Der korrekte Windenstart

Ein Windenstart ist in der Regel relativ preisgünstig, lässt je nach Windenart (Doppel- oder Mehrtrommelwinde) eine rasche Startfolge zu und wird deshalb in den meisten Vereinen, insbesondere zu Ausbildungszwecken bevorzugt.
Das Windenseil wird an der Schwerpunktkupplung eingeklinkt, die bei älteren Segelflugzeugen (z.B. ASK-13) meist linksseitig montiert ist. Beim Anschleppen durch die Winde ist deshalb einem etwaigen Ausbrechen des Segelflugzeuges mit nach links ausgeschlagenem Seitenruder entgegenzuwirken. Ebenso ist darauf zu achten, dass bei ruckartigem Anschleppverhalten seitens der Winde (insbesondere bei älteren Seilwinden) das Schleppseil nicht überrollt wird (vorsichtiges Betätigen der Radbremse oder Zurückhalten durch Helfer).
Nach Erreichen der Mindestgeschwindigkeit hebt das Segelflugzeug ab. Das Höhenruder ist hierbei in Neutralstellung. Ein Ziehen ist nicht erforderlich und sogar gefährlich, da dies ein zusätzliches aufbäumendes Moment hervorrufen würde, was ohnehin schon vorliegt, da die Schwerpunktkupplung natürlich weit unter dem Schwerpunkt angebracht ist.
Der Steigflug verläuft zunächst recht flach und geht mit zunehmender Höhe in einem weichen Bogen allmählich in die volle Steigfluglage über, die mit ca. 50m erreicht wird. Der Horizont verschwindet aus dem Blickfeld. Der weitere Steigflug verläuft bei konstantem Steigwinkel und konstanter Fahrt (gezogenes Höhenruder) in der Regel unproblematisch. Jedoch ist der Verlauf des Steigfluges ständig zu kontrollieren (Blick nach links und rechts und ggf. zu korrigieren, insbesondere bei Seitenwind ist auf richtiges Vorhalten zu achten).
In der letzten Phase des Windenstarts wird der Steigwinkel allmählich flacher, der Horizont erscheint wieder im Blickfeld. Das Höhenruder wird jetzt allmählich nachgelassen (gezogenes Höhenruder in der Ausklinkphase führt bei schlagartigem Auslösen der Ausklinkautomatik zu einer hohen Flächenbelastung) bis bei konstanter Fahrt die Normalfluglage eingenommen wird. Man wartet auf das selbsttätige Ausklinken des Windenseils bzw. klinkt selbst aus und setzt die Platzrunde fort (zunächst weiter geradeaus fliegen, dreimal nachklinken, nachtrimmen, danach eindrehen in den Querabf

Mögliche Störungen, Risiken und Unfallursachen während des Startvorgangs:

