ein Bericht von Michael Krannich
Sehr geehrter Herr Weber,
nachdem ich nun eine Saison lang meine DG-101G Elan genießen durfte, möchte ich die ruhige Zeit zum Jahresende dazu nutzen, Ihnen einen kleinen Erfahrungsbericht zu übermitteln.
Die Faszination Fliegen ergriff mich schon mit ca. 10 Jahren, damals waren es möglichst detailgetreue Modelle, die mich begeisterten. Mit 15 Jahren schleppte mich dann mein Onkel auf den Flugplatz Pennewitz, wo er gut 30 Jahre vorher eine Segelflugausbildung begann, die aufgrund von Westverwandtschaft aber ein abruptes Ende nahm. Er selbst fliegt leider nicht mehr, ist aber immer wieder fasziniert von meinen Erlebnissen und hin und wieder fliegt er zumindest mal eine Runde im Motorsegler mit.
Auf jeden Fall veränderte der kurze Ausflug auf den Flugplatz mein komplettes Leben – ich begann eine Segelflugausbildung. Selbst die herabgekommene K7, auf welcher ich bis zu meinem Alleinflug geschult wurde, schreckte mich nicht ab ;-)
Im Juni 1996 hielt ich dann den ersehnten Segelflugschein in der Hand und erweiterte diesen innerhalb nur weniger Tage um den SPL-F, später kam noch der PPL-B und das BZF I dazu.
Da in meinem damaligen Verein nur alte GST-Flugzeuge (Bocian und Pirat) zur Verfügung standen, hielten sich die Streckenflüge in Grenzen – gerade eine handvoll 300er konnte ich fliegen. Zudem gab es nach Lizenzerhalt von den „erfahrenen“ Leuten keinerlei Hilfe mehr, sodass ich mich mehr und mehr vom Segelflug entfernte. Aber was will man von Segelfliegern erwarten, die ihr Leben lang kaum aus der Platzrunde raus geflogen sind.
Nachdem mir die UL-Fliegerei aber mehr und mehr zum Hals heraus hing, suchte ich ein neues Abenteuer. Durch Zufall entdeckte ich im Segelflugforum den Kleinanzeigenmarkt. Dort fand ich dann innerhalb kürzester Zeit ein bezahlbares und sehr leistungsfähiges Flugzeug – einen Cirrus mit 17,74 m Spannweite. Dank etwas finanzieller Hilfe meines Vaters, konnte ich Anfang August 2003 den Cirrus dann zu mir nach Hause holen. Ich schätzte sofort dieses Flugzeug, da ich bis dahin nur die „Holzbomber“ kannte.
Es war einfach ein erhebendes Gefühl, als 21-jähriger ein eigenes Flugzeug zu besitzen und solange in der Luft bleiben zu können, wie man wollte. So flog ich alleine in der ersten Woche gute 50 Stunden! Es purzelten von da an die 300er und am Jahresende fand ich mich sogar schon unter den Top 10 im OLC Thüringen – eine Leidenschaft war geboren!
2004 folgten beide Streckendiamanten und der erste Flug über 600 km. Der Höhepunkt war dann am 12. Mai 2006 erreicht, als ich mit dem Cirrus einen Flug über 700 km von Suhl-Goldlauter aus schaffte. Gestartet waren wir am Vormittag und flogen eine gute halbe Stunde im Hangwind, bis die erste leichte Thermik einsetzte. Die Landung erfolgte gegen 20:00 Uhr LT nach über 9 Stunden Flugzeit wieder in Suhl – die Luft war schon knapp eine Stunde total tot, aber fast 3000 m MSL ermöglichten einen Endanflug von gut 80 km ;-) Dieser Flug war mit zirka 50 Punkten Vorsprung die größte OLC - Einzelleistung in Thüringen im Jahr 2006. Einige weitere 500er und 600er brachten mich immerhin in der Gesamtwertung schon auf den 3. Platz.
