Jeden Monat 4 Flugzeuge

von Lothar Schwark aus Magazin Segelfliegen 5/2009

Mit dem Erstflug der DG-1001 M erfüllte sich für DG-Chefkonstrukteur Wilhelm Dirks am 09. Juli 2009 ein lang gehegter Wunsch. Gibt es nun doch einen Doppelsitzer der 20-Meter-Klasse, der ohne Wölbklappen problemlos abheben kann. Beim Erstflug schwebte der neue Doppelsitzer bereits nach 280 Meter Startstrecke ins luftige Element. Damit eröffnet sich für die Fliegerwelt die Möglichkeit, einen leistungsfähigen eigenstartfähigen Doppelsitzer zu erwerben, der dazu über eine problemlose Motorbedienung verfügt.

 Weit hatten es Wilhelm Dirks mit Copilot Wolfgang Harms, der die DG-1001M-Konstruktion mit betreut, zum erfolgreichen Erstflug übrigens nicht. Nur wenige Meter und eine klappbare Brücke mussten zum Flugfeld vom LSV Bruchsal überwunden werden. Eine ideale Konstellation, die es zumindest in Deutschland nur selten gibt.
Dass bei DG Flugzeugbau in Bruchsal leistungsfähige und erstklassige Segelflugzeuge hergestellt werden, hat sich längst herumgesprochen. Neben der DG-808C, DG-1001 mit den Varianten S/T/M, werden aktuell die LS-10 in der Segelflug- oder Turboversion gefertigt. Gerade geht Werknummer 20 der LS-10 ihrer Vollendung entgegen.
In der nach Meinung des Herstellers modernsten Segelflugfabrik der Welt werden in hellen und aufgeräumten Hallen seit Dezember 2000 echte Fliegerträume gefertigt. Insgesamt verlassen gegenwärtig etwa vier Segelflugzeuge monatlich die modernen Werkhallen. Diese verfügen übrigens über eine moderne und effektive Anlage zur Absaugung von Harzdämpfen. Eine Anschaffung, die sich ausgezahlt hat, die Anzahl der Harzallergien bei den Mitarbeitern ging spürbar zurück.

Erfolgsmodelle und ein Stolperstein

Noch in den alten Produktionshallen der in Konkurs gegangenen Vorgängerfirma Glaser-Dirks Flugzeugbau, begann DG im Jahr 1996 mit dem Weiterbau der bewährten Glaser-Dirks-Produkte. Erfolgsmodell war die von Wilhelm Dirks entwickelte DG-100. Mit der DG-200 kam 1977 ein erster Klappenflieger auf den Markt, wobei die DG-200C ab 1980 teils in Kohlefaserverbundweise gefertigt wurde. Mit der DG-400 wurden ab 1981 zahlreiche Kunden angesprochen, die sich einen gut beherrschbaren Motorsegler wünschten. Mit dem Triebwerksanzeige- und Steuergerät DEI wurde es vielen Segelfliegern möglich, den Eigenstart problemlos anzugehen. Für Wilhelm Dirks war die DG-400 das Flugzeug, welches den Siegeszug der heutigen Motorsegler eröffnete.
Stolperstein für Glaser-Dirks Flugzeugbau wurde die fortschrittliche DG-800B. Zulieferprobleme für den damaligen Motor und damit Lieferschwierigkeiten führten schlussendlich im Frühjahr 1996 zum Konkurs. An den anerkannten Produkten, die daneben noch die DG-500, DG-600 und DG-800 mit all ihren Untervarianten umfassten, lag es sicherlich nicht.
Mit Karl Friedrich Weber und seiner Frau Eva-Marie Weber fanden sich im Mai 1996 ernsthafte Investoren. Mit Gründung von DG Flugzeugbau wurden dann die Weichen in Richtung Erfolg gelegt.
Auf die bewährte DG-5oo folgte im Jahr 2000 der leistungsfähige und harmonisch zu fliegende Doppelsitzer DG-1000. Die Turboversion eröffnete ab 2004 für Segelflieger eine überaus attraktive Form des Fliegens, die Außenlandung nahezu verhinderte.

LS8 und LS10 bei DG

Mit Übernahme von Teilen des in Konkurs gegangenen Unternehmens Rolladen Schneider Flugzeugbau begann eine weitere Ära. Die begehrte und erfolgreiche LS-8 wurde weitergebaut und fortentwickelt. Man entschloss sich, die Neuentwicklung LS-10 zur Serienreife zu bringen. Nur die Verzögerung durch Konkurs und Übernahme verhinderte bis jetzt eine größere Verbreitung des 18-Meter-Vogels, der inzwischen erfolgreiche Wettbewerbsauftritte hinter sich hat. Für zahlreichen LS-Kunden wurde DG somit zum Rettungsanker bei der Betreuung dieser Segelflugzeugmuster.

