Rosi Scheck und Roland Schlude

Wir starteten an einem Donnerstagmorgen, am 19.5.2005. Unsere Freunde aus Reutlingen, Volker und Axel überflogen mit einer DG-400 und einer DG-600 schon das Degerfeld. Die Thermik war gut und kräftig, so kamen wir über dem Schwarzwald und Jura gut voran. Unser Ziel, Le Puy en Velay war etwas zu hoch gesteckt, denn das Rhonetal gab keine Thermik ab und so landeten wir in Roanne.
Bei den jungen Segelfliegern von Roanne konnten wir übernachten. Die Jungs verwöhnten uns ganz auf französische Art mit einem üppigen Nachtmahl bestehend aus Würstchen, Fleischspießen, Kartoffeln vom Grill und dazu gab es noch einen großen bunten Salat.
Am nächsten Tag mussten wir weiter, schlechtes Wetter war angesagt und im Westen bauten sich schon große Gewitter auf. Nach dem Start konnte Volker bei seiner DG-400 den Motor nicht mehr einfahren und musste zurück zur Landung, Axel folgte ihm.
Wir blieben in der Luft und erreichten am Abend St. Afrique Belmont. Von hier aus sollte uns der Sprung über die Pyrenäen gelingen. Auch hier war am nächsten Morgen schlechtes Wetter vorhergesagt und so beeilten wir uns mit dem Abflug. Aber bald wurden die Wolken immer dichter und niedriger. Traurig entschlossen wir uns in Pamier zu landen. Doch auf einmal entdeckten wir ein Loch in den Wolken durch das man etwas blauen Himmel sah. Wir stiegen mit Motorkraft hindurch und hatten ein herrliches Panorama vor uns. Die Pyrenäen erstrahlten im Licht der südlichen Sonne, während auf der französischen Seite eine dichte Wolkendecke unter uns lag. Ein dringendes Bedürfnis und wenig Sprit erzwangen auf der Passhöhe, in dem weiten Tal von La Cerdanya, einen kurzen Stopp. Ein starker Seitenwind blies über den Flugplatz. Bald aber hatten wir das Ebro Tal erreicht und landeten in Lleida.
Gleich nach der Landung drückte uns ein Spanier kurzerhand sein Handy ans Ohr, er hatte Juan angerufen und ihm gesagt: „Du, ich glaube, deine deutschen Freunde sind gerade gelandet“. Kurz darauf landeten noch 3 Maschinen, 2 Deutsche und ein Franzose, die gerade aus Marokko zurückkamen. Juan lud uns ein, in seiner neu erbauten Villa zu übernachten. Am Abend wurden wir alle von Juan und Agostino, in einem feinen Restaurant zum Diner eingeladen. Bezahlen kam nicht in Frage, wir wären die Gäste, sagte man uns.
Wir verbrachten einen Tag zusammen mit unseren Gastgebern und flogen am nächsten Tag ein gemeinsames kleines Dreieck, ein Geschwader von einer DG-400, einer DG-500M und einer DG-505M. Dabei zeigte es sich, dass unsere Spanier mit Motorkraft erst so hoch steigen, dass sie ihr Ziel im Gleitflug sicher erreichen können. Nun konnte ich auch die Anspannung meines Begleiters begreifen, der etwas unruhig wurde, als ich schon bald nach dem Start den Motor wieder einfuhr.
Resümee der Geschichte, im nächsten Jahr wollen wir zusammen mit den Spaniern die iberische Halbinsel erkunden.
Von LLeida aus wollten wir nach Ocana fliegen, etwa 50 km südlich von Madrid. Trotz des schönen Wetters war die Thermik jedoch sehr mager und so landeten wir auf Calamocha, ein Flugplatz, der seit dem Bürgerkrieg wohl kaum mehr benutzt wurde und daher auch kaum noch zu finden war. Als unsere Maschine ausrollte, erhob sich von einem kleinen Damm aus, plötzlich ein ganzer Pulk von Geiern.
Wir fanden uns bestätigt, dass wenn selbst die Geier am Boden sitzen bleiben, für uns die Fliegerei auch keinen Sinn machte.
Am nächsten Tag erreichten wir bei guter Thermik schon bald unser Ziel. Jose, Duarte und Jörg, unsere portugiesischen Freunde waren ganz überrascht, als sie uns erblickten. Sie nahmen an einem großen internationalen Wettbewerb, mit 44 Maschinen, teil. Es waren Flieger von Neuseeland, Südafrika, Kenia, Kanada, Holland und Deutschland dabei. Wir gönnten uns einen Tag Ruhe und halfen unseren Kameraden bei den Vorbereitungen zum Start.

Zwischen Ontur und Requena
Von Okana aus, wollten wir nach Muchamiel bei Alicante. Muchamiel oder auch Muxamiel geschrieben, bedeutet viel Honig.
Es war kein einfacher Flug, wir hatten Gegenwind und fanden trotz Hitze einfach keine Thermik. Ständig mussten wir im Sägezahnstil fliegen, d.h. mit Motor steigen und dann die Höhe wieder abgleiten. So langsam ging uns der Sprit aus, was in Spanien nicht ganz unproblematisch ist, denn die Flugplätze liegen weit auseinander. Ein großer Militärflughafen, Albachete 25 km entfernt oder Ontur noch 90 km weit, stand zur Verfügung. Wir riefen Albachete, aber erhielten
keine Antwort, so mussten wir mit viel Fingerspitzengefühl und der besten Gleitzahl den Flugplatz Ontur erreichen.
