Das folgende Gespräch mit Friedemann Küster führte der Veranstalter nach seinem Flug am achten Wertungstag.
Ob am neunten noch geflogen werden würde, war zu diesem Zeitpunkt noch ungewiss.
Friedemann Küster lag bislang in der 18 m Klasse auf dem dritten Platz und konnte gestern Bruno Gantenbrink und Claus Mühlenkamp überrunden, so dass seine Chancen gut stehen, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Bei der DM '98 wurde er Vizemeister. Auch ist er Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft. Ansonsten lässt ihm sein Beruf nicht allzuviel Zeit zum privaten Fliegen. Beruflich führt er einen Airbus 320 der Lufthansa - von dem er sagt, das sei der schönste Arbeitsplatz, den er sich vorstellen könne. Gelegentlich gönnt er sich einen Abstecher nach Südfrankreich, nach Serres oder St. Auban, um in den Alpen zu fliegen.
Das Wettbewerbsfliegen ist Leistungssport. Der Wettbewerb ist eine Herausforderung, bei dem es Spaß macht, abends in der Gemeinschaft zu vergleichen, wie man 'rumgekommen ist, was gut gelaufen ist, ob der andere etwas besser gemacht hat.
Auf so einem Wettbewerb musst Du leider abends nach der Rückkehr sagen: "Ich war im Spreewald oder über Frankfurt an der Oder." So richtig Zeit, die Landschaft dabei zu sehen, hast Du nicht. Das ist leider so, aber dafür ist der Wettbewerb auch keine Sightseeing-Tour, sondern eine sportliche Herausforderung. Für das Sightseeing-Erlebnis ist das Alpenfliegen das richtige.
Ja, man muss dort sehr gute Ortskenntnisse haben. Alpenflug und Streckenfliegen sind zwei Welten. Ich musste auf den Wettbewerben auch erst wieder lernen, thermisch nach Wolken zu fliegen. Das ist hier eine ganz andere Fliegerei.
Ich fliege mit einigen Leuten zusammen. Ein richtiges Team ist das zwar nicht, aber wir helfen uns gegenseitig. Wir starten immer zusammen mit dem DG - Wilhelm Dirks, der Konstrukteur meines Flugzeugs. Dann sind dabei Wolfgang Schindelmeiser mit der S7, Peter Zander, Jan Krüger (JAN) und Ernst-Otto Dumke (ZY). Wir tauschen nützliche Informationen aus. Man gibt den Leuten hinter sich Informationen, wie gut die Bärte sind. Aber auch von anderen Wettbewerbsteilnehmern vor mir habe ich durchaus Hilfestellung über die Wetterbedingungen erhalten.
Nein, ich bin ja hier ein no name; keine Koryphäe in dem Sinne. Ich versuche einfach, beim Fliegen keine Fehler zu machen. Moralisch fühle ich mich auch nicht auf dem ersten Platz. Wenn hier einer durchgehend souverän geflogen hat, dann war es Bruno Gantenbrink. Du brauchst nur die 700 Punkte hinzuzurechnen, die er gestern erzielt haben würde, wenn er nicht den Punkteabzug bekommen hätte. Dann läge er weiter eindeutig an erster Stelle.
(Anmerkung: Er wurde in der Tageswertung wegen einer Luftraumverletzung auf 0 Punkte gesetzt.)
Es gab vielleicht ein oder zwei Tage, an denen man größere Aufgaben hätte fliegen können. Tatsache ist, dass wir oft hier in Lüsse bei schwacher Thermik herum geeiert sind. Erst nach dem Abflug ging es bärenstark los. Oft baute sich das Wetter erst im Laufe des Tages mit guten Steigwerten auf. Ich habe noch nie einen Wettbewerb erlebt, an dem so gute Schnitte geflogen wurden wie an diesem. Ich lerne allerdings, dass auch hier Ortskenntnisse von Nutzen sind. In den letzten Tagen habe ich durchaus auch Umwege gemacht, in der Hoffnung, über thermisch besseren Gebieten zu fliegen.
Es ist Klasse hier - ein toller, großer Platz. Alles läuft sehr gut und ist bestens organisiert. Das Drumherum ist ein bisschen anstrengend. Ich bin als Einzelkämpfer alleine hier. Jeden morgen den Flieger alleine aufbauen, da bleibt dann keine Muße vor dem Start. Gott sei dank gibt es Tage mit Startverzögerungen, an denen man noch eine Pause einlegen kann. In den ersten Tagen ging's ja hinter einander weg: Aufrüsten, zum Start schieben, in die Kiste und los ging's. Ich hab den Flieger ganz neu und hier meine ersten Starts gemacht.