Ich liebte den Cirrus, da er nach einiger Eingewöhnung doch sehr leistungsfähig war und ich hatte mit meinen 90 kg auf 1,87 m enorm viel Platz in diesem Flieger. Trotzdem gab es für mich seit längerer Zeit nur einen einzigen deutschen Hersteller, der (für mich) für wirkliche Freude am Fliegen steht – dreimal dürfen Sie raten ;-)
Als ich 2004 das erste Mal eine DG-400 aus der Nähe bestaunen konnte, war für mich klar, so ein Flugzeug bedeutet wirkliche Freiheit und Unabhängigkeit! Da mein Konto aber einen solchen Flieger nicht verkraften würde, wurde dieser Traum weit nach hinten verschoben. Trotzdem studierte ich regelmäßig die Kleinanzeigen.
So kam es dann, dass im März diesen Jahres eine DG-101G Elan zum Verkauf angeboten wurde. Ich vereinbarte sofort einen Besichtigungstermin. Als ich den Flieger aufgebaut in der Halle der Bayreuther Segelflieger stehen sah, war eine Entscheidung schon beinahe gefallen. Trotzdem war ich „vorsichtig“ und schaute mir den Flieger genau an. Ich war erstaunt, wie geräumig so eine DG ist, da ich mit meiner Größe doch in vielen Flugzeugen anderer Hersteller erhebliche Probleme habe. Nachdem ich so ziemlich jedes kleine Detail des Fliegers angeschaut hatte, war klar – den musst Du haben!!! So habe ich mir dann zu Ostern 2007 ein wunderschönes Ei ins Nest gelegt und mich kurzerhand von meinem Cirrus getrennt, der mir trotzdem recht Leid tat.

Direkt am Ostersonntag konnte ich schon den ersten Start mit meinem neuen Schätzchen machen und der letzte kleine Zweifel war wie weggeblasen. Der Flieger flog von allein, viel angenehmer als der Cirrus und dabei sehr wendig und schön leise. Nach knapp 2 Stunden ging so ein wunderschöner „DG-Erstflug“ für mich zu Ende.
Jeder mögliche Flugtag wurde genutzt und so ließen die ersten großen Strecken nicht lange auf sich warten. Nach nur etwa einem Monat flog ich dann den ersten 650er mit der DG, die dann auch das passende WBK am Leitwerk hatte – „MK“. Lange Zeit war dieser Flug die größte Einzelleistung im OLC Thüringen 2007, bis dann Jürgen Kriese gegen Ende der Saison mit seiner DG-400 knapp 3 Punkte mehr erreichte – Also doch nur Platz 2 in diesem Jahr. Aber immerhin hat es zum ersten Mal für mich zum OLC-Champion in Thüringen gereicht, was die Leistungsfähigkeit der DG-101G bewiesen hat.
Zur diesjährigen Thüringenmeisterschaft habe ich mir zwar einen Platz auf dem Treppchen durch eine Außenlandung, die durch technischen Defekt beider Variometer bei schwierigen Bedingungen hervorgerufen wurde, am ersten Wertungstag vergeigt, aber immerhin konnte ich den zweiten und letzten Wertungstag mit 4 Punkten Vorsprung gewinnen, was mir noch den 4. Platz in der Gesamtwertung einbrachte.
Warum tauscht man aber ein Flugzeug gegen ein vermeintlich schlechteres ein? Der Cirrus hatte ja doch einige Nachteile, die ich an der DG schätzen gelernt habe. So war er ziemlich groß, was das Handling am Boden schon erschwerte, außerdem war der Hänger aufgrund der langen Flügel ebenso nicht zu verachten. Das Aufrüsten gestaltete sich mit ungeübten Leuten recht schwierig, da zum einen die Flügel recht schwer waren und zum anderen relativ schlecht zusammen gingen. Die geteilte Steckhaube war nicht gerade optimal, da ist die große Haube der DG ein Segen. Der Cirrus hatte leider keine Wassertanks, was bei gutem Wetter nicht unbedingt von Vorteil war – die DG bin ich außer zur Thüringenmeisterschaft fast immer mit 40-60 Liter Wasser geflogen, was im Vorfliegen schon einen Vorteil bringt, zudem steigt sie kaum schlechter, als mit leeren Tanks. Zu all den Vorteilen der DG kommen dann noch die warmen Füße und das „DG-Feeling“ dazu, denn wenn man sich in einem Flugzeug wohl fühlt, fliegt man automatisch besser ;-)
Ich bereue keinen Tag, den Cirrus gehabt zu haben, aber ich würde nicht wieder auf die Vorteile der DG verzichten wollen. Zwar ist die Gleitleistung der DG bei leeren Tanks vielleicht etwas schlechter als die des Cirrus, aber für mich steht die Freude an der Fliegerei im Vordergrund – und die ist bei DG-Flugzeugen einfach vorhanden.
