Verbesserung der Radbremse an Segelflugzeugen

Es wird immer wieder angefragt und in Diskussionsgruppen angesprochen, was es für Möglichkeiten gibt, das Bremsverhalten von Segelflugzeugen zu verbessern.
Fast alle neueren Segelflugzeuge sind mit Trommel- oder Scheibenbremsen der deutschen Firma Tost ausgestattet. Hier werden jetzt z. T. abenteuerliche Konstruktionen vorgeschlagen, zum Bsp. durch Veränderung der Hebelverhältnisse die Bremskraft zu verstärken. Als Hersteller können wir nur dringend davor warnen, in irgendeiner Weise die Radbremse umzubauen. Die Bremse ist ein sicherheitsrelevantes Teil und darf nicht eigenmächtig verändert werden.
Die Frage ist aber natürlich, wodurch unzureichende Bremswirkung hervorgerufen wird und was man dagegen tun kann.
Soweit es DG Flugzeuge angeht, lassen sich drei Feststellungen treffen:

  • Eine objektiv unzureichende Bremswirkung einer Trommelbremse rührt fast immer von mangelnder Wartung.
    Sie wissen sicher, dass sich jedes neue Stahlseil nach den ersten Belastungen ein wenig reckt. Dadurch verlängert es sich im Laufe der ersten Monate nach der Auslieferung und die ursprüngliche Einstellung der Bremse wird verändert.
    Wenn Sie den Bremsklappenhebel mit normaler Kraft ziehen, sollten Sie keinen harten Anschlag spüren sondern bis zu einer Zugkraft von mindestens 20 daN (entspricht einer Gewichtskraft von ungefähr 20 KG) die Elastizität des Stahlseils empfinden.
    Wenn Sie vorher an den Bremsklappen-Anschlag stoßen, können Sie natürlich die Bremse nicht ausreichend anziehen.
  • Desweiteren rührt eine mangelnde Bremswirkung bei älteren Flugzeugen oft aus einer Verschmutzung der Bremsbacken durch Bremsstaub. Da hilft es nur, die Trommel auszubauen und mit Pressluft auszublasen.
  • Oft beruht die scheinbar mangelnde Bremswirkung auch auf einer Täuschung des Piloten.
    Feuchtes und besonders nasses Gras hat eine ungleich geringere Reibungswirkung auf das Rad als trockener Asphalt. Oft ist das Rad also ganz einfach blockiert und die Bremse arbeitet korrekt.
    Ein Fahrzeug würde in dieser Situation sofort ins Schleudern geraten. Ein Flugzeug lässt sich dagegen mit dem Seitenruder weiter steuern, so dass der Pilot gar nicht merkt, dass das Rad blockiert ist.
  • Es gibt allerdings Situationen, wo es auf wirklich extreme Bremsleistung ankommt – z. Bsp. bei Außenlandungen auf zu kurzen Feldern.

Wenn Sie von Ihrer Bremse verlangen, dass sie so stark bremst, dass das Flugzeug „auf die Nase geht“ – selbst um den Preis, dass Sie sich vielleicht die Rumpf-Unterseite verkratzen -, dann ist vielleicht doch eine Scheibenbremse als Sonderausstattung empfehlenswert. Das können aber wirklich nur „Notbremsungen“ sein, denn heutige Hochleistungs-Segelflugzeuge haben eben keine Kufe mehr und beschädigen sich die Unterseite, wenn man brutal abbremst.
Allerdings wird das natürlich immer noch besser sein, als in einen Zaun oder in ein anderes Flugzeug zu rollen.
Scheibenbremsen sind im übrigen nicht so wartungsempfindlich:
Sie haben keine Bowdenzüge, die klemmen können und sie verschmutzen auch nicht durch Bremsstaub.

Fazit:

Auf keinen Fall dürfen Sie in die Konstruktion der Bremse eingreifen.
Sie dürfen die Bremse auch nicht ölen, wie es auch schon Kunden gemacht haben.

Wenn Sie glauben, dass die Bremse nicht richtig arbeitet, prüfen Sie erst sorgfältig die Einstellung des Bremsseils anhand des Wartungs-Handbuchs.

Eine noch höhere Bremsleistung bringt eine Scheibenbremse, die für Notbremsungen sinnvoll sein kann.

– friedel weber –

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