Ich habe früher eine ASW24 15 Meter Klasse mit Motor gehabt. Berufsbedingt muss ich sicherstellen, dass ich bei einem Streckenflug auch am selben Tag wieder nach Hause komme - und nicht erst einen Tag später. Die 15 Meter Motorisierung ist mehr oder minder gestorben. Letztendlich ist für die motorisierten Flieger die 18 m Klasse die optimale Klasse.
Ich liebe die ASH 25 - das ist der einzige Flieger, den ich in der Offenen Klasse kenne. Danach kann man auch süchtig werden. Aber das Handling am Boden ist doch sehr aufwändig und nicht für mal eben bestimmt. Es ist die ästhetischste Form der Fliegerei, mit dem Langohr durch die Gegend zu gleiten.
Dazu muss ich sagen, dass mittlerweile die Technik ausgereift und auch die Wartungsfreundlichkeit sehr hoch ist. Natürlich kann man sich nicht nur 'reinsetzen. und den Motor ausklappen. Im Winterhalbjahr braucht er seine Wartung. Es sagte mir mal der Peter Krämer: "Mach' so wenig wie möglich daran, dann passiert auch nichts." Das hat sich auch bewahrheitet. Ich hoffe, das wird auch bei der DG-808C so.
4 - 5 m sind da durchaus normal.
Nein, das macht keinen Unterschied. Außer vielleicht, dass ich Wasserballast spare. Da ich gerne im Frühjahr in Südfrankreich fliege und es dort für Wasserballast noch zu kalt ist, hilft das zusätzliche Gewicht des Motors. Jeder Flieger mit Spannweiten größer als 15 m ist ohne Ballast eigentlich zu leicht. Mit dem Motor hat der Flieger genau das richtige Gewicht.
Meist für 4 oder 5 Tage. Wenn ich weiß, ich komme in einigen Wochen zurück, lasse ich den Flieger da stehen.
Ja - die ich aber bisher vernachlässige - ich habe mal Musik studiert. Da würde ich gerne wieder mehr machen.
Ja, ganz gut; hinter mir lag TT, Claus Mühlenkamp, der hat heute Pech gehabt. Er musste den Motor anwerfen. Ich muss morgen halt die richtige Mischung aus Strategie und Taktik anwenden und darf keine Fehler machen.
Ich wäre enorm stolz! Wobei, moralisch hätte ich mich wohler neben Bruno Gantenbrink gefühlt, der nur gestern einen Ausrutscher hatte. Da muss ich sagen, Hut ab. Das hat er toll gemacht.
Nachtrag:
Der letzte mögliche Wertungstag am Freitag wurde inzwischen neutralisiert; nach der vorläufigen Gesamtwertung belegt Friedemann in seiner Klasse den ersten Platz!
Diese Meisterschaft wurde wieder zu einem großen Erfolg der Piloten mit DG-Maschinen, was man nicht nur am 1. Platz von Ralf Fischer und am 3. Platz von Friedemann Küster sieht. Wilhelm Dirks, der ebenfalls teilnahm, schrieb den folgenden Kurzbericht:
Die Meisterschaft war ein großer Erfolg für die Piloten und DG Flugzeugbau.
Die Leistungfähigkeit der DG-800 konnte eindrucksvoll bewiesen werden.
1. Platz Ralf Fischer DG-808B
3. Platz Friedemann Küster DG-800B
5. Platz Dirk Ölgemüller DG-800S
10. Platz Martin Staiger DG-800S
Die Highlights:
Von 9 Wertungstagen konnten DG-800 Piloten an 4 Tagen den Tagessieg erringen:
3. Tag Uwe Wiedow DG-800S
5. Tag Friedemann Küster DG-800B
6. Tag Wilhelm Dirks DG-808B
9. Tag Friedemann Küster DG-800B
Der Flug von Uwe Wiedow wurde auch mit dem Pokal für den schnellsten Flug des Wettbewerbes belohnt: 114,5 km/h.
Zu bemerken ist noch, dass Dirk Ölgemüller das erste Mal an einer deutschen Meisterschaft teilnahm und fast den ganzen Wettbewerb lang auf dem 2. Tabellenplatz lag.
Drei der Flugzeuge (Claus Mühlenkamp, Friedemann Küster und Wilhelm Dirks) waren übrigens schon mit einem Rettungssystem ausgerüstet - der NOAH-Notaustiegshilfe von DG Flugzeugbau. Zum Glück kamen die Systeme nicht zum Einsatz! Die Zulassung des NOAH durch das LBA erfolgte noch vor dem Wettbewerb am 4.8.2002
Mit Fliegergruß
Wilhelm Dirks
DG Flugzeugbau GmbH