Da sich aber immer mehr der Wunsch nach einem Eigenstarter in mir entwickelt, bin ich kurz davor gewesen, die schöne 101 wieder zu verkaufen. Nachdem ich einige Starts einer ASW-24e an unserem Flugplatz in Crawinkel beobachtet hatte, stand fest dass ein „richtiger“ Motor in meinem nächsten Flieger arbeiten soll, denn ich brauche nicht bei jedem Start solch einen Nervenkitzel. Klar wäre eine DG-808C mein Traum, aber dafür wird die nächsten Jahre das Geld nicht reichen. Eine DG-400 wäre aber auch ein guter Einstieg in die unabhängige Fliegerei, aber momentan doch recht teuer in den Kleinanzeigen zu finden. Also die einzige Alternative, wenn man volle Unabhängigkeit (hier meine ich auch das Rollen zur und von der Piste) will, ist die PIK-20e. Abschreckend ist hier aber zuerst die Flächenbelastung, die bei kaum einer PIK wirklich unter 44 kg/m^2 liegt – das ist einfach viel zu viel, wenn man einen Tag komplett nutzen möchte. Nachdem ich mir trotzdem 2 solche Flugzeuge angeschaut habe, musste ich mit Bedauern feststellen, dass die Kisten teilweise in katastrophalem Zustand angeboten werden und außerdem passe ich nur mit Mühe und Not in solch ein Flugzeug. Begeistert hat mich die Kraft des Triebwerks und zudem war ich überrascht, wie einfach der Motor mit dieser ominösen Kurbel aus- und einzufahren ging. Am Ende siegte aber die Vernunft und ich verzichtete auf die Anschaffung eines fast unverkäuflichen Exoten, der doch nur ein großer Kompromiss gewesen wäre.
Nun heißt es also noch etwas sparen und vielleicht in 1-2 Jahren doch eine schöne DG-400 kaufen. Vielleicht habe Sie ja jemanden in Ihrer Kundschaft oder im Bekanntenkreis, der sich in näherer Zukunft von seiner 400 trennen möchte… ;-)
Mein Fazit zu den Flugzeugen mit der charakteristischen Haube – sie sind schön, fliegen wunderbar und vereinen Freiheit und Unabhängigkeit (besonders mit Motor) mit der Freude am Fliegen.

Bleibt mir nur noch, Ihnen und Ihren Mitarbeitern weiterhin viel Erfolg im Flugzeugbau zu wünschen, sodass in der Zukunft noch viele Piloten das DG-Feeling erleben dürfen! Machen Sie weiter so!Im Anhang befinden sich noch 2 Bilder von meiner 101G „MK“ (oben in der Startaufstellung zur THM 2007 in Greiz und auf dem ersten Bild auf dem Flugplatz Crawinkel.Ich wünsche Ihnen, Ihren Angehörigen und Ihren Mitarbeitern noch ein schönes und ruhiges Weihnachtsfest, sowie einen guten Start ins neue Jahr!Mit freundlichen GrüßenMichael Krannich
http://www.michael-krannich.de
Weihnachten 2007
Segelfliegen - Touch the Sky!
PS: Da ich Ihre Homepage sehr gut finde und schon viele schöne Berichte dort gelesen habe, hätte ich auch kein Problem, falls diese Nachricht von mir oder auch die Bilder veröffentlicht werden würden.