Start und Landung bei Seitenwind

Alle Motorsegler mit Klapptriebwerk haben in hohem Maße das Problem der Seitenwind-Empfindlichkeit besonders beim Start. Der Grund liegt natürlich im stark unsymmetrischen Zug des Propellers, der hoch über dem Rumpf angreift und dadurch ein Drehmoment um die Querachse verursacht, welches den Sporn vom Boden hebt und das Flugzeug wie eine Fahne in den Wind drehen lässt.
Laut Handbuch hat die DG-808C eine zulässige Seitenwindkomponente von 15 km/h bzw. 8 Kn, was einer Windstärke von Beaufort 3 quer zur Bahn entspricht – wahrlich kein besonders hoher Wert! Wenn hier im folgenden ein paar Tricks genannt werden, wie man dennoch auch bei stärkerem Wind sicher starten kann, so heißt das natürlich nicht, dass der Hersteller irgendwelche Haftung für evt. Schäden übernehmen könnte. Es gilt der Grenzwert des Flughandbuchs.
Für eine Querwindkomponente bis zu 15 km/h (das können auch 21 km/h Windstärke sein, wenn der Wind schräg von vorn kommt!) gilt die alte Startregel bei der DG-808C:
Aufstellen auf der Bahn, Klappe +8, langsam Vollgas geben und los geht`s. Das ist alles.
Nur wenn Sie stärkeren Wind haben – evt. auch böig – sollen Ihnen die folgenden Ratschläge helfen.

1. Stellen Sie sich in Lee der Bahn auf

Das Flugzeug wir beim Start in jedem Fall versuchen, mit der Nase in den Wind zu drehen. Wenn Sie am äußersten Pistenrand stehen, haben Sie etwas mehr Platz, bevor Sie die Landereiter umlegen. Unterstellt in den folgenden Beispielen, dass der Wind von rechts kommt, stellen Sie sich also an den linken Rand!

 

2. Schieben Sie die Wölbklappe nach vorn bis zum Anschlag

Damit erreichen Sie gleich mehrere erwünschte Effekte:

  • Sie haben die volle Querruder-Wirksamkeit.
  • Sie heben das Querruder vom Boden weg – empfehlenswert bei unebenem Boden
  • Sie erreichen zusätzlichen Druck auf dem Spornrad.

Ich glaube, dass das erklärt werden muss, denn jeder Pilot weiß doch, dass mit Vorschieben der Klappe das Flugzeug mit der Nase nach unten geht und Fahrt aufnimmt. Also scheint doch ein aufrichtendes Moment am Heck zu entstehen statt zusätzlicher Abtrieb.

Das ist zwar logisch aber falsch:
Aus den Versuchen im Windkanal geht hervor, dass ein abwärts gerichtetes Moment am Heck dadurch entsteht, dass sich die Leistung des Flügels dabei sehr stark hin zu einem widerstandsarmen aber auch auftriebsschwachen Profil verändert. Dadurch fällt der Flügel praktisch nach unten; das Flugzeug nimmt Fahrt auf.
Dieser Effekt tritt natürlich nicht auf, solange das Flugzeug auf dem Rad steht. Was bleibt, ist dagegen das abwärts gerichtete Moment am Heck mit zunehmender Fahrt.

  • Sie können „hemmungslos“ am Knüppel ziehen und das Heck unten halten, ohne befürchten zu müssen, vorschnell abzuheben und wie ein welkes Blatt zu „fliegen“.
  • Sie können das Flugzeug lange am Boden halten und erst bei 90 km/h die Klappe auf +8 durchziehen, um wie ein Pfeil „in die Sonne zu schießen“.

 

3. Legen Sie den Flügel in Lee ab bzw. weisen Sie Ihren Helfer ein

Auch das ist vielleicht ein gewöhnungsbedürftiger Ratschlag.
Wenn Sie einen Starthelfer haben, der Ihnen die Fläche hält – bei einer DG-808C eigentlich nicht notwendig -, bitten Sie Ihn, möglichst in Lee zu stehen, also auf der linken Seite beim Wind von rechts. Starthelfer – und besonders ungeübte – neigen oft dazu, beim Anrollen die Fläche zurück zu halten. Es sind schon viele Starts verpatzt worden durch Helfer, die das Flugzeug zu spät losgelassen und so ungewollt eine Drehung verursacht haben. Wenn er dagegen auf der Leeseite etwas bremst, kann das ganz hilfreich sein. Aber das sollten sie beide geübt haben.
Auf jeden Fall sollte der Helfer seitlich vor dem Flügel stehen und mit der (im Beispiel) rechten Hand von hinten an die Endleiste fassen. Nicht die Hand über den Flügel an die Nasenleiste legen – dabei reißt er zu leicht den Flügel unkontrolliert zurück! Er braucht schließlich nur zu stolpern!
Ohne Helfer geht es genauso gut:
Legen Sie jetzt den Flügel in Lee ab – ganz anders, als Sie es zum Parken des Flugzeugs gelernt haben. Der Rollwiderstand des (linken) Flügelspitzenrades wird jetzt dem Windfahneneffekt des Seitenleitwerks entgegen wirken und das Ganze können Sie noch unterstützen durch Querruder zum Boden hin. Der Wind unter der Luvfläche wird Ihr Rad ebenso zu Boden drücken wie Ihr Querruder und dann kommt auf Grasboden ein schöner Rollwiderstand zusammen. Natürlich geht das nur auf glatter Grasbahn ohne Steine. Auf Asphalt startet es sich in jedem Fall noch leichter wegen des geringeren Rollwiderstandes.
Denken Sie dran: Knüppel eisern in der linken hinteren Ecke halten!
Starten Sie nie mit abgelegter Fläche auf der Luvseite! Sie können den kleinsten zusätzlichen Rollwiderstand –  selbst auf einer Hartbahn – nicht gebrauchen, wenn Sie kritischen Seitenwind haben.

 

4. Geben Sie langsam Gas

Wenn Sie schlagartig Gas geben, wird sich auch eine DG-808C sofort auf das Hauptrad stellen und frei schwingen. Manche andere Muster gehen sogar auf die Nase.
Wenn Sie dagegen langsam anrollen, können sie allmählich Fahrt aufbauen, bis die Anströmung am Seitenleitwerk die abnehmende Wirksamkeit des Spornrades ersetzt. Ein Helfer an der Fläche kann Sie bis etwa 15 oder 20 km/h auf der Piste halten und steuern.
Wenn die Fläche frei und vom Boden ist, vergessen Sie nicht, den Knüppel ganz gezogen zu halten, bis Sie so schnell rollen, dass Sie die Klappe zurück nehmen.
Bevor Sie diese Techniken womöglich an einer engen Bahn ausprobieren, sollten Sie Starts bei starkem Seitenwind erst einmal auf einem möglichst großen Platz geübt haben!

– Friedel Weber –

DG Group Website