Nach vielen Urlauben mit meiner DG-400 und DG-800B in Vinon sind wir im Mai 1998 zum ersten Mal nach Slowenien gefahren an den Flugplatz Lesce in der Nähe des bekannten Badeortes Bled. Hier trafen wir wirklich überraschend gute Bedingungen an, so dass ein solcher Urlaub auf diesem Wege wärmstens empfohlen werden soll und inzwischen 11 (elf!) mal wiederholt wurde:
Man erreicht Bled von Kärnten/Österreich aus mit einer kurzen Fahrt durch den Karawanken-Tunnel. Von München aus fährt man mit Anhänger etwa 4 Stunden über die Tauern-Autobahn. Der Ort liegt wunderschön an einem See am Fuße des höchsten Berges der Karawanken, des Hochstuhls mit 2.300 Metern. Nicht nur für Flieger bietet die Gegend viele Möglichkeiten, sondern auch für mitreisende Familienangehörige. Zum Wandern gibt es ebenso Möglichkeiten wie zu Besichtigungen nach Ljubljana oder zu den größten Tropfsteinhöhlen Europas bei Postojna. Die Bedingungen für Segelflüge waren absolut super!
Am Platz gibt es zum Schleppen zwei Piper Pawnee und zwei Piper Cup, auf die ein DG-808C-Pilot natürlich nicht angewiesen ist. Man steigt am Hochstuhl auf Gipfelhöhe und dann geht es Richtung Österreich, durch das Gailtal und danach weiter nach Westen bis in die Schweiz oder nach Nordwesten in die Hohen Tauern bis nach Oberbayern. Wunderschöne Ausblicke auf den Großglockner (3.800 Meter) und andere verschneite Gipfel!
Haben Sie schon mal in Ihrem Segelflugzeug an einem Tag fünf Länder durchflogen?
Ich auch nicht, aber es hätte nicht viel gefehlt:
Slowenien, Oesterreich, Deutschland, Schweiz, Italien!
Bemerkenswert fand ich, dass man zwar wie in Frankreich immer im Hochgebirge fliegen kann mit atemberaubenden Ausblicken, dass aber in den sehr tiefen Tälern am Boden immer Landwirtschaft betrieben wird und damit überall Außenlandefelder gegeben sind. Das ganze Gailtal ist ein einziges Außenlandefeld! Das führt sicherlich zu weniger Stress als in den französischen Alpen. Außerdem waren viel weniger "Kollegen" unterwegs, so dass die Gefahr von unerwarteten Begegnungen ebenfalls geringer ist. Das Wetter war zuerst phantastisch. Jeden Tag Basishöhen zwischen 3.000 und 3.500 Metern und der höchste gemessene Steigwert auf dem Integrator war immerhin 6,2 m/Sek.
Da kommt schon Freude auf!
Während ein paar Tagen mit weniger gutem Wetter in der zweiten Woche kamen dann Besichtigungen dran. Geradezu unglaublich war die Freundlichkeit der Menschen in Slowenien, die alle entweder gut Deutsch oder Englisch sprechen. Eine Episode:
In der zweiten Woche konnte ich es ja nicht lassen, wieder im Internet zu surfen und bat im Büro, ob man dort vielleicht einen Anschluss habe, den ich benutzen könne. Ich wurde in das Büro des "Direktors" verwiesen, der gerade Mittagspause hatte und den ich gar nicht kannte. So saß ich denn an seinem "heiligen Schreibtisch", als er zurück kam und etwas überrascht schaute. Statt mich nun aber hinaus zu werfen, drehte er nur den Bildschirm um, so dass ich weiter surfen sollte, während er arbeitete, nahm das angebotene Geld für die Telefonkosten nicht an und forderte mich statt dessen auf, einmal in einer der riesigen Antonov-Doppeldecker mit zu fliegen, die am Platz ständig damit unterwegs waren, Fallschirmspringer abzusetzen!
(Übrigens gibt es inzwischen (seit 2005) einen Breitbandanschluss zu nutzen kostenlos für Jedermann!)
