind, oder es in nächster Zeit werden. (Ist egal ob Segelflug, Drachenflug, Gleitschirm oder Motorflug). Meine „Flugerfahrung“ beschränkt sich dagegen auf insgesamt 4 Flügen in meinem gesamten Leben. Und dass, obwohl ich dermaßen vom Flugvirus befallen bin, dass es kaum noch eine Hoffnung auf Heilung gibt. Auch bin ich kein Mitglied in einem Verein. Bevor ich nun zu den Gründen komme, die mich von der weiteren Ausübung dieses „Hobbys“ abgehalten haben, ( - ür mich ist es mehr eine Bestimmung oder eine
Lebenseinstellung -) möchte ich nähere Angaben zu meiner Person machen:
Ich bin 25 und bin jetzt über einem langen zweiten Bildungsweg über Hauptschule, Berufsschule und Berufsoberschule endlich in den letzten theoretischen Semester an der Fachhochschule angelangt. Sprich: Ich bin ein fast fertiger Student auf einer technischen Hochschule in Bayern. Wann das genau mit dem Interesse an der Fliegerei angefangen hat weiß ich nicht mehr, das liegt über 16 Jahre zurück. Inzwischen hab ich unter anderem durch solch umfangreichen Internet Seiten wie die Ihrige schon ein wenig Einblicke in die Technik, Theorie und die Gesetze des Fliegens gewonnen. Im Regal stehen so viele Bücher und Hefte über Flugzeuge etc., dass mit deren Kosten vermutlich einen PPL-C schon hätte finanziert werden können, doch ohne praktische Erfahrung ist das nichts wert.
Zwei der Flüge die ich mitgemacht habe, haben mich wahnsinnig begeistert und zwei der Flüge haben mich von noch mehr abgehalten. Der erste Flug war ein Motorflug (Cessna) und ist lange her. Der zweite Flug fand in einer ASK 21 statt und hat mich erst richtig begeistert. Fast 2 Std. freies dahin gleiten, über die ganzen Welt blicken, und eine dreiviertel Stunde durfte ich den Steuerknüppel übernehmen und bestimmen, wo es hingehen sollte. Währendessen hat, wie ich heute weiß, der Pilot hinter mir das Flugzeug über die Trimmung weitergeflogen. Etliche Jahre später hab ich für über 200 DM einen Kunstflug in einer russischen Jak (Jak 52 ?) mit einem deutschen F-4 Phantom Piloten gemacht und dabei meinem ersten Rempler erfahren müssen. Mir wurde mit einer Überheblichkeit begegnet, die sämtlichen Wissensdurst im Keim erstickte. Trotzdem hat es mich nicht um die 200 DM für 20 min Flug gereut, obwohl eine Achterbahnfahrt spektakulärer und dabei wesentlich billiger gewesen wäre. Und die Sache mit der Arroganz hab ich mir später so erklärt, dass er bestimmt den Flugfunk abhören musste und mit den Checks vor dem Start schon genug im Kopf hatte. Da musste ich mit meinen Anfängerfragen schon störend gewirkt haben.
Doch der vierte Flug ein oder zwei Jahre später hat mir bis jetzt gereicht. Nach dem studieren des Wetterberichtes (instabile Luftschichten nach Einzug von kühlerer Luft im Spätsommer mit Cumuli!) telefonischer Erkundigung, ob denn Gastflüge möglich seien, kam ich am Flugplatz an mit dem festen Vorsatz, diesmal nicht gleich mit Fragen über den Piloten hereinzustürzen. Alle Piloten (und eine Pilotin) saßen draußen im Sonnenschein beim Kaffee. Bei der anschließenden Diskussion, wer denn fliegen muss (!) ging mir nur durch den Kopf, dass Fliegen eine gewaltige Strafe sein muss. Na ja, einer hat sich erbarmt.
Sehr schön, wieder die ASK 21! F- Schlepp, ausklinken, 1. Kurve. Geradeausgleiten. Variometer spricht an.
Herrlich, jetzt geht’s bestimmt gleich ab, der Bart ist gefunden! Pilot schaltet Ton ab. Na ja, der helle
fiepende Ton vom E-Variometer kann auf Dauer schon nerven, denk ich mir.
2. Kurve. Geradeausflug. Kennt er noch ne bessere Stelle? Störklappen. Was soll das denn?
3. Kurve. Anschließende Platzrunde - Abschließende Landung. Danach weiter Kaffee trinken.
Ich weiß nicht mehr, wie deutlich mir die Enttäuschung im Gesicht stand. Ich wollte nicht weiter stören, also bin ich gleich nach dem Bezahlen gegangen. Und seither wollte ich auch sonst nicht mehr weiter stören.
Seither beschränke ich mich wieder auf die Theorie. Dabei erfahre ich immer mehr, dass die „grenzenlose Freiheit über den Wolken“ auch nicht existiert, schon gar nicht in Deutschland. Und die kurze Zeit, in die dort oben „all Kummer, alle Sorgen verloren gehen“ kann, ist spätestens dann vergessen, wenn einem der Boden der Tatsachen wieder hat.