  • Spornkuller – Bei Segelflugzeugen ohne Spornrad (z.B. Ka6) wird in der Regel ein sog. Spornkuller verwendet, das die Manövrierfähigkeit am Boden gewährleistet. Da das Flugzeug dann in der Regel auch mit Spornkuller an den Start geschoben wird, ist unbedingt darauf zu achten, dass dieses vor dem Start entfernt wird. Geschieht dies nicht, neigt das Segelflugzeug beim Anrollen viel leichter zum Ausbrechen, außerdem kann sich der Schwerpunkt gefährlich nach hinten verlagern (Neigung zum Abkippen oder Trudeln). Deshalb sollte der Satz „Spornkuller entfernt“ bei solchen Flugzeugen Bestandteil des Startchecks sein.
  • Sollbruchstelle – Jedes Windenseil ist mit einer sogenannten Sollbruchstelle versehen. Diese hat die Funktion, beim Überschreiten einer genau festgelegten Seilkraft zu reißen, um eine Überbeanspruchung des Segelflugzeugs während des Windenstarts zu vermeiden. Da die Belastungsgrenzen der einzelnen Segelflugzeuge sehr verschieden sind, ist für jedes Segelflugzeug eine andere Sollbruchstelle vorgeschrieben. Verwendet man eine schwächere Sollbruchstelle, provoziert man ein Reißen der Sollbruchstelle (meist in voller Steigfluglage), verwendet man eine stärkere, riskiert man eine Überbeanspruchung des Segelflugzeugs. Deshalb ist vor dem Einklinken des Windenseils unbedingt die Verwendung der richtigen Sollbruchstelle zu kontrollieren.
  • Überrollen des Schleppseils im Anschleppvorgang – Bei ruckartigem Anschleppverhalten seitens der Winde (insbesondere bei älteren Seilwinden) kann es vorkommen, dass das Schleppseil vom Segelflugzeug überrollt wird. In diesem Fall ist sofort auszuklinken, da andernfalls (bei erneutem Anschleppen der Winde) hohe Belastungen auftreten oder sich das Seil um Rad, Fahrwerksklappen, etc. legen kann
  • Ausbrechen des Segelflugzeugs – Insbesondere ältere Flugzeuge verfügen über eine linksseitig montierte Schwerpunktkupplung, was eine erhöhte Ausbrechtendenz nach rechts während des Anschleppvorgangs zur Folge hat. Diesem Ausbrechen ist mit vollem Seitenruderausschlag nach links zu begegnen. Bei äußerst zögerhaftem Anschleppen seitens der Winde kann es jedoch vorkommen, dass das Seitenruder aufgrund der zu geringen Geschwindigkeit noch keine Wirkung zeigt und das Segelflugzeug immer weiter nach rechts ausbricht. In diesem Fall ist sofort auszuklinken.
  • Hindernisse auf der Schleppstrecke – Hin und wieder kann es vorkommen, dass bei eingeklinktem Windenseil plötzlich Hindernisse (Personen, Leppofahrer, etc.) auf der Schleppstrecke auftauchen. Der Startleiter und/oder der Windenfahrer wird in diesem Fall den Startvorgang unverzüglich abbrechen. Da man sich jedoch nicht sicher sein kann, ob diese das Hindernis rechtzeitig erkannt haben, ist auch in diesem Fall unverzüglich auszuklinken. Der Satz „Schleppstrecke frei“ sollte selbstverständlich Bestandteil des Startchecks sein.
  • Bodenberührung eines Flügels – Eine Bodenberührung eines Flügels während des Anschleppvorgangs kann katastrophale Folgen haben, schlimmstenfalls eine Drehung um die Längsachse und einen Aufschlag in Rückenlage. Die Ursachen dafür liegen häufig in einem zögerhaften Anschleppverhalten der Winde bzw. in fehlender Reaktion seitens des Segelflugzeugführers. Da sich eine etwaige Bodenberührung fast nie aussteuern lässt, ist auch bei geringster Bodenberührung einer Tragfläche sofort auszuklinken. Zwei Sekunden später kann es schon zu spät sein.
  • Seilriss oder Startunterbrechung – Trotz sorgfältigster Pflege und ständiger Überprüfung der Windenseile ist ein Seilriss niemals auszuschließen. Ebenso ist auch bei regelmäßiger Wartung ein Versagen der Startwinde nicht auszuschließen. Deshalb darf ein Seilriss oder eine andere Startunterbrechung für keinen Segelflieger ein Problem darstellen und ist deshalb wichtiger Bestandteil der Anfängerschulung. Besonders gefährlich wird eine Startunterbrechung dann, wenn bereits kurz nach dem Abheben die volle Steigfluglage eingenommen wird (Ein sog. Kavalierstart hat in der Regel katastrophale Folgen). Je nach Beschaffenheit und Länge des Fluggeländes, der Seilrisshöhe und des Windes bieten sich verschiedene Verfahren an:
    • Seilriss in Bodennähe: Ruhig in Normalfluglage nachdrücken (Übertriebenes nachdrücken wäre gefährlich, da unter Umständen in Bodennähe keine Möglichkeit mehr zum Anfangen besteht), ausklinken, geradeaus landen.
    • Seilriss bis ca. 100m Höhe: Ebenfalls (unter Betätigung der Luftbremsen, evtl. Slippen) geradeaus landen (je nach Platzverhältnissen kann in die Landebahn geflogen werden, soweit keine anderen Schleppstrecken gekreuzt werden). Bei genügender Höhe, entsprechenden Windverhältnissen und örtlichen Gegebenheiten ist auch eine Kehrkurve möglich, um danach in entgegengesetzter Richtung zu landen.
    • Seilriss über ca. 100m Höhe: Verkürzte Platzrunde fliegen (zwei 180°-Kurven, von denen die zweite rechtzeitig eingeleitet werden muss, solange noch Höhenreserve vorhanden  ist, andernfalls besteht die Gefahr der Bodenberührung eines Flügels, welche in der Regel katastrophale Folgen hat). Grundsätzlich gilt: Keine Ziellandung erzwingen und nicht unter allen Umständen versuchen, zum Startplatz zurückzukehren. Eine sichere Landung auf einer angrenzenden Wiese ist auf alle Fälle besser als eine Bruchlandung am Landekreuz.