Abends saßen wir meist in Internationaler Runde zusammen:
z. Bsp.: Drei Deutsche, vier Slowenen, zwei Amerikaner, ein Schweizer - herrlich!
Am Flugplatz gibt es nicht nur ein ausgezeichnetes Restaurant sondern auch fast alle Arten von Luftsport: Segelfliegen, Motorfliegen, Fallschirmspringen und Modellflug.
Es war immer etwas los! Und dabei ging alles schön familiär und unbürokratisch zu. "Lesce-Info" war immer in Aktion und gab individuelle Wetterberichte heraus.
Nur das Preisniveau in Slowenien, das am Anfang etwa 30% unter dem deutschen lag, hat sich mit zunehmendem Wohlstand im Lande an unsere Verhältnisse angeglichen. Es gilt überall der EURO.

Am letzten Tag nach dem Abbauen der Maschinen wurde schließlich noch die Einladung wahr gemacht: Ein Rundflug mit der AN 2 auf dem Sitz des Copiloten.
Das sind Steuerkräfte !!!
Wie einfach fliegen sich doch dagegen unsere Segelflugzeuge.
Aber es war schon ein besonderes Erlebnis!
Liebe Kollegen in Lesce: Wir kommen wieder! Bestimmt!
Nächstes Jahr!
Und der Platz hat auch eine Internet-Seite mit vielen Informationen
und Links zu Berichten über Bled und die Umgebung. Schauen Sie mal herein!
- friedel weber Mai 1998 -
(...... und inzwischen sind wir schon zum 11. Mal hier! Dieser Artikel hat eine Reihe weiterer Piloten hergebracht. Man bezeichnete den obigen Bericht deshalb als "infektiös".
Leider hat sich noch keine Initiative gebildet, aufgrund meiner "Sales Promotion" mir meine Landegebühren zu erlassen.
)
Betreff: Urlaub Slowenien 98
Datum: Sun, 20 Sep 1998 20:24:24 +0200
Von: Wieneke
Hallo Ihr Lieben, heute war es wieder klasse! Morgens um 10 Uhr standen die Lentis wie im Bilderbuch; um 11 Uhr fragte ich ich einen einheimischen Piloten, wo denn die Segelflieger vom Club blieben. Achselzucken, "vielleicht in der Kirche"... In der Höhe war es eindeutig Nordwind, Landerichtung mit Wind auf der Bahn 31 (???) Jedenfalls konnte ich auf erfahrene Leute nicht so recht zurückgreifen...
Na, ja, dann bin ich jedenfalls um 14 Uhr gestartet. Die ersten 1000 m mit Motor waren der absolute Horror, dann Motor rein und Rotor. Erst ging es ganz gut hoch, aber dann war es der absolute Wahnsinn: 8,1 m integriert rauf und im nächsten Moment 15 m abwärts, die Motorklappen öffneten sich hörbar und klappten wieder zu und auch sonst war`s wirklich harte Arbeit. Irgendwann zwischen 1000 m tief und 1600 m hoch wurde es dann ruhig und die laminare Strömung begann mich auf die 2800m für die Freigabe hochzutreiben. Da waren dann verschiedene Wellensysteme, die ganz gut auszumachen waren und nach Freigabe bin ich mit 3-4 m hoch auf 4000 m. Wegen kein Oxygen dabei habe ich die Controller um Abstieg gefragt, sie waren ganz enttäuscht, dass ich ihr Angebot auf Freigabe bis 6000 m nicht annehmen wollte. Na ja, die Höhe soll ja auch nicht so gut für den Lack sein und in 3000 m waren es immerhin nur noch - 4 Grad. Beim Aufstieg mit Motor hatte ich zeitweilig minus 2- 4 m , dafür gab´s beim Abstieg mit voll gesetzten Klappen plus 4 m, das war alles schon sehr beeindruckend. Unser Hund Verdi hat inzwischen den Platz voll zu unserem Eigentum erklärt; wenn Fallschirmspringer in der Höhe von ihm ausgemacht werden, werden sie heftig angebellt; aber er gibt dann großzügig die Genehmigung zur Landung mit anschließendem Lecken und Hochspringen.
