Leistungsabbau durch Flüssigkeitsmangel

von Ottmar Gottschalg, aus „Luftsport 5/2004“

Ein schöner Sommertag mit besten Streckenflugbedingungen:
Die Segelflieger planen Rekorddreiecke und bereiten alles perfekt vor. Nur fast perfekt, wie aus medizinischer Sicht oft festzustellen ist: Meist ist der Getränkevorrat viel zu knapp kalkuliert.
Im Sommer 2003, dem Hitzesommer, ereigneten sich mehrere Flugunfälle, die sehr wahrscheinlich auch auf Leistungsabbau durch Flüssigkeitsmangel zurückzuführen sind. Der Flüssigkeitsbedarf wird in der Regel unterschätzt. Der Pilot im heißen Cockpit braucht mehr Flüssigkeit als in Ruheposition auf dem Boden. Um einem Hitzschlag vorzubeugen, ist in der Segelflugbetriebsordnung (SBO) eine Kopfbedeckung, der Segelfliegerhut, vorgeschrieben. In großen Höhen mit niedrigen Außentemperaturen reduziert die hereinströmende kühlende Außenluft die Hitze. Das allein reicht aber nicht aus, den Flüssigkeitsverlust zu verhindern.
In der Zelle des Flugzeugs wird es durch die Plexiglashaube so heiß wie in einem Treibhaus. Besonders ist der Effekt beim Rollen am Boden festzustellen. Innerhalb von zehn Minuten kann die Körpertemperatur dann 38 °C erreichen. Der Körper des Menschen hat normalerweise eine Körperkerntemperatur von 37 °C. Sie wird durch körpereigene Mechanismen in einem konstanten Bereich gehalten. Kommt es trotzdem zu einem Temperaturanstieg, führt dies, auch schon bei geringen Abweichungen, zu einem Abfall der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit. Bei hohen Außentemperaturen stabilisiert der Körper seine Innentemperatur durch Schwitzen und den kühlenden Effekt des Verdunstens des Schweißes. Durch den Flüssigkeitsverlust entsteht schnell ein Flüssigkeitsmangel. Die Verluste müssen schnell ausgeglichen werden, möglichst bevor das Durstgefühl den Mangel meldet. Durstgefühl entsteht, wenn der Pilot bereits zu viel Flüssigkeit verloren hat, in der Regel mehr als ein Prozent seines Körpergewichts. Der Mangel führt dazu, dass das Blut dicker wird. Es fließt also nicht mehr so gut und die Versorgung der Organe erfolgt langsamer. Als weitere Auswirkung des Flüssigkeitsmangels, medizinisch spricht man von Dehydration, kann die mentale Leistung sinken und sogar bis zur Hitzeerschöpfung führen.
Regelmäßiges Trinken ist also zur Aufrechterhaltung der geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit extrem wichtig – überlebenswichtig.
Schon vor dem Flug sollte der Pilot ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Gut geeignet sind Fruchtsäfte wie Apfelsaft mit (Mineral-) Wasser verdünnt. Diese Mischgetränke enthalten gleichwertige (Isotone) Mineralstoff-/Nährstoffanteile, die ähnlich zusammengesetzt sind wie das Blut, hypotone Flüssigkeiten werden sie genannt, wenn sie deutlich weniger Mineralien und Zucker enthalten. Hypotone Getränke werden schnell von den Körperzellen genutzt. Reines Wasser ist während des Fluges am besten geeignet, den Flüssigkeitsbedarf zu decken.
Der persönliche Geschmack sollte aber berücksichtigt werden, schließlich geht es darum regelmäßig und viel zu trinken. Erst nach dem Flug sollten die relativ geringen Mineralverluste aus geglichen werden. Für den Piloten selbstverständlich, aber auch für den Passagier eine dringende Empfehlung: kein Alkohol im Cockpit! Auch hypertone Getränke wie Kaffee mit Milch und Zucker, süße Limonaden wie Cola sind nicht günstig. Je nach voraussichtlicher Flugdauer und Außentemperatur muss der Getränkevorrat geplant werden. Alle 20 Minuten sollte der Pilot einen Schluck, ungefähr 100 ml, trinken. Zur Flugvorbereitung gehört auch, die Flüssigkeitsentsorgung zu berücksichtigen und entsprechende Utensilien (Plastikbeutel, Urinale, Windeln) zu besorgen.


 

Täglicher Wasserverlust eines Menschen im normalen Alltagsablauf ohne besondere Anstrengungen bei gemäßigt warmen Außentemperaturen:

  • Urin:         ca. 1.500 ml

  • Schweiß: ca. 500ml (ohne erkennbares Schwitzen)

  • Atemluft: ca. 400 ml

  • Stuhl:       ca. 100 ml

  • insgesamt: ca. 2.500 ml pro Tag

Tipps zum Trinken beim Fliegen:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zur Verhinderung von Leistungseinbrüchen nötig.

  • Zusammenstellung eines individuell geschmacklich abgestimmten Getränks

  • kein Alkohol

  • Hypotone Getränke, die einen geringen Mineralstoff / Zuckerstoffanteil haben, bevorzugen

  • Urinentsorgung technisch vorbereiten

  • alle 20 Minuten einen Schluck trinken

  • Nicht zu kalte Getränke trinken, da sie nicht so gut und schnell verarbeitet werden können

  • Elektrolytlösungen sind während des Fluges nicht notwendig, eher nach dem Flug sinnvoll

  • Trinksysteme aus dem Outdoor-Bereich sind für den Einsatz im Cockpit gut geeignet.

DAeC, Büro Flugsicherheit

 

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