 

  • Zu hohe oder zu geringe Schleppgeschwindigkeit – Jedes Segelflugzeug hat eine Mindestfluggeschwindigkeit, die beim Windenstart keinesfalls unterschritten werden darf (andernfalls droht ein Strömungsabriss und Abkippen, was am Windenseil, besonders in Bodennähe, fatale Folgen hat) und eine Höchstgeschwindigkeit beim Windenstart, die keinesfalls überschritten werden darf (sonst droht eine Überbelastung). Grundsätzlich gilt: Die Fahrt mit dem Höhenruder kontrollieren, beim Verlassen des vorgesehenen Geschwindigkeitsbereiches (zu schnell oder zu langsam) sofort Ausklinken. Danach sinngemäß gleiches Verfahren wie nach einem Seilriss.
  • Strömungsabriss während des Windenstarts – Dies kann zwei Ursachen haben. Einerseits das Unterschreiten der Mindestfluggeschwindigkeit (siehe oben), andererseits das unkontrollierte, übertriebene oder ruckartige Ziehen am Steuerknüppel. Dadurch kann der kritische Anstellwinkel überschritten werden, es erfolgt ein Strömungsabriss und möglicherweise kippt das Flugzeug ab oder gerät ins Trudeln. Deshalb gilt: Kein übertriebenes, ruckartiges Ziehen am Steuerknüppel während des Windenstarts.
  • Versagen der Ausklinkvorrichtung – Möglicherweise durch einen technischen Defekt oder Wartungsmangel. Es gilt: In Normalfluglage bleiben, automatisches Ausklinken abwarten und selbst versuchen auszuklinken (mehrmals). Überfliegt das Segelflugzeug die Winde am Seil, wird der Windenfahrer das Seil kappen. Dann sollte man trotzdem immer wieder Ausklinkversuche (möglichst über freiem Feld) unternehmen, da sich der am Flugzeug hängende Seilrest möglicherweise irgendwo am Boden verhaken kann oder andere Personen gefährden kann.
  • Zusammenstoßgefahr mit einem anderen Segelflugzeug – Es kann vorkommen, dass andere Segelflugzeuge während des Startvorgangs die Schleppstrecke überfliegen und den eigenen Weg kreuzen, bzw. dass man in ein im Ausklinkraum befindliches Flugzeug hineingeschleppt zu werden droht. In beiden Fällen gilt: sofort ausklinken und dem anderen Flugzeug ausweichen, man kann sich nicht darauf verlassen, dass man von dem anderen Piloten gesehen wird. Grundsätzlich gilt: Beim Startcheck den Ausklinkraum und die Schleppstrecke auf andere Segelflugzeuge hin kontrollieren („Schleppstrecke und Ausklinkraum frei“).
  • Mehrere, parallel ausgelegte Windenseile – Zweites Seil der Doppeltrommelwinde soweit zur Seite ziehen, dass es nicht mehr in der Schleppstrecke und in der Anrollbahn liegt, darauf achten, dass die Seile nicht übereinander liegen, zweiten Seilfallschirm aushängen und zur Seite legen. Andernfalls kann es passieren, dass das zweite Seil am startenden Segelflugzeug hängen bleiben (z.B. am Sporn). In diesem Fall ist der Start sofort abzubrechen, da sonst eine gefährliche Schwerpunktrücklage riskiert wird.

 

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