Wie eine Segelflugzeugfabrik entsteht

Seit 1974 wurden in Bruchsal Am Schollengarten Segelflugzeuge gebaut

Unorganisch über die Jahrzehnte gewachsen reihen sich um einen Hof insgesamt sieben Gebäude, in denen verschiedene Teile der Produktion untergebracht sind. Im Winter ist es besonders ärgerlich, wenn man dauernd über den Hof  laufen muss, um von einem Arbeitsplatz zum anderen zu kommen. Es ist aufgrund der hohen Auslastung viel zu eng, und eine dringend benötigte Serviceabteilung lässt sich aus Platzgründen nicht realisieren. Wenn nur ein Flugzeug in der Endmontage aufgebaut ist, hat kein zweites mehr Platz. Zuletzt fehlt der wichtige Flugplatz vor dem Hallentor, der einen harmonischen Ablauf der Flüge ermöglicht, die im Rahemn der Produktion und Service-Arbeiten zwingend nötig sind.

Daher beschließt DG Flugzeugbau 1999 den Neubau der Werkshallen am Flugplatz in Bruchsal. Es soll die modernste Fertigungsstätte für Segelflugzeuge der Welt werden.

 

Frühjahr 1999

Der zukünftige Bauplatz ist ausgesucht. DG Flugzeugbau wird auf einem Grundstück direkt neben dem Flugplatz Bruchsal (EDTC) neu entstehen. Der Saalbach, der das Grundstück Richtung Norden vom Flugplatz abtrennt wird mit einer Brücke versehen, um die Flugzeuge im aufgebauten Zustand zum Flugplatz zu befördern. Die Zufahrt erfolgt über die Zufahrtsstraße zum Flugplatz.

 

 

 

 

Herbst 1999

Eine Flächenbedarfsplan wird aufgestellt. Was haben wir? Was wollen wir erreichen? Welche Flächen benötigen wir dann? Daraus zeichnet der Architekt die ersten Rohentwürfe.

 

Januar 2000

Unser Architekt hat die Planung fertig und reicht sie beim Bauamt ein.
Es folgen viele Gespräche über die Raumaufteilung im Detail. Der wichtigste Plan hängt in der Produktion aus und unsere Mitarbeiter sind aufgefordert, Ihre Vorschläge einzubringen. So „baut“ sich jeder seinen eigenen Arbeitsplatz. Der eine möchte eine zusätzliche Wand, der andere eine spezielle Staubabsaugung, der dritte an einem Punkt eine besonders helle Arbeitsfläche usw.
Die Baugenehmigung soll noch im März kommen, der Bau ist ab Mai geplant.

 

April 2000

Zeitungsartikel aus der BNN

DG baut ein neues Flugzeugwerk am Segelflugplatz
Spatenstich am 1. Mai

Nach 27 Jahren verlässt der renommierte Segelflugzeughersteller „DG Flugzeugbau“, den Stadtteil Untergrombach, um mit einem Investitionsvolumen von neun Millionen Mark in ein neues Werk am Bruchsaler Flugplatz umzusiedeln. Gleichzeitig ist geplant, den Mitarbeiterstamm von derzeit 53 Beschäftigten auf 80 langfristig zu vergrößern. Mit dieser guten Nachricht überraschte jetzt Firmenchef Friedel Weber anlässlich einer internationalen Segelflieger-Tagung, in Albuquerque/New-Mexico.

Seit Jahren litt DG Flugzeugbau auf dem Untergrombacher Firmengelände Im Schollengarten unter massiven Platzproblemen: Auf insgesamt sieben Gebäude um einen beengten Werkshof verteilt, gestaltete sich die Produktion der hochwertigen Flugzeuge zunehmend schwieriger. „Wenn wir ein Flugzeug aufgebaut haben, schrammten wir mit Sicherheit irgendwo an eine Gebäudeecke oder ein Leitwerk einer anderen Maschine. Alles zu eng, zu klein, zu veraltet“, sagte Friedel Weber, der den 1996 in Konkurs gegangenen Betrieb übernommen hatte.