Das der Bericht des Sonntages. Und tschüss.... Dr. Rolf Wieneke
Schmiedestr.14
D-31785 Hameln
Tel +49-515154960
Fax:+49-89-66617-24695
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Friedel Weber schrieb:
Gestatten Sie, dass ich den abenteuerlichen Bericht von Ihnen als Anlage zu meinem Bled-Artikel in unsere Homepage aufnehme?
Hallo Herr Weber,
das war wirklich heute für mich eine Überraschung, von Ihnen eine Mail zu bekommen. Abends pflege ich meinen Kindern einen Bericht zu schicken und sie sind sehr sauer und rufen an, wenn mal keine Nachricht kommt. Warum die allerdings auch an Sie gegangen ist, weiß ich mir nicht zu erklären. Auf dem Laptop irgendeine Taste zu viel gedrückt oder zuviel Bier getrunken -- ich weiß es nicht.
Jedenfalls habe ich im Prinzip nichts dagegen, wenn sie bisschen Reklame für den wunderschönen Platz Lesce machen wollen. Ich hab ja auf Ihre Empfehlung hin beschlossen, hier mal alles kennen zu lernen. Nett fand ich insbesondere, dass auf meine Anfrage hin mir schon gleich gesagt wurde, dass eigentlich im Sept. keine Saison sei und das Wetter manchmal nicht so mitspiele. Aber auch die lokale Fliegerei ist wirklich nett hier! Und selbst meine Frau ist begeistert und will nächstes Jahr wieder mitkommen, wobei ihre Entscheidung für Fuentemilanos 99 noch nicht sicher ist... (da fahre ich seit 20 Jahren für meinen Jahresurlaub hin).
Na ja und dann schicke ich Ihnen mal alles, was ich den Kindern so bisher berichtet habe und wenn Sie etwas verwerten können - bitte schön!
Always happy landings
Dr. Rolf Wieneke
Schmiedestr.14
D-31785 Hameln
Tel +49-515154960
Fax:+49-89-66617-24695
Betreff: Urlaub Slowenien
Datum: Mon, 21 Sep 1998 22:14:46 +0200
Von: r wieneke
18.9.98
Hallo Ihr Lieben,
na dann will ich mal wieder berichten: Nach dem intensiven Regen gestern, der uns eigentlich nur insofern Probleme bereitete, als Verdi zitternd, nass und frierend unterm Wohnmobil saß und sich nicht der Prozedur des Füsschenwaschens unterziehen wollte, ... und wir beim Rauslocken über eine halbe Stunde dem Regen ausgesetzt und anschließend auch völlig durchnässt waren, war´s dann heute bisschen besser. Nordwind, was immer auch das bedeutet, und über die Karawanken herüber leckende Wolken, Cumulanten mit unterschiedlichsten Basishöhen von 900 bis 2000 m, aber am Boden immer Wind aus Südost. Das Hammerwetter kommt hier aus Süd in der Höhe, warum auch immer.
Na ja und dann bin ich um 14 Uhr gestartet, war bisschen im Regen, hatte viel Turbulenz und am Schluss eine schwache Welle gefunden. Wegen Ljubljana CTR gibt's hier eine Höhenbeschränkung bis QNH 2800 m und als ich am Deckel war, hab ich brav eine Freigabe beantragt (German Glider D-KDWR, Position ..., request clearance for climbing in a wave to 4000 m ...) und dann wurden die Füße kalt (Sandalen) und der Druck auf die Blase stieg. Also Urinal übergestreift, aber er so kalt und das Urinal so groß ... Wasser marsch, Connect-Probleme, Hose nass, immer kälter. "Ljubljana Info, D-WR has lost the wave, my height ist now 2500 m". Landung, water in the Jeans, Jeans in the water... So ist das Leben. Aber immerhin zweieinhalb Stunden in der Luft.
