DG-400

 

Die DG 400 ist zulassungstechnisch gar kein Segelflugzeug, da sie nur mit Motor gebaut wurde. Sie verhalf dem eigenstartfähigen Segelflugzeug aber zum Durchbruch. Mit ihrer einfachen Motorsteuerung DEI setzte sie früh den Maßstab in dieser Klasse und 108 Stück davon fliegen heute in Deutschland.

Während seines Studiums an der technischen Hochschule in Darmstadt arbeitete Wilhelm Dirks ab 1968 in der dortigen Akaflieg an der Entwicklung eines einsitzigen Standardklasseflugzeuges in Kunststoffbauweise. Das Projekt mit der Bezeichnung D-38 erlebte 1972 seinen Erstflug. Dirks suchte sich mit Gerhard Glaser, den er auf einem Segelflugwettbewerb kennengelernt hatte, einen Partner mit Kapital, um eine Serienfertigung auf die Beine zu stellen und sie gründeten 1973 nach Abschluss seines Studiums die Glaser-Dirks-Flugzeugbau GmbH.

Die DG-100 wurde ihr erstes Flugzeug und die daraus entwickelte Rennklassemaschine DG-200 mit Wölbklappen in der 1980er Version DG-202/17C mit leichten Kohlefaserflügeln und 17-Meter-Ansteckflächen lieferte die perfekte Basis für das erste eigenstartfähige Segelflugzeug in Serienfertigung.
Im Mai 1981 startete dieser technische Meilenstein mit dem 43 PS starken Rotax 505 Zweitakter zum ersten Mal.

Die Motorsteuerung DEI, mit der der elektrisch betätigte Aus- und Einfahrvorgang des Motors sowie der Elektrostarter und der Motorstopp erstmals „idiotensicher“ zu handhaben war, stellte seinerzeit einen enormen Fortschritt gegenüber der Konkurrenz dar und begründete wohl den Erfolg von DG in dieser Klasse bis zur aktuellen DG-808C.

Der Fiberglasrumpf basierte auf dem der DG-202, hatte aber im Bereich hinter den Flächen einen größeren Querschnitt, um den Motor aufzunehmen und wurde mit Carbon verstärkt, um die Schwächung durch die Rumpföffnung auszugleichen. Die DG-typische, sehr große Haube ermöglichte eine grandiose Rundumsicht, aber sorgte für warme Beine bei den Piloten. Das Spornrad war lenkbar und in Kombination mit den Rädchen in den Flügelspitzen konnte der Pilot tatsächlich völlig ohne fremde Hilfe starten.

Die Tragflächen aus Kohlefasern erhielten einen Grundriss mit gerader Vorderkante und einfach geknickter Endleiste mit dem Wortmann-Profil FX67 K170/17. Die Wassertanks mit 90 kg Fassungsvermögen erlaubten eine Flächenbelastung bis zu 48 kg/qm und die großen Schempp-Hirth-Luftbremsen fuhren nur nach oben aus und ermöglichten steile Anflüge. Mit den kurzen Flügelspitzen kann die DG-400 heute natürlich nicht mehr mit aktuellen 15-Meter-Flugzeugen mithalten, aber die meisten Piloten fliegen sowieso mit 17-Meter-Ansteckflächen und Gleitzahl 45, auch wenn dies das maximale Abfluggewicht um 20 kg verringert.

Klaus Ohlmann stellte mit einer DG-400 erst im Januar 2007 in Chapelco/Argentinien wieder zwei neue Weltrekorde in der 15-Meter-Klasse mit 109,5 km/h Durchschnitt und 1.377 km Strecke über die freie Dreiecksdistanz auf.

290 Stück produzierte Glaser-Dirks in Untergrombach von der DG-400. Ab 1987 wurde dann schon die DG-600 als Nachfolgemuster gebaut, bis ein Brand im Werk 1992 nach nur 112 gebauten Flugzeugen die Formen der Flächen zerstörte und ab 1993 dann die sehr erfolgreiche und heute noch produzierte DG-800 folgte.

Die Preise für diesen Spaßflieger sind deutlich günstiger als bei neueren Mustern und zwischen 47.000 und 55.000 Euro ist der Klassiker die ideale Einstiegsdroge in den motorisierten Segelflug.

von Thomas Beckmann

veröffentlicht im Magazin „Segelfliegen“ 6/2009

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