Aber neulich bin ich wandern gewesen. Auf dem Weg war auf der Karte ein mir bisher unbekannter kleiner Segelflugplatz und irgendwie hat´s mich halt dorthin gezogen. Um sieben Uhr früh in der Kühle des Morgens hab ich nicht damit gerechnet jemanden anzutreffen, ich wollt halt einfach nur mal kucken. Es standen Bänke rum und eine kleine Pause tat auch ganz gut. Nach einer Weile kam zu meiner Überraschung ein freundlicher
älterer Fluglehrer auf mich zu und wir haben uns prächtig unterhalten. Das Segelflugzeug für Schulungszwecke, das er mir dazu auch noch zeigte war zwar nicht so modern und konnte bei weitem nicht mit einer ASK 21 oder Grob 103 mithalten, aber auf die Menschen und nicht auf die Maschinen kommt es an! Mal sehen, vielleicht mach ich nach dem Studium doch meinen Schein. Und obwohl es bei den Preisen fern jeder Realität ist, so stell ich mir doch vor, wie ich im angegrautem Alter in meiner eigenen alten DG-1000 einen kleinen Pimpfen auf dem Rücksitz hab, der total begeistert ist, dass er auch mal das Steuer übernehmen darf. Aber selbstverständlich behalt ich über die Trimmung die Kontrolle...
kleinerlufti
Sehr geehrter Herr Weber
Da die Gründe für fortschreitenden Verfall der Vereine bereits ausführlich diskutiert und professionell analysiert wurden erspare ich mir meinen persönlichen "Detailbericht" meiner Erfahrungen. Mich würde interessieren ob das Bewusstsein über das Sterben der Vereine bei den Vereinen schon gefruchtet hat?
Gibt es irgendwelche Vorstöße - außer von ihrer Seite - mit diesem Thema umzugehen. Sind die Deutschen Segelflieger nicht in einem Dachverband organisiert dem dieses Thema unter den Fingernägeln brennen müsste? Auch wenn es nicht zynisch klingen soll, aber aus meiner Sicht eines jungen erwachsenen flugbegeisterten Nichtfliegers (wegen bekannter und genannter Umstände) gehören Segelflieger einer Aussterbenden Spezies an über welche die gesellschaftliche Evolution eigentlich schon entschieden hat.
Es freut mich immer wieder jemanden zu treffen mit dem man sich nur über das Thema Segelflug überhaupt unterhalten kann. Speziell bei den Jugendlichen in meinem Umfeld besteht nicht nur Unsicherheit über "ihre Gattung", sondern man kommt sich vor wie der Märchenonkel der Geschichten von Drachen und Rittern erzählt. Haben sie eine Vorstellung davon wie wenig junge Menschen heute über das Fliegen wissen?
Angefangen bei Vorstellungen über die Größe (so drei Meter bis fünf Meter breit) bis zur Tatsache, dass ihr Auftritt in den Medien soo spärlich ist, dass die wenigen, die wussten was ein Segelflugzeug ist, (immerhin) davon ausgingen, alle diese Teile müssten doch einen Klapprotor oder Düsenantrieb haben. Daher ist Segelflug ja auch ein extrem umweltfeindliches Hobby!! Es stimmt schon, dass man diesen Wissensstand als bedrohlich betrachten muss. Die Frage ist aber viel eher ob er nicht trotzdem repräsentativ ist.
Aber klar, wenn sie ihre Kiddys fragen, dass die was vom Segelfliegen wissen. Weitergedacht: Wissen eigentlich deren Klassenkameraden da auch noch was von, oder gar aus einer Parallelklasse oder anderen Stufe? Dieses Bildungsniveau ist mit Sicherheit nicht ein Problem das sich die Hersteller oder Segelflieger alleine ans Bein binden müssen; es zeugt auch von den allgemeinen Bildungsproblem unserer Gesellschaft. Allerdings sollten gerade die Vereine sich dem Ernst ihrer Situation bewusst werden. Sonst sind sie bald genauso tot wie die Modellflugvereine. Die haben vor zehn Jahren nämlich auch gepennt. Das wird ihnen damit quittiert, dass sie bald ihre Plätze verlieren und sich sogar ihre Industrie von klassischen Modellfliegern abwendet und KAUF-FLIEG-FREU-SCHMEISSWEG-Produkte zu Hauff auf den Markt wirft. Die sind schon ausgestorben! Bald seid ihr Segelflieger dran!!
Ich träume bis heute von einem Segelflugschein, aber so wie es sich darstellt, werden mich zeitliche Gründe (nicht nötig zu erwähnen, dass ich nicht weiß, wo in meiner Nähe überhaupt ein Verein existiert....) auch weiterhin davon abhalten, auch wenn ich mit Sicherheit einmal meinen "Hintern an den Himmel" bekomme, womit auch immer....
Wie auch immer soll dieser Brief keine Anklage gegen Sie, Ihre Firma oder die Segelflieger im allgemeinen sein und hoffe, er erweckt auch nicht diesen Eindruck, ich glaube nur in ihrer Peson für diese Gedanken den richtigen Adressaten zu finden, der über ein Publikum und die Verbreitungsmöglichkeiten verfügt, meine (unbedeutende) Meinung überhaupt sinnvoll weiterzutragen.
Die Seiten der DG sind meiner Meinung nach übrigens schon vorbildlicher Vorreiter auf diesem Gebiet und ich hoffe, dass wegen des exponentiellen Besucherwachstums und des damit verbundenen Traffics die Seite in ihrer jetzigen Form und Größe noch lange erhalten bleiben kann!
In diesem Sinne mal ein Gruß von der "anderen Seite" an alle Segelflieger und Flugbegeisterten und natürlich
"Always Happy Landings!"
Ihr kleiner Lufti
Herzlichen Glückwunsch, dass Sie sich bis hierhin vorgearbeitet haben. Nun gibt es aber noch einen zweiten Teil mit Zuschriften ab 2004. Bitte lesen Sie hier weiter!