Morgen soll es wieder fliegbar werden und ich habe den Flieger aufgerüstet gelassen.
Das der Bericht des Tages und tschüss ....
Dr. Rolf Wieneke
Schmiedestr.14
D-31785 Hameln
Tel +49-515154960
Fax:+49-89-66617-24695
Wie angekündigt, sind wir seit 1998 jedes Jahr wieder in Lesce gewesen und haben auch gleich schon für das nächste Jahr gebucht.
Es war wie voriges Jahr: Schöne lange Flüge, schönes Wetter und eine von Herzen kommende Freundlichkeit der Slowenen. An einem einzigen Tag über die höchsten Berge Italiens und Österreichs, den Gipfel der Marmolada in den Dolomiten und den Großglockner (3.800 m) zu fliegen - das macht schon Spaß!
Und wenn die Thermik noch nicht eingesetzt hatte, stellte mir Miha Thaler sein Notebook in seinem Wohnwagen zur Verfügung, so dass ich weiter Internet-Artikel schreiben konnte. Das artet schon langsam zur Sucht aus.....
(Inzwischen habe ich natürlich ein eigenes und einen Breitbandanschluss im Flugplatzbüro)
Sehr zum Missvergnügen meiner lieben Frau musste ich außerdem ausprobieren, wie man sich fühlt, wenn man mal am Fallschirm hängt - zu mindestens bei einem Tandemsprung. Und so ging es mit der Antonov auf 2.800 Meter über dem Platz und dann kopfüber hinunter.
Eigentlich war das alles ziemlich unspektakulär:
Langes Überlegen, ob man nun springen will oder nicht, gab es sowieso nicht. Der Sprunglehrer saß mir im Nacken wie ein großer Rucksack und schon flogen wir. Ja, es war ein Fliegen und nicht etwa ein Fallen! Wie wir Segelflieger wissen, ist Luft bekanntlich ein recht tragfähiges Medium und so ging es wie auf einem Wasserbett liegend mit etwa 200 km/h abwärts - stabilisiert durch eine kleine Schirmkappe. Dass dann plötzlich in 5 Meter Entfernung auch noch ein Fotograf neben uns auftauchte, konnte schon gar nicht mehr verwundern!
Schließlich ein Ruck beim Öffnen der Hauptkappe und wir hingen - nicht sonderlich bequem - 1000 Meter über dem Platz und konnten uns die Landschaft ansehen, Kurven fliegen, beschleunigen, bremsen und schließlich recht sanft landen.
Hinterher Gratulationen von allen anderen Springern zum ersten Absprung! Warum eigentlich? Ich hatte doch gar nichts dazu beigetragen.
Fazit: Man sollte das ruhig einmal gemacht haben, um zu wissen, dass man im Notfall durchaus mit einem Fallschirm recht sicher absteigen kann - wenn man nur aus dem Flugzeug hinaus kommt.
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Eigentlich fand ich es beruhigend, dass man den Sprung erst nach der Landung bezahlen musste.
Nur in einer Beziehung war der Urlaub ein "Misserfolg":
Ich bin ja zwangsläufig auch immer Testpilot und in der Firma geht der Spruch um: "Der Friedel kriegt alles kaputt!".
So habe ich auch dieses Mal wieder Schwachstellen bei meiner DG-808C gesucht und Punkte, die verbessert werden sollten.
- Mai 1999 -
Videoclip | |
| Fallschirm-Tandemsprung in Slowenien |
Es ist vielleicht nicht notwendig, nach jedem Urlaub wieder zu schreiben, wie schön es in Slowenien ist. Sowohl fliegerisch als auch für meine Frau war das wieder ein wunderbarer Aufenthalt. Ich kann nur jedem den Platz Lesce empfehlen.
Und nächsten Jahr kommen wir wieder hin - bestimmt!
Am Triglav, dem mit 2.864 Metern höchsten Berg von Slowenien
am Grossglockner - mit 3.797 m Österreichs höchster Berg