Geschichte der LS1

LS1

Die LS 1 ist eine Entwicklung von Dipl.-Ing. Wolf Lemke und Walter Schneider.

Beide wollten mit der glasfaserverstärkten Kunststoffbauweise die Leistungen eines Standardsegelflugzeuges bedeutend steigern, ohne auf angenehme Steuereigenschaften und Bequemlichkeit im Cockpit zu verzichten. Die hohe Flügelstreckung von 23,1 zusammen mit einem relativ dicken Wortmannprofil großer Laminardellenbreite ermöglichte die Leistungssteigerung im ganzen Geschwindigkeitsbereich bei gutmütigen Überzieheigenschaften. Weiterhin wurde durch die Verwendung dieses Wortmannprofils eine für Kunststoffsegelflugzeuge ungewöhnlich hohe Flügelbiegesteifigkeit bei günstigem Rüstgewicht erzielt. Obwohl bereits im Prototyp ein hervorragendes Flugzeug, wurde die LS 1 nach den Flugerfahrungen und neuen aerodynamischen Kenntnissen laufend weiterentwickelt. Nach der LS 1-c und LS 1-d erlebte dieses Standardflugzeug in der LS-1-f-Version seine größte Serie.

Der Flügel in GFK-Schaum-Sandwich-Bauweise behielt die Profile, Umrissformen, Querruder und Bremsklappengröße wie bei der LS 1-c. Strukturelle Änderungen, die sich vorteilhaft auf die Formtreue auswirkten, stellten den Hauptunterschied dar. Geblieben waren die hervorragenden Kreisflugeigenschaften, verbunden mit Steigleistung und guten Schnellflugeigenschaften.

Schneider-Lemke erarbeiteten in der modernen Fertigungstechnik eine neue Bauweise und haben diesen Erfahrungswert in einer rationellen Herstellung verwirklicht. Dies gilt vor allem für den GFK-Schalenbau des Rumpfes. Das Problem der Haube wurde durch eine einteilige, nach vorn klappbare und mit Notabwurf versehene Konstruktion gelöst. Eine neuartige Kinematik gewährleistet eine exakte Haubenführung am Rumpf. In der Sitzwanne können alle gebräuchlichen Fallschirmarten verwendet werden. Die Lüftung ist gut gelöst.

Im Höhenleitwerk, ebenfalls GFK-Schaum-SandwichBauweise, wurde zugunsten noch besserer Steuereigenschaften vom bisherigen Pendelruder abgegangen. Durch neue Profile besteht nur ein geringer Widerstandszuwachs im Langsamflug gegenüber einem Pendel-Höhenleitwerk. Das Fahrwerk ist gefedert ausgeführt und in einem zum Rumpf hin luftdicht abgeschlossenen Radkasten untergebracht.

Zur Standardausrüstung gehören eine fest eingebaute UKW-Sperrtopfantenne, verstellbare Seitenruderpedale, Innenbackenradbremse und Trimmung. Es kann auch ein festes oder ein Einziehfahrwerk eingebaut werden.

Die LS 1 wurde sofort das Erfolgsflugzeug des deutschen Segelfluges. Die bei den Prototypen belegten bei den Deutschen Segelflugmeisterschaften 1968 in der Standard-Klasse unter 44 Teilnehmern mit Helmut Reichmann und Walter Schneider die beiden ersten Plätze. Übers Jahr wurde die Deutsche Meisterschaft in der Standardklasse durch Ernst-Gernot Peter erneut mit der LS 1 erflogen. 1971 feierte die LS 1 mit Helmut Reichmann und Klaus Ahrens erneut einen Doppelsieg bei den Deutschen Meisterschaften. 1973 verteidigte Reichmann seinen Titel erfolgreich auf LS 1-f. Bei den Deutschen Meisterschaften 1973 und 1975 war die LS 1-f das am häufigsten geflogene Flugzeugmuster der Standard klasse. In dem bekannten Wettbewerb in Frankreich »Acht Tage von Angers« um den Europa-Cup 1969 siegte Diether Memmert auf LS 1 und 1971 der Franzose Ragot auf LS 1. Der größte Erfolg aber: 1970 siegte Helmut Reichmann überlegen in der Standard klasse der Weltmeisterschaften in Marfa/Texas. Die LS 1 mit all ihren Versionen bis zur LS 1-f wurde 1968 bis 1978 eines der erfolgreichsten und damit berühmtesten Segelflugzeuge.

Bei der Deutschen Meisterschaft 1973 auf der Hahnweide überraschte Walter Schneider mit der LS 2, ein »Forschungs«-Flugzeug für weitere Flugeigenschaftsverbesserungen. Ihre guten Leistungen bewies Helmut Reichmann 1974 bei den Weltmeisterschaften in Australien, flog er doch die LS 2 zu seiner zweiten Weltmeisterschaft, und 1975 wurde Walter Schneider selbst deutscher Vizemeister der Standardklasse. Als die FAI die unbeschränkte 15-m-Klasse einführte, wurde bei Schneider im Frühjahr 1977 der Bau der LS 1 nach 464 Flugzeugen zugunsten der LS 3 eingestellt. Das eigentliche Nachfolgeflugzeug der LS 1-f für die Standardklasse aber wurde 1981 die LS 4.

Der Text dieses Beitrages stammt aus dem Buch „Die berühmtesten Segelflugzeuge“ von Georg Brütting
(6. Auflage 1986 ISBN 3-87943-171-x).
Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Motorbuch Verlages.

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