Kurz vor uns war ein Engländer mit einer DG 800 dort gelandet, der auf dem Rückweg von Marokko war. Er sagte, dass er auch keine Thermik hatte, weil dies nur heiße, trockene Luft aus Afrika wäre. Das ganze Land sah ausgedörrt aus und die Seen waren fast allesamt ausgetrocknet.
Dank der Hilfe eines Spaniers konnten wir ein paar Liter Sprit an einer Tankstelle holen und alsbald wieder starten.
Wir schauten uns Benidorm an und besuchten ein Freundin aus Kindertagen in Altea. Nach einem Bad im Meer, wollten wir bis nach Villamartin fliegen, bei Sevilla, aber die Thermik war so schlecht, dass wir uns entschlossen wieder in Ontur zu landen. Dort waren ein paar junge Leute, die eine 2 motorige Maschine reparierten. Wir glaubten, dass sie zum Flugplatz gehören würden und fragten sie daher ob wir von ihnen Sprit bekommen könnten. Natürlich könnten wir das haben, sagten sie und zapften 10 l aus dem Flächentank ihrer 2 Mot ab, ganz umsonst!
Mit der Freundin des einen fuhren wir ins Dorf, das etwa 5 km entfernt lag und kauften ein. Vorsichtshalber nahmen wir noch 2 Flaschen Wein mit, denn wir vermuteten richtig, dass wir in dieser Nacht kein Bett bekommen würden.
So kam es denn auch, der Besitzer der Appartements auf dem Flugplatz war nicht aufzutreiben und so mussten wir die Nacht auf den 2 Holzbänken davor verbringen.
Von Ontur flogen wir dann weiter bis Requena. Eine Schlechtwetter-front verfolgte uns und da wollten wir nicht noch über das hohe Gebirge bei Teruel fliegen.
Auf dem Aerodromo de Requena war kein Mensch, trotz Sonntag und hervorragenden Einrichtungen. Ein hoher unüberwindlicher Zaun um den Flugplatz herum sperrte uns ein. Doch wir hatten Glück, ein Modellflieger, der von der Autobahn aus unsere Maschine hatte stehen sehen, kam vorbei und nahm uns in die Stadt mit.
Valencia war nicht weit, nur 60 Km, wir nutzten die Gelegenheit und besuchten die Stadt an 2 Tagen. In einer Stunde war man dort mit dem Bus, für wenig Geld.
Am Mittwochmorgen baten wir an der Rezeption für uns eine Taxe zu rufen. Als wir dann wieder herunterkamen, war da ein Paar, eine hübsche junge Frau (bauchnabelfrei) und ein junger Mann, der mir einen grünen Ausweis unter die Nase hielt, Guardia Civil!! Ob wir mit einem Flugzeug hier wären, wollten sie wissen. Na, dann sollten wir mal mit auf die Wache kommen.
Dort befragten sie uns dann, woher und wohin etc. Überrascht war ich, als ich unser Flugbuch und unsere Flugkarten dort liegen sah und außerdem noch einen Ausdruck aus dem Internet von einem Flugbericht, den ich für DG Flugzeugbau geschrieben hatte. Sie hatten einfach unser Kennzeichen bei Google eingegeben und waren auf den Bericht gestoßen. Sicherheitshalber hatten sie unseren Flieger auch noch mit einem Drogenhund absuchen lassen.
Als alles klar war, fuhren sie uns zu einem Supermarkt, damit wir einkaufen konnten und dann auf den Flugplatz, kostenfrei, ein Taxi wäre teurer gewesen. Die hübsche, Flugleiterin Paula, hatte sich Sorgen um uns Piloten gemacht und die Polizei verständigt. Sie hatte Angst, dass wir uns in dem großen Waldgebiet hinter dem Flugplatz verirrt hätten, was wohl schon vorgekommen sei. Die Polizei hatte aber erst einmal alle Hotelmeldungen nach 2 Deutschen abgesucht und wurde damit dann auch fündig.
Sie war so happy darüber, dass nichts passiert war, so dass sie auf die Landegebühren verzichtete und außerdem überall anrief um uns mit den besten Wetterinformationen zu versorgen.
Von Requena aus flogen wir mit guter Thermik bis St. Cilia de Jacca in den Pyrenäen.
Am nächsten Tag flogen wir die Pyrenäen entlang und querten diese bei Andorra und landeten dann mitten in Frankreich in Le Puy.
Von dort flogen wir weiter bis Courtelary im Schweizer Jura, bei Biel.
Dort trafen wir 2 Fliegerfreunde, die solche Touren mit einem reinen Segelflugzeug machen und die sehr interessiert waren an unserem Bericht. Von da aus war es dann nur noch einen Katzensprung nach Hause.
Nach 2 Wochen braunem, rotem, ausgedörrtem Land sahen wir wieder grün, es war eine Wohltat für die Augen.