Kam noch hinzu, dass das gesamte Handling der vom Band gelaufenen Flugzeuge immer unwirtschaftlicher geworden war: Für einen Einflug eines Neuflugzeuges oder einen Kunden- Demonstrationsflug mussten die Segler im Werk abgebaut, in den Anhänger verladen, auf den Segelflugplatz gefahren und dort wieder aufgebaut werden. Nach dem Flug spielte sich das ganze in umgekehrter Reihenfolge erneut ab. Weber: Für einen Flug brauchten unsere Testpiloten bis zu drei Stunden insgesamt. So etwas rechnet sich heute nicht mehr.“

Das soll nun anders werden. Am 1. Mai erfolgt auf einem 17.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Bruchsaler Industriestraße zwischen Querspange, Otto-Lilienthal-Weg und dem Saalbach der erste Spatenstich für das neue Flugzeugwerk. Dieses entsteht in eingeschossiger Stahlskelett-Bauweise auf einer Fläche von 80 mal 70 Meter, mit 5 000 Quadratmeter Nutzfläche für die Produktion sowie einem zweigeschossigen Bürotrakt mit 800 Quadratmeter Nutzfläche.

Das Pfiffige an der Planung aber ist der direkte Zugang vom Produktionsgebäude über eine 20 Meter breite Brücke über den Saalbach zum Bruchsaler Segelflugplatz. „Das bedeutet, dass wir in nur fünf Minuten eine Maschine aus der Endmontage an der Startbahn haben“, erläuterte Firmenchef Weber. Was die Test- und Einflüge angeht, rechnet Friedel Weber höchstens mit 100 Start übers Jahr verteilt.

Dies hängt unmittelbar mit den Produktionszahlen zusammen. So peilt das Unternehmen für 2001 die Herstellung von 50-60 einsitzigen Motorseglern des Typs DG-800 sowie die Fertigstellung von 20 Doppelsitzern der 500er Serie an, die im Rohbau vom Partnerwerk „AMS“ im slowenischen Lesce – Bled nach Bruchsal geliefert werden.  Die Herstellung des jüngsten Doppelsitzer-Musters, der DG-1000 soll wieder samt Zulassung, Einflug und Auslieferung in Bruchsal erfolgen. Bis heute sind weltweit 1816 DG-Flugzeuge im Einsatz.

Mit der Fertigstellung des neuen Werkes am 15. Dezember dieses Jahres und der geplanten Aufnahme der Produktion am 8. Januar 2001 will Friedel Weber allerdings auch die Produktpalette seines Unternehmens deutlich ausweiten:
Neben dem traditionellen Flugzeugbau ist vorgesehen, Fremdprodukte wie Hauben für Solarien, Kunststoff-Formteile in Faserverbundweise oder auch den Golfschläger in Carbon Faser herzustellen. Weber: „Wir sichern damit ein zweites Standbein. Die Nachfrage ist groß und wir haben als Flugzeughersteller in dieser Branche nun mal den besten Ruf!“

 

 

Mai 2000:

Auch wenn in der Zeitung der „erste Spatenstich“ für den 1.5. angekündigt war, ist auf dem Bauplatz Ende Mai noch nichts zu sehen. Das macht aber nichts, denn die Aufträge sind inzwischen vergeben und die Stahlbau-Teile werden vorgefertigt.

Am 29.5. startet das Tiefbau-Unternehmen mit der Vorbereitung des Bauplatzes, schiebt die obere Bodenschicht beiseite und bringt etwa 15.000 Tonnen Split und Kies als Untergrund für die Halle ein.

 

 

August 2000

Inzwischen ist die Baustelle planiert und befestigt, die Baustraßen für den großen Autokran sind fertig und die Fundamente für Stützen und Wände sind gegossen.
Bei unserem Haupt- Auftragnehmer, der Firma Freyler Industriebau soll schon der Stahl vorfabriziert sein, so dass nach einem baldigen Montagebeginn die Halle in wenigen Tagen im Rohbau steht.

 

September 2000

Ab Mitte September geht es rasant vorwärts. Drei Telekräne und zwei Hubwagen heben die vorgefertigten Stahl- und Betonteile an die Montageorte. Man kann zusehen, wie der Bau wächst:

 

 

Oktober 2000

 

 

21. Dezember 2000

Die neue Fabrik ist in letzter Sekunde fertig geworden und alle Mitarbeiter feiern im Rahmen einer Weihnachtsfeier die Grundsteinlegung, das Richtfest und die Fertigstellung der neuen Werkshallen nach nur knapp 6 Monaten Bauzeit.

Später, am 27.03.2002 wurde der Flugplatz offiziell als Werksflugplatz der Fa. DG Flugzeugbau anerkannt.

 

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