Von Drücken und Düsen

„Die Präzision heute verkaufter Bordrechner ist so groß, dass Fehlanzeigen fast immer von falschen Druckverhältnissen herrühren. Die Genauigkeit der Anzeigen ist vor allem eine Frage der Genauigkeit der Drücke.“
Diese Aussage stammt von einem namhaften Hersteller von Bordrechnern und sollte dazu dienen, diesem Thema besonderes Augenmerk zu schenken. Denn die richtige Anbringung der Druckabnahmen und der richtige Anschluss der Geräte ist wirklich schon eine kleine Wissenschaft.
Sie wissen, dass es grundsätzlich drei Druckabnahmen im Segelflugzeug gibt:

  • der Statische Druck für den Höhenmesser
  • der Staudruck für den Fahrtmesser, der auch am Statikport mit angeschlossen sein muss
  • die Düse für das kompensierte Vario

Am empfindlichsten und am schwierigsten zu realisieren ist – für manche überraschend – die Abnahme des statischen Drucks. Es ist eben nicht damit getan, z. Bsp. innerhalb des Cockpits den Druck zu messen. Sie brauchen nur die Lüftung oder ein Fenster zu öffnen, um erhebliche Druckschwankungen zu produzieren. Der Konstrukteur muss vielmehr am Rumpf Punkte suchen und ausprobieren, an denen der Druck von vorn und die Sogwirkung durch die vorbei streichende Luft gerade gleich groß sind. Sie finden solche Punkte am Rumpf markiert mit einem kleinen roten Fleck und natürlich darf das kleine Loch in der Mitte nicht verstopft werden.
Der Anschluss von mehreren Geräten an einem Port kann zu Verfälschungen der Anzeige führen. Wenn ein Statikport den Höhenmesser versorgt, gleichzeitig den Bordrechner und über einen Pneumatikschalter im Kraftflug auch noch das Vario, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass durch kleine Undichtigkeiten im System das Ergebnis verfälscht wird. Aus diesem Grunde sollte ein Segelflugzeug mindestens zwei Statikports haben, damit man die anzuschließenden Geräte verteilen kann.
Den Staudruck nimmt man häufig in der Rumpfspitze ab und den/die Statikports an der Rumpfseite.
Die Düse sitzt bekanntlich meist hinten in einem Adapter an der Seitenflosse. Ein langes Rohr nach vorn soll verhindern, dass Beeinflussungen des Seitenleitwerks wirksam werden. Falls die Düse nur nach einer Seite vom Rohr abgeht, sollte diese Seite nach oben zeigen, um frei von Wirbeln des Flügels zu bleiben.

Es gibt auch Multidüsen, die Statik-, Stau- und Düsenabnahme vereinen und einen Adapter gebrauchen, der durch drei Schläuche mit dem Instrumentenpilz  verbunden ist – dies wird meist als „Prandtl-M-Düse mit Prandtl-M-Adapter“ bezeichnet – siehe rechts.

Die absolut ideale Anbringung einer solchen Düse wäre in der Rumpfspitze weit vor den Turbulenzen, die das Flugzeug erzeugt. Leider ist solchen Düse keine lange Lebensdauer beschieden.
Also setzt man sie statt dessen in die Seitenflosse ein. Und damit die Ausrüstung mit einer solchen Multidüse in jedem Fall möglich ist, haben die meisten DG-Segelflugzeuge den Prandtl-M-Adapter serienmäßig eingebaut.

Anders ist die Situation beim Motorsegler (DG-808C und ähnliche):
Die Propeller-Turbulenzen im Kraftflug würden für völlig unbrauchbare Werte sorgen und obendrein die heftigen Ausschläge möglicherweise die Instrumente beschädigen. Deshalb legt man das Variometer durch einen pneumatischen Schalter von der hinteren Düse auf den vorderen Statikport und verzichtet solange auf eine Kompensation. Und deshalb hat die DG-808C vorn zwei Statikports und es werden alle Geräte vorn angeschlossen.
Dabei ist wichtig: Zur Fahrtmessung müssen bei den DG-Einsitzern immer die vorderen statischen Druckabnahmen verwendet werden, um eine präzise Fahrtanzeige zu gewährleisten. Die etwas weiter hinten angebrachten Abnahmen sind für den Variometerteil eines elektrisch kompensierten Varios, den Höhenmesser etc. gedacht.
Wir bieten eine sehr gute „Total-Energie-Kompensierte“ (TEK-) Düse an, die seit neuestem statt eines Rohres aus Aluminium eines aus Kohlefaser hat, welches länger ist und weniger schwingt. Auch durch Schwingungen kann die Anzeige nämlich verfälscht werden!
Und schließlich könnte man auf die Düse völlig verzichten und den Bordrechner elektrisch kompensieren. D. h., dass er aus der Höhenveränderung und der Geschwindigkeitsveränderung selbst die Kompensation errechnet. Nach Aussage der Hersteller ist diese Kompensation aber nicht so genau wie die durch eine gute Düse, und das zusätzliche mechanische Vario wäre dann natürlich auch nicht kompensiert und würde ganz andere Werte zeigen als das elektrische.

Also bleibt als Ergebnis, wenn Sie die beste Lösung haben möchten:

  • Beim Segelflugzeug bestellen Sie sich zu dem serienmäßig eingebauten Prandtl-M-Adapter eine passende Multi-Düse.
  • Beim Motorsegler bestellen Sie sich eine TEK-Düse aus CFK.

 

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