Engagiert und erfahren: Das DG-Team

70 Mitarbeiter sind derzeit bei DG Flugzeugbau beschäftigt. Zehn Leichtflugzeugbauer und eine Bürokauffrau werden ausgebildet. Das ist ein guter Grundstock für die Zukunft der Firma.
Entscheidender Faktor eines Segelflugzeugherstellers sind seine Konstrukteure, Techniker und Prüfer. Chefkonstrukteur Wilhelm Dirks kennt den Betrieb sicherlich aus der Westentasche. Schließlich war er seit 1973 schon bei Glaser Dirksdabei und ist Schöpfer der DG-Modelle. Dirks bastelte bereits mit 12 Jahren erste Flugmodelle. 1968 begann er mit dem Maschinenbaustudium in Darmstadt. Noch vor der ersten Vorlesung absolvierte er die erste Baustunde bei der Akaflieg Darmstadt. Die von Franz Sator begonnene D-37 stellte Dirks fertig. Als eigener Entwurf folgte die D-38 bis zur Fertigstellung.
Mittlerweile hat Dirks ca. 6000 Flugstunden absolviert und wurde 1985 in Räyskälä Europameister der dort noch aufgeführten Motorseglerklasse. Insgesamt drei Tausender—darunter ein FAI-Dreieck— hat Dirks im Flugbuch stehen. Diese große Erfahrung fließt in seine Konstruktionen ein. Beispielsweise bei der DG-400 mit einfacher Motorbedienung für den Eigenstart. Sie brachte den weltweiten Durchbruch der Klapptriebler.
Aber nicht nur als fähiger Konstrukteur macht sich Dirks einen Namen. In seiner Freizeit hört man ihn im örtlichen Gesangsverein, die künstlerische Ader dringt beim Malen durch, während Oper und Ballettbesuche den kulturellen Horizont erweitern. Wenn in einigen Jahren der Ruhestand ruft, will Dirks verstärkt den Wandersegelflug angehen.
Seit Frühjahr 2007 stieß Clemens Mandl zur Firma. Mit der Mandlabsaugung an der LS-10 machte er sogleich auf sich aufmerksam. Michael Harms ergänzt das Trio. Ihm liegt zurzeit die DG-1001M am Herzen. Frank Götze ist als Prüfer und Ansprechpartner für DG-Flugzeuge vor Ort. Ebenso Stefan Dörnemann als Prüfer für LS10-Flugzeuge. Produktionsprüfer sind zudem Dirk Ströbl, Timo Bender und Michael Mahler.

Inhaber Friedel Weber kann mit seiner Mannschaft voll und ganz zufrieden sein. Allen  Mitarbeitern ist daran gelegen, die hochwertigen Produkte in gleich bleibender Qualität zu fertigen und dazu einen guten Kundenservice zu bieten.
Eine Veränderung gab es ab 1. September im Verkauf. Nach zehn Jahren verließ Verkaufsleiter Volker Halbe den Betrieb. Sein Nachfolger ist Stefan Göldner, der bei DG Flugzeugbau den Beruf eines Leichtflugzeugbauers erlernte. Zuvor hat Göldner eine kaufmännische Lehre absolviert. Mit acht Jahren begann er das Modellfliegen und fliegt beim LSV Beilngries. Göldner besitzt den PPL-C mit Lehrberechtigung und eine UL-Lizenz. Sein Ziel ist es, dass sich Kunden als Teil der DG-Familie fühlen.
Für Halbe, der eine neue berufliche Herausforderung sucht, hieß es dagegen Abschied nehmen. Zufrieden schaute er auf seine Zeit bei DG Flugzeugbau zurück. „Ich habe viele internationale Kontakte gehabt, aus denen neue Freundschaften entstanden sind“, so sein Resümee.
In der Geschäftsleitung setzt das Unternehmen seit Mitte 2006 auf Holger Back. Anfangs fungierte er als Produktionsleiter des UL-Einsitzers Silence und betreute LS-Flugzeuge. Seine sportliche Erfolgsbilanz ist ansehnlich. Zweimal wurde er Vizeweltmeister und dreimal Vizeeuropameister und Deutscher Meister.
Mit seinem großen Erfahrungsschatz kann sich Back gut in die Herzenswünsche seiner DG-Kunden hineinversetzen. Rückläufige Tendenzen im Segelflug sind ihm aber nicht entgangen. „Wir werden immer weniger“, stellt Holger Back fest und sieht die Gründe in äußeren Faktoren. Einen Trend zur Umkehr sieht er nicht. „Als Hersteller können wir dies nicht beeinflussen, wir machen keine Mitglieder“, so die treffende Aussage des DG-Geschäftsführers.
Ein weiteres Hindernis für den Kauf eines Neuflugzeugs ist die Langlebigkeit der gebrauchten Wolkenrenner. „Auf diese äußeren Bedingungen müssen wir uns einstellen“, so Back und betont, dass DG Flugzeugbau am Segelflugzeugbau so lange teilnimmt, wie es einen Markt gibt.

Gerüstet für die Zukunft 

Fakt ist, dass man einem veränderten Markt gegenüber aufgeschlossen sein muss. So wurde bereits 2005 die Firma DG-Kunstofftechnik gegründet in der Dinge wie Duscharme, Hülsen für Elektromotoren oder Acryl-Großformen für Hausfassaden gefertigt werden. Ab 20088 betreibt die Firma aktives Marketing.
Seit August 2008 ist DG offizieller Musterbetreuer der ehemaligen Dallach UL/VLA-Flugzeuge. Wolfgang Dallach selbst ist im Werk als freier Mitarbeiter und natürlich perfekter Kenner seiner Produkte in der Wartung tätig.
Bei DG Flugzeugbau belässt man es nicht bei der Konstruktion und Herstellung neuer Segler, sondern setzt auch auf Wartung und Service der Flugzeuge. Neben Jahresnachprüfungen und klassischen LTB-Arbeiten werden auch Neulackierungen durchgeführt. „Viele Billiglackierungen halten nicht das, was sie versprechen“, urteilen die Bruchsaler Fachleute, die überdies auch jederzeit gerne Fremdprodukte in ihren Werkshallen warten. So sieht sich DG Flugzeugbau derzeit als einer der größten LTB in Deutschland.
In Bruchsal jedenfalls will man sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Man darf also zurecht gespannt sein, was die Zukunft für DG Flugzeugbau und seine Kunden bringen wird.

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