LS4

VON THOMAS BERGMANN

veröffentlicht im Magazin „Segelfliegen“ im Jahre 2004

Auf Platz 5 der Zulassungsstatistik des LBA findet sich die seit 1980 von Rolladen Schneider in Egelsbach gebaute LS4 mit aktuell 241 zugelassenen Flugzeugen. Zählt man allerdings die LS4-a und LS4-b dazu, zeigt sich die wahre Nummer Eins der deutschen Segelflugszene. Über die Hälfte der bis Juli 2003 gebauten LS4 sind in Deutschland zugelassen. Und das scheint noch nicht das Ende zu sein.

Aus den Erfahrungen, die das Team Walter Schneider und Wolf Lemke mit der überaus erfolgreichen LS1 von 1968 bis 1977 in der Standardklasse und mit der LS3 in der Rennklasse sammeln konnte, entstand 1980 in Zusammenarbeit von Lemke und Hans-Jörg Streifeneder die LS4 als Nachfolgerin der LS1.

Sie sollte mit gutmütigeren Flugeigenschaften und einem bequemeren Cockpit einen noch grösseren Kundenkreis erschließen und dieses Ziel wurde sehr schnell erreicht. Bereits 1986 wurden die Produktionszahlen der LS1 übertroffen. Bis zum Ende der Produktion 2003 wurden insgesamt 1.048 Maschinen der drei Baureihen der LS4 hergestellt.

Gemeinsam ist ihnen der charakteristische Doppeltrapezflügel mit Wortmannprofil und geknickter Vorder- und Hinterkante und der elegante Rumpf, dem man die perfekte Aerodynamik ansieht.

Der vollständig aus GFK hergestellte Flieger ist ein Mitteldecker mit gedämpftem T-Leitwerk, Luftbremsen auf der Flügeloberseite und Einziehfahrwerk. Wassersäcke in den Tragflächen ermöglichen die Mitnahme von Ballast.

Dieses Standardklassenflugzeug siegte auf Anhieb bei der ersten Weltmeisterschaft nach Produktionsanlauf 1981. 1982 gewann sie die Europameisterschaft und bei der WM 1983 belegten Piloten auf LS4 die ersten sechs Plätze. Auch bei den deutsche Meisterschaften der Damen und Herren war dieser Flieger in den folgenden Jahren immer ganz vorne dabei.

Die LS4 unterscheidet sich allerdings deutlich in Gewichten und Geschwindigkeiten von der a- und b-Variante, da das Höchstgewicht mit Einführung der LS4-a von 472 auf 525 kg angehoben wurde, um 170 statt 140 kg Wasserballast mitführen zu können und sich damit die maximale Flächenbelastung von 45 auf 50 kg/m² erhöhte. Auch die Schleppgeschwindigkeiten erhöhten sich um 10 km/h und die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 280 km/h.

Mit der Version LS4-b wurden nochmal einige Änderungen eingeführt. Dazu zählt ein neuer Notabwurfmechanismus für die Haube, ein Hecktank, der mit der Haube hochklappende Instrumententräger, ein geänderter Fahrwerkshebel und automatische Ruderanschlüsse.

F-Schlepp ist sowohl an der Bugkupplung als auch an der am Fahrwerk angebrachten Schwerpunktkupplung möglich. Mit Wasserballast sind mindestens 120 km/h Schleppgeschwindigkeit gefordert.

Seit Anfang 2004 gibt es auch von der AKAFLIEG Köln entwickelte abnehmbare Winglets für die LS4/a/b, die als große Änderung mit der TM 4045 abgenommen werden müssen.

Mit der Übernahme von Rolladen-Schneider durch die DG-Flugzeugbau im Juli 2003 ging die Produktion des gegenwärtig beliebtesten deutschen Segelflugzeuges zu Ende. DG wird aus Kostengründen und um den Absatz der DG-303 nicht zu gefährden, nur die LS8 aus dem Programm von Rolladen-Schneider weiterbauen, obwohl selbst Friedel Weber die LS4 auf der DG-Website als „die ideale Schüler-Maschine mit ihrer absolut narrensicheren Fahrwerksmimik, dem großen Cockpit und den harmlosen Flugeigenschaften“ rühmt.

Service, Ersatzteilversorgung und Musterbetreuung ist nach der Übernahme durch DG weiterhin gesichert. Gebrauchte Maschinen werden allerdings zu sehr hohen Preisen gehandelt. Verkäufer fordern mit Hänger bis zu 30.000 Euro. Aktuell sind in Deutschland 241 LS4 zugelassen. Das macht mit 144 LS4-a und 143 LS4-b insgesamt 528 Maschinen.

Die Geschichte der LS4 scheint noch nicht zu Ende zu sein.

 

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